Karriere im Facility Management
Jobchancen in einer abwechslungsreichen Branche

- Foto: Thinkstock/iStockphoto
Facility Manager ermitteln Einsparpotentiale bei der Energieversorgung von Krankenhäusern, helfen den Wert von Fabrikhallen zu erhalten oder veranlassen Öko-Zertifizierungen für Banktürme. Mit zunehmender Technisierung von Gebäuden wächst der Bedarf an versierten Experten, die Nachfrage nach Akademikern steigt.
Komplexe Strukturen
Wer Michael Hedermann Hausmeister nennt, hat die komplexen Strukturen des Facility Managements noch nicht verstanden. Der 28-Jährige hat einen Diplom-Abschluss in Service-Engineering mit Spezialisierung auf Gebäudetechnik. Beim Berliner Servicedienstleister Cofely Deutschland ist er als Leiter für technisches Gebäudemanagement im Einsatz.
Hedermann rangiert in der hierarchisch organisierten Branche unter der Vorstands- und Investorenebene sowie dem Liegenschafts- und Immobilienmanagement auf der mittleren, der operativen Ebene. Der klassische Hausmeister kommt ein bis zwei Stufen darunter.
Richtig ist: Auch Michael Hedermann kümmert sich mit Hingabe um die ihm anvertrauten Gebäude, ist Ansprechpartner für Servicefirmen und nimmt sich Problemen wie ausgefallenen Fahrstühlen an – notfalls auch nachts. "Als Objektmanager berate ich meine Kunden aber vor allem, veranlasse gegebenenfalls Installationen wie die von Klimatechnik oder Heizungsanlagen, stelle Mitarbeiter ein, bilde Teams für neue Objekte und verhandle Verträge mit Servicepartnern und Auftraggebern."
Sein Fokus liegt dabei auf der Ermittlung und Umsetzung von Energieeinsparmöglichkeiten. Gerade bei Hotels und Einkaufszentren sei das wichtig: "Zimmerpreise und Ladenmiete hängen entscheidend vom Kostenaufwand für Energie ab", so Hedermann. Das Anpassen von Beleuchtung, Kühlung oder Lüftung an den konkreten Bedarf sowie die Nutzung erneuerbarer Energien zur Brauchwassererwärmung reduziere diesen erheblich.
Hohe Anforderungen
Bei Cofely berät Michael Hedermann allerdings nicht nur Bestandskunden, sondern versucht parallel auch, neue zu gewinnen. Hierzu braucht er Fingerspitzengefühl, Kommunikationsstärke – und viel Geduld. Außerdem muss er sich mit den Prinzipien des Qualitätsmanagements ebenso auskennen wie mit Auflagen beim Brandschutz, muss technische Konsequenzen aus der geänderten Trinkwasserverordnung ebenso präsent haben wie jene durch gestraffte Blitzschutzauflagen.
"Man kann nicht Spezialist für alles sein", gibt der junge Facility Manager fast bedauernd zu. Wenn man ihn über seinen Job reden hört, gewinnt man allerdings den Eindruck, dass genau dies verlangt wird. Die Liste der Anforderungen lässt sich jedenfalls fortführen. Schließlich gelten für Objekte in verschiedenen Bundesländern verschiedene Länderrechte. Für die Produktionsgebäude eines Zigarettenherstellers müssen andere Aspekte berücksichtigt werden als für ein Multiplexkino oder das Lager einer Apotheke.
Um bei allen wichtigen Themen am Ball zu bleiben, liest der Berliner Fachmagazine, nimmt regelmäßig an Schulungen teil, besucht Fachmessen und recherchiert im Internet. Am wichtigsten findet Hedermann aber den Austausch über ein gut funktionierendes Netzwerk – und das Gespräch mit versierten Kunden: "Kommunikation ist der halbe Job", sagt er.
Ob ihm die Arbeit bei so vielen Anforderungen eigentlich noch Spaß macht? "Aber sicher", sagt der Objektmanager voller Überzeugung. Denn: Kein Tag sei wie der andere und Abwechslung sei ihm wichtig. "Außerdem arbeite ich in einer Branche mit Zukunft: Was man sich hier aufbaut, hat Bestand. Das zu wissen, motiviert mich."
Großes Wachstum in der Branche
Eine Einschätzung, die auch eine aktuelle Studie des Marktforschungsinstituts Lünendonk nahe legt: Demnach haben die 25 führenden Unternehmen für infrastrukturelles und technisches Gebäudemanagement ihren Gesamtumsatz im Geschäftsjahr 2011 erneut gesteigert, im Schnitt um 4,9 Prozent. Auch die Zahl der Beschäftigten wächst kontinuierlich.
In einer weiteren Untersuchung stellet die Unternehmensberatung Roland Berger fest, dass das zukünftige Wachstum vor allem die Bereiche Energie- und Ressourceneffizienz betreffen wird: Bis 2020 soll sich das Marktvolumen von aktuell knapp drei auf sechs Milliarden Euro verdoppeln. "Daraus resultiert ein wachsender Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern bei FM-Dienstleistern", sagt Elke Kuhlmann, Geschäftsführerin des Deutschen Facility Management Verbands GEFMA. "Vor allem auf der mittleren Ebene des Objektmanagements und der strategischen Leitungsebene, wo komplexe FM-Aufgaben zu erfüllen sind, nimmt die Nachfrage nach akademisch geschulten Mitarbeitern zu."
Rekrutierte sich die akademische Führungsebene im Facility Management bislang vornehmlich aus Quereinsteigern, gibt es mittlerweile zahlreiche Studiengänge, die sich ausdrücklich oder zumindest in der Vertiefung auf das Berufsfeld Facility Management konzentrieren. Wer bereits einen Bachelor in einem fachfremden Gebiet abgeschlossen hat, kann an einigen Hochschulen einen Master in Facility Management aufsatteln.
Facility Management in Deutschland
Die Branche hat etwa vier Millionen Beschäftigte, mit einer Bruttowertschöpfung von 112 Milliarden Euro erwirtschaftet sie einen Anteil von rund fünf Prozent am Bruttoinlandsprodukt (BIP). Damit gehört das FM noch vor Maschinenbau und Automobilindustrie zu den Schlüsselbranchen in Deutschland. Infos für Einsteiger unter www.karriere-mit-koepfchen.de









