Ausbildung bei einer kirchlichen Bank

Himmlische Rendite

von Nathalie Klüver
Claudia Fleu (25), Privatkundenberaterin bei der Trierer Pax-Bank
Foto | Marco Piecuch

Ethik, Menschlichkeit, Nachhaltigkeit und eine Karriere bei einer Bank? Und dann noch eine Nonne als Kundin? Bei kirchlichen Banken ist das keine Seltenheit.

Banken und Kirche – passt das zusammen? Schließlich gelten Banken seit der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren als die Repräsentanten des Raubtierkapitalismus. Passt das mit einem christlichen Weltbild zusammen? Mit der viel gepredigten Nächstenliebe?

Ja, findet Claudia Fleu. Die heute 25-Jährige hat bei der katholischen Pax-Bank ihre Ausbildung gemacht und ist seit 2009 Privatkundenberaterin in Trier. Dass sie ihre Ausbildung bei einer kirchlichen Bank machte, war kein Zufall: "Ich fühle mich der katholischen Kirche zugehörig und identifiziere mich mit dem christlichen Weltbild."

Bewusst habe sie sich für eine Genossenschaftsbank entschieden, stehen hier doch die Menschen im Vordergrund des Geschäftsmodells. Eine kirchliche Bank sei in einer Nische tätig und setze besondere Akzente in der Kundenorientierung und Betreuung - besonders spannend, sagt Claudia Fleu. "Wenn man zum Beispiel mit Ordensschwestern zutun hat, sieht man die Notwendigkeit des wirtschaftlichen Handelns einmal aus einer ganz anderen Perspektive." Das sind die Art von Kunden, mit denen der Otto-Normalbanker eher selten zu tun hat. Versteht sich von selbst, dass eine Nonne eine andere Beratung braucht (und will) als Nachwuchsmanager Hinz oder Kunz.

"Kein Vertriebsdruck wie bei herkömmlichen Banken"

Nicht allein materielle Werte bestimmten das Handeln der Bank, sondern auch ein Ethik-Kodex, betont Claudia Fleu. Dabei gelte, dass Geld vor allem dem Menschen dient und auch soziale Rendite erwirtschaftet. So kann auch ein Priester guten Gewissens sein Gehalt anlegen.

Auch das Kollegenumfeld sei sehr teamorientiert. Außerdem gebe es keinen Vertriebsdruck wie bei herkömmlichen Banken: "Das Bankgeschäft funktioniert nicht nur mit Geld, wichtiger sind die richtigen Informationen und eine persönliche Beziehung zum Kunden.

"Für den Job gebe es ein Bekenntnis zu den christlich-katholischen Werten, Gegenstand des Arbeitsvertrages sei es jedoch nicht gewesen. "Wir legen Wert darauf, dass unsere Mitarbeiter der Kirche nahestehen, dies zeigt sich insbesondere durch ein hohes Engagement im kirchlichen Ehrenamt", erklärt Banksprecher Alfred Krott. Die Pax-Bank sei zunächst eine Universalbank mit allen Dienstleistungen einer gewöhnlichen Bank, jedoch auch eine Förderbank, zu der eine Stiftung und eine EU-Fördermittelberatung gehören.

Auch bei den Protestanten gibt es Banken, die auf christlichen Werten basieren, zum Beispiel die EKK (Evangelische Kreditgenossenschaft), bei der Carolin Caliebe im Vorstandsstab Öffentlichkeitsarbeit arbeitet. Für die 32-Jährige ist der Genossenschaftsgedanke und das nachhaltige Geschäftsmodell wichtig gewesen. Seit einem halben Jahr ist sie in der Hauptverwaltung in Kassel tätig und hat ihre Entscheidung nie bereut.

Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche ist Voraussetzung

Dazu trage auch das Arbeitsklima bei: "Uns leiten christliche Werte, die in einer gelebten Partnerschaft mit Kirche und Diakonie sichtbar werden." Das führe zu einem ehrlichen, verlässlichen, offenen und respektvollen Umgang mit anderen und untereinander. "Außerdem gehören für uns Hilfsbereitschaft und Solidarität zu einer verantwortungsvollen Zusammenarbeit", fügt sie hinzu. So gebe es ein Projekt, bei dem Bankmitarbeiter in verschiedenen Einrichtungen wie Altenpflege, Jugendarbeit oder Suchtberatung hospitieren. Denn die Schlagworte sollen mit Leben gefüllt werden.

Wie die Pax-Bank orientiert sich die EKK an christlichen Werten, zu denen unter anderem Gerechtigkeit, die Zehn Gebote, Vertrauen, Verantwortung und ein christliches Menschenbild zählen. Die evangelische Konfession ist jedoch keine Voraussetzung für einen Job bei der EKK, wohl aber die Mitgliedschaft in einer christlichen Kirche. Bei beiden Banken kommen die Kunden aus dem kirchlichen Umfeld, sind kirchliche Institutionen, Caritas oder Diakonie, aber auch Privatkunden mit engem Kirchenbezug. Der Nachhaltigkeitsgedanke, der kommt immer besser an – nicht erst seit dem letzten Börsencrash.

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