Anspruchsvoll, aber lukrativ: Das Wirtschaftsprüfer-Examen

Experteninterview zum Einstieg in die Wirtschaftsprüfung

von Ann-Christin von Kieter
Wirtschaftsprüferexamen
Das Wirtschaftsprüfer-Examen ist eine Herausforderung | Foto: Thinkstock/vladans

Im Interview mit UNICUM erklärt Prof. Dr. Jens Wüstemann, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine BWL und Wirtschaftsprüfung an der Uni Mannheim und Präsident der Mannheim Business School, wie man das Wirtschaftsprüfer-Examen meistert und warum die großen Konkurrenten der Branche ("Big 4") in ein gemeinsames Großprojekt investieren.

Gehalt und Perspektive passen

Prof. Dr. Jens Wüstemann
Prof. Dr. Jens Wüstemann | Foto: Fotostudio Backofen Mannheim

UNICUM: Warum lohnt es, sich beruflich in Richtung "Wirtschaftsprüfung" zu orientieren?
Prof. Dr. Jens Wüstemann: Der Wirtschaftsprüfer-Beruf ist eine lebenslange Herausforderung, die eine sehr große Selbstständigkeit voraussetzt und ermöglicht. Man ist global unterwegs, lernt Unternehmen aus verschiedenen Branchen in allen Facetten kennen. Übrigens ist der Beruf auch sehr lukrativ. Aber das sei nur mal am Rande erwähnt. Es ist wirklich ein toller Beruf – wenn man es dahin schafft. 

Ich möchte Wirtschaftsprüfer werden – wie genau läuft der Karriereweg ab?
Zum Wirtschaftsprüfer wird man erst bestellt, wenn man ein sehr aufwendiges Examen, bestehend aus sieben Klausuren in Wirtschaftsrecht, Steuern, wirtschaftlichem Prüfungswesen und BWL/VWL sowie einer mündlichen Prüfung erfolgreich absolviert. Das kann man nach dem Bachelor oder Master machen, wenn man bei einem Unternehmen eingestellt ist und eine gewisse Berufspraxis vorweisen kann. In der Non-Busy-Season ab Mai wird man von vielen Arbeitgebern für die Vorbereitung auf das Examen im August freigestellt. Die Bestehens-Quote liegt dann bei etwa 20 Prozent. Man sollte besser etwa zwei Jahre vorher mit dem Lernen beginnen – in Fernlehrgängen oder durch Selbststudium. 

Das klingt hart.
Es gibt aber eine interessante Möglichkeit, das Ganze zu verkürzen. Die sogenannten "Big 4" (PwC, KPMG, EY und Deloitte, Anm. d. Red.) haben vor einigen Jahren zusammen die Initiative "Audit Xcellence" ins Leben gerufen. Wer einen speziellen Masterstudiengang erfolgreich absolviert, muss nur noch die Klausuren in den beiden Fächern "Steuern" und "Prüfungswesen" schreiben. Los ging es an unserer Mannheim Business School, mittlerweile gibt es noch weitere Standorte. 


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Welche Aufgaben übernimmt man denn schon vor dem Examen im Unternehmen?
Man wird üblicherweise eingesetzt – das kann auch schon als Praktikant oder Werkstudent sein – bei überschaubaren Prüfungstätigkeiten wie der Anlagenbuchhaltung, wo man im Grunde nachweist, ob die Maschinen da sind, die bilanziert werden. Nach ein, zwei Jahren leitet man vielleicht schon einzelne Prüfungsfelder – eine große Prüfung wird zerteilt in viele Unterabschnitte. Erst wenn man irgendwann Wirtschaftsprüfer ist, darf man am Ende selbst das Prüfungstestat ausstellen und arbeitet nicht mehr nur zu. 

Was können die Big 4 Berufseinsteigern mehr bieten als Mittelständler?
Der große Unterschied ist sicherlich, dass sie weitestgehend international integriert sind. Es werden einheitlich für die ganze Welt Prüfungstechnologien und Software-Plattformen entwickelt. Und natürlich haben sie im Grunde fast alle großen Mandate – die Frage ist, ob man das als Vor- oder Nachteil sieht. Die kleineren Gesellschaften werben genau damit, dass sie sagen: Bei uns prüft ihr nicht nur arbeitsteilig einen kleinen Teil, sondern bekommt quasi das Gesamtpaket. 

Wie findet man unter den Vieren den richtigen Kandidaten für sich?
Ich persönlich würde schon sagen, dass es Unterschiede gibt, in der Herangehensweise, in der strategischen Ausrichtung usw., aber das ist für einen Berufsanfänger im Grunde kaum zu erkennen. Was da eher noch eine Rolle spielt, sind die Standorte, wo die Gesellschaften groß sind oder die Firmenkultur, die man vielleicht schon durch ein Praktikum kennengelernt hat. Oder man weiß, dass man ein bestimmtes Unternehmen prüfen will. Dann muss man eben zu der Gesellschaft gehen, die das tut.


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Zur Person: Professor Dr. Jens Wüstemann


Mannheim Master of Accounting & Taxation

Der berufsbegleitende Studiengang dauert drei Jahre, endet mit dem M.Sc. und bereitet optimal auf das Wirtschaftsprüfer- oder das Steuerberater-Examen vor. 

Die Mannheim Business School ist ausgewählte Partnerhochschule der "Audit Xcellence"-Initiative der Big 4. Pro Jahrgang übernehmen diese jeweils für 47–58 Studierende die Kosten von 25.000 Euro (Taxation Track) bzw. 32.000 Euro (Accounting Track) pro Studienplatz. 

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