Der Punk unter den Bankern
Gerhard Hörhahn redet Klartext

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„Ihr seid Arschkriecher“ und „Ihr seid den Politikern scheißegal“. Das sind Worte von Investmentbanker Gerald Hörhan, die ihr in seinem Buch „Gegengift “ findet. Mit „ihr “ meint der klischeeferne Banker genau genommen euch. Für UNICUM setzt sich Gerald Hörhan noch mal an den Schreibtisch und erzählt, wie man Banker wird.
Die meisten Bewerber, die bei mir eine Karriere als Investmentbanker starten wollen, bringen falsche Vorstellungen von diesem Job mit. Sie glauben, dass sie als Investmentbanker in eleganten Büros oder teuren Restaurants mit Pokermine Verhandlungen führen und den Rest ihrer Zeit lukrative Deals feiern und in Ferrari-Prospekten blättern. Ich lade sie gerne zu einem Schnupperkurs ein, bei dem sie ziemlich bald feststellen, dass die Praxis mit dem Mythos nichts gemeinsam hat.
Für Anfänger besteht ein großer Teil der Arbeit auch darin, Geschäftspartnern wegen fehlender Unterlagen nachzulaufen. Sie müssen Ordner für Unternehmensprüfungen aufbereiten, Termine mit Anwälten und Wirtschaftsprüfern koordinieren, Protokolle schreiben und Internetrecherchen durchführen. Ein paar Wochen mit dieser Beschäftigung reichen den meisten hoffnungsvollen Interessenten, um entweder mich persönlich, meine Firma, die Finanzbranche oder die Wirtschaft an sich furchtbar langweilig zu finden.
"Durchschnittliche Intelligenz reicht"
Die gute Nachricht ist, dass Investmentbanking relativ einfach zu verstehen ist. Investmentbanker beschaffen Geld für andere und sie verkaufen oder kaufen im Auftrag ihrer Kunden Firmen. Investmentbanking genießt den Ruf einer elitären Geheimwissenschaft. Dabei reichen durchschnittliche Intelligenz, eine kaufmännische Lehre, wirtschaftlicher Hausverstand und großer Fleiß völlig, um diesen Beruf auszuüben. Wenn ich im Auftrag eines Kunden zum Beispiel eine Firma kaufe, gehe ich dabei so ähnlich vor, als würde ich ein Auto kaufen. Zuerst stelle ich den Wert der Firma fest. Dafür gibt es Berechnungsmodelle, deren Anwendung sich auch ohne Wirtschaftsstudium erlernen lässt.

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Die großen Investmentbanken haben sich angewöhnt, vor allem Absolventen von Elite-Universitäten anzuwerben. Das tut der Branche nicht unbedingt gut. Wer in Harvard mit "magna cum laude" abgeschlossen hat, mag hervorragend gebildet sein. Dass er auch einen Sinn fürs Geschäft hat, bedeutet das noch lange nicht. Den muss ein guter Investmentbanker aber genauso haben wie ein guter Autohändler, ein Immobilienmakler oder ein Wirt. Der Absturz der Investmentbanken hatte auch viel damit zu tun, dass sie statt cleveren Geschäftsleuten mehrheitlich hoch bezahlte Verwalter an Bord hatten.
"Wer Investmentbanker werden will, lernt das am besten von einem Investmentbanker"
Investmentbanking lässt sich deshalb weder an Unis lernen, noch führt der Weg zu so einem Job über das Hochdienen in einer Bank. Wer Investmentbanker werden will, lernt das am besten von einem Investmentbanker. Ideal als Start ist ein Job als Assistent so eines Bankers. Dort sitzen Anfänger ganz in der Nähe der Geldhähne und bekommen aus nächster Nähe mit, wie man Firmen kauft, finanziert, aufbaut oder verkauft, wie man Entscheidungen trifft, Posten besetzt und Verhandlungen führt.
So ein Assistentenjob ist anfangs meist schlecht bezahlt, anstrengend und erfordert Erreichbarkeit rund um die Uhr. Das ist auch gut so. Denn wer es als Investmentbanker schaffen will, muss lernen, hart zu arbeiten. Wer seine Erfüllung darin nicht findet, wird sich auch mit den Ferrari-Prospekten über den Stress in diesem Job nicht hinwegtrösten können.








