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Thema: Ein Leseabend

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  1. #1
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Ein Leseabend

    Ein Leseabend

    von Thomas Bernhard

    Am Abend 5.Januar lud das Café Dudel am Zülpicher Wall wieder zum Literaturabend. Ich war kurz vor Weihnachten schon mal dort gewesen und hatte mir vorgenommen, an diesem ersten Termin im neuen Jahr selbst zu lesen. Der Abend stand unter dem Motto „Die zwölf meistüberschätzten Menschen der Weltgeschichte“. Was sich aber nicht auf die Autoren oder die Texte der Autoren bezog. Für den kahlköpfigen Moderator (Gerd Buurmann) war dies vielmehr Leitfaden und Pausenfüller. So schrieb er erstmal „Mozart“ ganz oben auf die Tafel. Jeder Vortragende mußte die Liste um einen weiteren Namen ergänzen. Ups, dachte ich überrascht, jetzt muß mir in meiner Lampenfiebernervosität noch schnell eine möglichst überflüssige Figur der Weltgeschichte einfallen. James Joyce kam mir spontan zuerst in den Sinn, Margaret Thatcher und Godzilla. Naja, ob Godzilla noch als Mensch durchgehen würde, hielt ich für fraglich. Wobei das bei Margaret Thatcher auch diskussionswürdig ist. Aber da ich wußte, daß ich auf jeden Fall vor neun Uhr dran sein würde, durfte ich nicht zu lange überlegen. John F. Kennedy und Goethe standen nach den ersten zwei Vorlesern unter Mozart Dann kam eine junge, gut aussehende Schwarzhaarige. Ich verstand ihren Text nicht, also inhaltlich, akustisch habe ich sie gut verstanden und sie schrieb nach ihrem Vortrag „Fidel Castro Ruz“ auf die Liste, Ruz? Achja, dachte ich, bei den Spaniern und Südamerikanern werden immer Nachname von Vater und Mutter genannt. Und die gutaussehende Schwarzhaarige wollte offenbar Frau Ruz nicht unterschlagen. Apropos gutaussehend: Auf der Lesung kurz vor Weihnachten hatte eine wahnsinnig attraktive Braunhaarige Gedichte vorgelesen. Ich war so beeindruckt, daß ich nicht mehr sagen kann, um was es in ihren Gedichten ging. Natürlich hoffte ich, sie würde an diesem Abend wieder auftauchen. Vorerst kamen noch zwei weitere Namen auf die Liste, bevor ich dran war: Albert Einstein und Helmut Kohl. Herrje, dachte ich, als ich aufgerufen wurde, die Sache wird mir jetzt doch etwas zu ernst und schrieb, bevor ich zu lesen anfing, „Batman“ in die nächste Zeile. Vier Blockbuster, fünf Darsteller verschlissen, keine richtigen Superkräfte und ein albernes Kostüm, das jedes Fetischistentreffen krönen würde. Außerdem hat er zwar Batcave, Batmobil, Batboot usw. usf, aber kein Telefon, wie Gerd Buurmann richtig bemerkte. Ich las, wie schon auf der Langen Hürther Literaturnacht, „Der Che ist Bullshit“ vor. Ich versuchte langsam und laut und deutlich zu sprechen, was dazu führte, daß ich nach einer Weile merkte, daß ich nicht mehr genug Luft bekam Mein Kopf lief rot an. Glaube ich jedenfalls. Ich machte zwischen manchen Sätzen eine extra tiefe Zwischenatmung, dann ging's wieder. Eigentlich ist „Der Che ist Bullshit“ eine traurige Geschichte. Mein studentischer Held wurde gerade wegen eines widerlichen Typs von seiner Freundin verlassen und ist davon so paralysiert, so verbrettert, daß er überhaupt nicht merkt, daß ein anderes, sehr nettes Mädchen sich für ihn zu interessieren beginnt. Dennoch: Stellenweise Gewieher aus dem Publikum. Wahrscheinlich alles Frauen. Nun gut, trotzdem kann ich mit dem ersten Auftritt auf dieser Bühne ganz zufrieden sein. Dann war Pause und ich hole mir ein frisches Bier.
    Der Abend wurde fortgesetzt von dem Musikduo „Grau“ (Gitarre und Kontrabass), die drei kurze, sehr melancholische Lieder zu Gehör brachten. Sie schrieben „Helmut Haw-degger-win“ auf die Tafel. „Helmut“ stand für Helmut Schmidt, „Haw“ für Stephen Hawkings, „degger“ für Martin Heidegger und für was „win“ stand, habe ich vergessen (Alec Baldwin?). Dann kam ein Beitrag, der „Aura-Googles“ hieß, der gefiel mir von allen Texten am besten und war auch sehr lustig, fand ich. Als er, der Autor, im Begriff war, einen Namen auf die Liste der meistüberschätzten Menschen zu schreiben, rief ich „Mal ´ne Frau!“nach vorne, doch vergeblich: Er schrieb „F. Nietsche“ (ohne „z“!). Nachdem ein Fräulein in orangefarbenen Hosenanzug die Liste um den Namen „Dschingis Khan“ ergänzt hatte (von meiner sexy Braunhaarigen keine Spur!), kam Johann König, ein bekanntes Gesicht, weil ein von SAT1 etwas totgesendeter Mensch. „Wenn die Aldi-Brüder vier gewesen wären, dann gäbe es jetzt Aldi Süd, Nord,Ost und West - aber zwei reichen auch für die Pest“ trug er vor und sein übriger Sermon war auch recht amüsant.
    Dann kam endlich die Braunhaarige! Doch welche Enttäuschung: Sie hatte eine total andere Frisur und kackfarbene Sachen an, die aussahen und saßen, als seien sie aus alten Jutesäcken genäht worden! Aber zugegeben: ihr Auftritt war charmant, vor allem zur Eröffnung auf einer uralten Trompete eine Fanfare blasen zu wollen. „Alan Carr“, der Autor von „Endlich Nichtraucher“, wie sie ergänzte, ergänzen mußte, weil natürlich niemand im Raum Alan Carr kannte, ich auch nicht, schrieb sie auf den letzten Platz der Liste, unter dem „Jesus“ von Johann König.
    Am 2. Februar ist Themenabend „Moor“.
    Geändert von Thomas Bernhard (07-01-2006 um 17:33 Uhr) Grund: Da waren ja noch -zig Fehler drin! Sorry!
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
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    Dem Reimliebhaber ein Gedicht.

