Karriere in der digitalen Wirtschaft - Teil 1

Internetbranche: Prima Zeiten für Pioniere

von Roland Karle
Alle Fotos: Thinkstick/iStockphoto

Die Digitalisierung durchzieht die gesamte Wirtschaft, hat manche Branchen und Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt. Neue Berufsbilder entstehen, Jobprofile verändern sich. Und die Entwicklung ist erst am Anfang.

Neue Stellen für die Internet-Kommunikation

Spezialisten für virale Kampagnen stecken im Ärztekittel, Social-Network-Manager arbeiten in modernen Erziehungsanstalten und Suchmaschinenoptimierer sind irgendwo in der Industrie tätig. Mit solchen Angaben hätte man beim heiteren Beruferaten noch vor wenigen Jahren wohlwollendes Kopfnicken geerntet. Mittlerweile ist das anders. Zwar ist nicht immer sofort klar, was genau sich hinter den bisweilen sperrigen Jobbezeichnungen verbirgt, doch so viel steht fest: Es muss "irgendwas mit Computer und Internet" sein.

Die Digitalisierung hat die Wirtschaft verändert, manche Branchen durcheinander gewirbelt und Geschäftsmodelle auf den Kopf gestellt. Es sind ganz neue Berufe und Tätigkeitsfelder entstanden, bestehende haben sich zum Teil erheblich gewandelt. Das beeinflusst auch die Kommunikation von Unternehmen. Social Networks zwingen sie zunehmend zum Dialog. Das bedingt einerseits einen Mentalitätswandel, andererseits braucht es kompetente Köpfe, die sich darum kümmern.

Zum Beispiel Social Media Manager. Sie koordinieren, steuern und überwachen die Aktivitäten von Unternehmen in Online-Netzwerken wie Facebook und Xing, in Informationsdiensten wie Twitter sowie in Video- und Foto-Communitys wie Youtube und Flickr. "Für die Unternehmen wird das Social Web als Kommunikationskanal immer wichtiger. Sie reagieren darauf und schaffen neue Stellen für die Internet-Kommunikation", sagt Bitkom-Präsident Dieter Kempf.

Nach einer repräsentativen Umfrage des Hightech-Verbands unter 1.500 Firmen aus verschiedenen Branchen beschäftigt bereits jedes zehnte Unternehmen hierzulande Mitarbeiter in diesem neuen Berufsfeld. Die Otto Group gehört dazu. "Über Wettbewerbe, Rabattaktionen und Gewinnspiele sind schnell Facebook-Freunde zu gewinnen", berichtet Ralf Klein-Bölting, Direktor Strategie, Marketing und Werbung bei Otto. Die weitaus größere Herausforderung bestehe jedoch darin, "mit ihnen einen echten Dialog aufzubauen, sie nachhaltig und messbar für das Unternehmen und seine Produkte zu interessieren".

GESCHÄFTSBEREICHE VERSCHMELZEN, GRENZEN LÖSEN SICH AUF

Allein die Online-Branche beschäftigte 2011 laut Angaben des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) rund 364.000 Menschen und setzte rund 110 Milliarden Euro um. Knapp die Hälfte davon lässt sich im engeren Sinne kundenbezogenen Tätigkeiten zurechnen. "Die Kommunikation wird in einigen Jahren noch stärker als heute über digitale Kanäle laufen", prognostiziert Thilo Huys, Manager Communications Western Europe beim Computerhersteller Lenovo. Die bislang übliche Trennung von Aufgabenfeldern werde bald schon überholt sein, denn durch digitale Verbindungen sei die Nähe zwischen Unternehmen einerseits und Interessenten, Kunden und Multiplikatoren viel enger geworden. "PR, Verkaufsförderung, Vertrieb und Service verschmelzen miteinander, die Grenzen lösen sich auf", sagt Huys.

Zugleich entstehen personelle Lücken, weil es an Fachkräften fehlt. "Der Bedarf seitens der Unternehmen ist hoch, so dass qualifizierte Berufsanfänger insgeheim als Gewinner auf dem Arbeitsmarkt gelten", beschreibt Tanja Feller, Geschäftsführerin des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW), die derzeitige Situation. Ihr Verband und die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) in Hamburg haben eine aktuelle Studie vorgelegt, für die 240 Firmen aus der digitalen Wirtschaft befragt wurden.

Fast drei Viertel (71 Prozent) machen fehlende Kompetenzen der Kandidaten für die Schieflage am Arbeitsmarkt verantwortlich, zwei Drittel der Befragten beklagen zudem eine zu geringe Zahl an ausgebildeten Berufsanfängern. Ganz oben auf der Fahndungsliste stehen Experten für Projektmanagement (68 Prozent), Informationstechnologie (66 Prozent) und Marketing/Vertrieb (65 Prozent). Auch der Bedarf in Beratung/CRM (56 Prozent) und Strategie/Business Development (52 Prozent) ist hoch, während lediglich rund ein Fünftel der Unternehmen fehlendes Personal für PR/Kommunikation (22 Prozent) und Controlling/Finanzen (19 Prozent) beklagt.

Die Entwicklung in der digitalen Welt vollzieht sich in rasender Geschwindigkeit, die Komplexität der Aufgaben nimmt zu. Aus dieser Beobachtung folgert MHMK-Professor Philipp Riehm: "Ein klassisches Wirtschaftsstudium kann Einsteiger für diese Branche kaum noch angemessen qualifizieren." Deshalb sei es wichtig, dass der Nachwuchs schon während der akademischen Ausbildung intensive Praxiserfahrungen sammelt und sich mit den Besonderheiten des Marktes beschäftigt.


Weiter auf Seite 2: "Im Internet ist der nächste Wettbewerber nur einen Klick entfernt."


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