Karriere bei den Eltern - Teil 1

Vor- und Nachteile eines Familienbetriebs

von Birk Grüling
BWL-Absolvent Rene Rückert lernt im Betrieb von Vater und Opa
BWL-Absolvent Rene Rückert (rechts) lernt im Betrieb von Vater und Opa | Foto: Miguel Ferraz

Eine Karriere bei den eigenen Eltern ist nicht immer leicht, aber es bieten sich auch viele Chancen. UNICUM hat junge Wirtschaftswissenschaftler besucht, die einmal den eigenen Familienbetrieb übernehmen möchten.

Drei Generationen – wer ist hier der Boss? | Foto: Miguel Ferraz

Der Arbeitstag von Rene Rückert hat heute gegen sieben Uhr morgens begonnen. Auf einer Baustelle von Rückert Heizung schleppt er gerade fleißig Heizkörper. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, wäre da nicht der Diplom-Abschluss in Betriebswirtschaft. "Als mein Einstieg in unsere Firma feststand, wollte ich das Handwerk von der Pike auf lernen. Wo kann man das besser?", lacht der Hamburger. Nach vier Jahren BWL-Studium drückt er für seine Ausbildung zum Anlagenmechaniker die Berufsschulbank und fährt morgens mit den anderen Gesellen raus auf die Baustellen. Dazu kommt an den Wochenenden noch ein "Technik & Management: Erneuerbare Energie"-Studium an der Berufsakademie Hamburg. Am Ausbildungsende möchte er als dritte Generation in den vom Großvater gegründeten Betrieb einsteigen.

Akzeptanz und Respekt hart erarbeiten

Ein Lehrling frisch von der Uni und dann auch noch der Sohn des Chefs, das sorgte in den ersten Wochen durchaus für Skepsis unter den Mitarbeitern. "Am Anfang waren die Gesellen schon misstrauisch und etwas verschlossener." Inzwischen wissen die Kollegen, dass man sich auf den 26-Jährigen verlassen kann, und nehmen ihn sogar bevorzugt mit auf die Baustellen. "Dadurch, dass ich sozusagen wie alle anderen im Dreck gewühlt habe, konnte ich mir Akzeptanz und Respekt bei den Mitarbeitern erarbeiten." Einen ganz ähnlichen Weg hat auch Hendrik Wolfgramm, inzwischen fertiger Maurer-Geselle im elterlichen Betrieb und ebenfalls BWL-Studentan der Berufsakademie, eingeschlagen. "Unsere Firma F. Wilkens & Sohn gibt es seit über 100 Jahren. Diese Tradition war schon immer Teil meines Lebens und darum weiß ich eigentlich, seitdem ich 14 bin, dass ich einmal als Nachfolger das Unternehmen weiterführen möchte." Nur kurz dachte er über ein Medizinstudium nach und entschied sich dann nach dem Abitur doch für die handfeste Ausbildung, die er sogar als Hamburgs bester Azubi abschloss.

Heute gibt es sogar Messen für Familienunternehmen

Von der Motivation, eine Familientradition weiterführen zu wollen, hört man in Gesprächen mit der Nachfolgegeneration immer wieder. Gründe dafür kennt Christina Claßen, Wirtschaftswissenschaftlerin an der Leuphana Universität Lüneburg: "Die Firma ist im Alltag sehr präsent und macht eine Form der Identität aus, sowohl bei den Unternehmensinhabern als auch bei ihren Kindern." Auch Rene und Hendrik haben schon in den Schulferien immer wieder im elterlichen Unternehmen gejobbt und kennen die Firma als ein weiteres Familienmitglied von klein auf. "Familienunternehmer definieren sich oft als Unternehmerfamilien", so die Forscherin weiter.

Foto: Miguel Ferraz

Familienunternehmen haben in Deutschland eine lange Tradition

Dazu gehören Weltkonzerne wie Krupp oder Edding gleichermaßen wie eine große Zahl an Mittelständlern und Kleinbetrieben. Inzwischen erzielen sie 40 Prozent aller Umsätze und mehr als 60 Prozent aller Arbeitnehmer sind bei einem Familienunternehmen beschäftigt. "Jahrelang galten Familienunternehmen als eher unattraktive Arbeitgeber. Heute gibt es sogar Karriere-Messen für Familienunternehmen", bestätigt auch Claßen. Auch von den Kunden werden sie gerade in Zeiten der Finanzkrise als grundsolide Betriebe mit starker Verankerung in der Region wahrgenommen. Eine Erfahrung, die man auch bei Moch Figuren, dem ältesten Hersteller von Schaufensterpuppen in Europa, immer wieder macht. "Viele unserer Kunden freuen sich sehr darüber, dass ich jetzt dabei bin", erklärt Johannes Moch.

"Family Business" als Studienfach

Der 25-Jährige hat gerade seinen Job als Investment Manager aufgegeben und studiert auf seinen "Family Business"-Masterabschluss an der Uni Witten/Herdecke hin. "Eigentlich wusste ich schon sehr lange, dass ich ins Unternehmen einsteigen möchte. Gedrängt oder gar gezwungen hat mich zu dieser Entscheidung keiner." Auch wenn sich so alle drei Männer fachlich auf einen Einstieg oder sogar die spätere Übernahme vorbereitet haben, kommt für alle die größte Hürde noch. Der endgültige Rückzug des "Patriarchen" aus seinem Unternehmenund damit aus seinem Lebenswerk gilt als besonders problematisch. "Bisher ist das Verhältnis zu meinem Vater und Großvater sehr gut und ich glaube nicht, dass sich daran etwas ändert", bleibt Rene Rückert ganz gelassen und verabschiedet sich. Vor ihm liegt immerhin noch ein langer Arbeitstag auf der Baustelle.

 

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