  2. #2
    Unregistrie Gast
    offtopic: bin ich hier die einzige, die beim durchgucken immer lesbenabend liest ?

  3. #3
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Lesbenabend

    Ja.
    Denn dies hier ist das Forum für Wettbewerbe, Lesungen und Veröffentlichungshinweise.

    Auch Off-Topic: Was ist denn eine Lesbenabend? Treffen sich da Matronen mit Kurzhaarfrisur auf ein Gläschen Liebfrauenwein und reden über Tapetenmuster oder die Männerwelt schlecht?
    Thomas Bernhard ist Student im dritten Semester, dass ihn zum Diplom-Rezipienten formen soll.
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  4. #4
    Der Vogone Gast
    Zitat Zitat von Unregistrie
    offtopic: bin ich hier die einzige, die beim durchgucken immer lesbenabend liest ?
    Anscheinend ja! Obwohl ich manchmal auch ziemlichen Stuß zusammenlese, wenn ich Worte nur überfliege. Dann wird aus "verkaufsoffener Sonntag" schon mal "versoffener Sonntag" und aus einer Protestveranstaltung eine Prost-Veranstaltung...
    Eine Freundin von mir las kürzlich "Heilblase". Sollte natürlich "-salbe" heißen...

    @TB: Seeeehr amüsant, wirklich! Besonders deine rote Birne kann ich mir lebhaft vorstellen. Wahrscheinlich hast du vor Aufregung zu oft und zuviel ein- und zu selten ganz ausgeatmet. Ist mir bei Nervosität auch schon passiert. Dann ist man ständig aufgepumpt wie ein Ballon, die Stimme wackelt und die Sinne drohen einem zu schwinden. Da hilft kein noch tieferes Einziehen der Luft, da hilft nur: zwischendurch einfach mal ganz raus damit! Rät dir jedenfalls der Experte.

    Aber, wie gesagt, ein höchst vergnügliches kleines Stückchen, das! Daß du in einem Pulk von mutmaßlichen Kettenrauchern und Kampftrinkern gelandet bist, die Alan Carr nicht mal dem Namen nach kennen, gibt mir allerdings zu denken...

  5. #5
    Thomas Bernhard ist offline "Rektor" (3000 - 5999 Beiträge)
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    Thomas Bernhard mit der roten Ömme

    Vogone,
    vielen Dank für das Lob über meinen kleinen Leseabendbericht.

    Am 2.Februar möchte ich auch lesen, nachdem ich entdeckt habe, daß ich tatsächlich schon was habe, was zum Thema passt und nicht allzu lange ist...
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