Das Start-up Salamworld: Facebook für Muslime
Zielgruppe: Jung, online, muslimisch!

- Foto: Screenshot
Kommt die nächste Internetrevolution aus Istanbul? In Kürze soll Salamworld starten – eine Mischung aus eBay und Facebook für Muslime. UNICUM hat die Macher des jungen Start-ups getroffen.
50 Millionen User in drei Jahren heißt das Ziel

- Vize Ahmed Azimov | Foto: Salamworld
Was haben al-Qaida, das Playboy-Bunny und eine Popup-Werbung für Whisky-Cola gemeinsam? Richtig, sie sind allesamt „haram“, also sündhaft und unislamisch. Und darum haben sie bei Salamworld nichts zu suchen.
Salamworld, übersetzt „Friedenswelt“, heißt das neue Online-Netzwerk von Muslimen für Muslime, dessen millionenschwerer Launch gerade mit Pauken und Trompeten in Istanbul über die Bühne ging. Die Geschäftsidee leuchtet ein: Etwa 1,7 Milliarden Muslime gibt es weltweit. Über 50 Prozent von ihnen sind unter 25 Jahre alt – also nicht nur Internetnutzer, sondern vor allem auch typische Freunde-Sucher, Anstupser und Gefällt-mir-Button-Klicker bei Facebook und Co.
Sie bilden die Zielgruppe, die die muslimischen Gründer von Salamworld nun von Istanbul aus in gleich acht Sprachen erobern wollen. Abdulvaheed Niyasov, ein politisch aktiver Moslem mit kasachischen Wurzeln, gründete das Unternehmen Salamworld im Sommer 2011. Er und sein Vize Ahmed Azimov sind die Ideengeber hinter dem Projekt, fünf weitere muslimische Geschäftsmänner beteiligen sich vor allem finanziell.
Bisher, so heißt es, investierten sie ihre Millionen eher in Erdgas und Öl. Doch in Zeiten, in denen es selbst Facebook auf einen Börsenwert von über 100 Milliarden Dollar bringt, scheint der Markt muslimischer Internetnutzer noch verlockender als Energie.
Seit Monaten reisen vor allem Niyasov und Azimov deswegen mit ihrer Idee im Gepäck durch die muslimische Welt, begeistern Scheichs und Regierungschefs, Musiker und prominente Prediger. 50 Millionen User in drei Jahren heißt das Ziel.
Podcast-Predigten und islamkonforme Videospiele
"Salamworld wird eine Marktlücke schließe", so die Überzeugung der Gründer. Islamische Werbekunden und Bezahl-Angebote sollen die bisher investierten 50 Millionen US-Dollar mühelos wieder einfahren.
Salamworld will offensichtlich mehr sein als nur ein Facebook-Klon für Muslime: Gebetsteppiche per Mausklick im Onlineshop, Podcast-Predigten und Moschee-Guides zum Download, islamkonforme Videospiele, Imam-Fragehotlines und Diskussionsforen sind nur einige der Angebote, die muslimischen Internetnutzern das Surfen versüßen sollen.
Terror-Aufrufe, Erotik-Filmchen, Alkoholwerbung? Nicht hier, Salamworld-Pressesprecher Yavuz Selim Kurt schüttelt entschieden den Kopf: "Wir erlauben keinerlei Pornografie, keinen Rassismus oder religiöse Diskriminierung. Kurz: Als Salamworld dulden wir keinerlei schädliche Inhalte in unserem Netzwerk."
Klingt einleuchtend, ist aber kompliziert! Denn was genau "schädliche Inhalte" sind, das ist natürlich Ansichtssache, auch – oder sogar gerade – unter Muslimen. Es reicht ein Blick auf die jungen Istanbulerinnen, die in knallengen Jeans und Kopftuch an Yavuz Selim Kurts Büro vorbeistolzieren.
Kurz & kompakt
- Seit Ende Juli, passend zum Ramadan, ist das neue Online-Netzwerk für Muslime www.salamworld.com online.
- Die islamkonforme Seite gibt es in acht Sprachen, die Kosten belaufen sich auf 50 Millionen US-Dollar.
- Bei rund 900 Millionen Muslimen unter 25 weltweit rechnen die Salamworld-Verantwortlichen mit 50 Millionen Nutzern in den ersten drei Jahren.









