Knut Reinhardt: Ex-Champions-League-Sieger arbeitet jetzt als Lehrer

"Ich wollte einen Job, der mich glücklich macht"

von Denise Haberger
Knut Reinhardt | Foto: Gettyimages
Foto: Getty Images

1997 kickte er als Champions-League-Sieger vor Millionen Zuschauern. Sein aktuelles Publikum ist sechs bis zehn Jahre alt. Der ehemalige BVB-Kicker Knut Reinhardt ist Grundschullehrer in einem Dortmunder Problemviertel.

Dortmund Westfalenpark. Keine zwei Kilometer Luftlinie bis zum Signal Iduna Park, Heimat von Borussia Dortmund und frühere Wirkungsstätte von Knut Reinhardt. Der 44-Jährige kommt etwas spät zum Interview. Eine spontane Vertretungsstunde kam dazwischen. Knut Reinhardt ist Lehrer an einer Dortmunder Grundschule. 

In seinem früheren Leben spielte er beim BVB und der Nationalmannschaft. Seitdem kennt man ihn in der Stadt, eine Legende wird er genannt. Wir sitzen noch nicht einmal auf unseren Stühlen im Café, schon spricht ihn jemand an. Die beiden unterhalten sich kurz über die gewonnene Meisterschaft und das bevorstehende Pokalfinale. 

Auch Knut Reinhardt gelang der Doppelpack: 1995 und 1996 holte er mit Borussia Dortmund die Schale, ein Jahr später gewann er die Champions League und den Weltpokal. Seitdem ist viel passiert: 1999 wechselte er zum 1. FC Nürnberg. Eine Saison später beendete der Mittelfeldspieler seine Fußballkarriere. Einige Verletzungen trugen dazu bei. Danach musste er sich ganz neu orientieren.

"Viele haben sich gedacht: 'Was will der denn hier?'" | Knut Reinhardt

„Ich wollte Abstand. Der Fußball hatte sich verändert, er wurde immer kommerzieller“, sagt er und ergänzt: „Ich wollte einen Job, der mich glücklich macht.“ Ein befreundeter Lehrer brachte ihn auf die entscheidende Idee. „Ich kann gut mit Kindern und sie geben einem viel wieder“, begründet der gebürtige Hildener seine Entscheidung. Er studierte an der TU Dortmund Sport, Deutsch und Mathematik.

„Der Weg war schwer, vielleicht sogar schwerer als der Profifußball“, erzählt Reinhardt. „Ich musste mich umgewöhnen und das Lernen erst wiederlernen.“ Gerne war er an der Uni ,resümiert der Kicker ,„es war eine schöne Zeit“. Auch wenn er deutlich älter war als seine Kommilitonen, hat er sich sehr gut mit ihnen verstanden und bei einigen Sportlerpartys mitgefeiert. 

Einen Promibonus hatte er bei keinem seiner Profs, vielmehr stand er unter besonderer Beobachtung. „Viele haben sich gedacht: Was will der denn hier? Der hat es doch gar nicht nötig.“

Reinhardt entschied sich bewusst für eine Schule in einem Problembezirk

Knut Reinhardt im BVB-Dress | Foto: Getty Images
Knut Reinhardt im BVB-Dress | Foto: Getty Images

Fünfeinhalb Jahre lang dauerte sein Studium. Zu Beginn setzte er sich stark unter Druck, doch schnell gewöhnte er sich an den Unibetrieb. „Der Fußball hat mir da sehr geholfen“, erzählt Knut Reinhardt. „Die Tugenden, die damals wichtig waren, wie Pünktlichkeit, Ordnung und Disziplin haben mir im Studium sehr weitergeholfen.“ 

2007 begann er sein Referendariat. Er hätte dafür eine bequeme Lösung wählen können, doch er entschied sich bewusst für eine Grundschule in einem Dortmunder Problembezirk. „Die Kinder kennen kaum Regeln, wenn sie zu uns kommen, und können kaum Deutsch“, sagt der 44-Jährige. „Ich sehe es als Herausforderung, ihnen zu helfen.“ 

"Die Kinder sehen mich ein wenig als Vorbild" | Knut Reinhardt

Auch die Teamarbeit der Schule begeisterte ihn: „Ich bin ein Mannschaftsspieler. Ohne ein gutes Team geht gar nichts.“ 2009, nach seinem Referendariat, blieb er an der Grundschule Kleine Kielstraße. Anfangs hat er den Beruf total unterschätzt: „Mittags bin ich total platt und fühle mich manchmal leer. Die Kinder wollen so viel wissen, sie saugen einen quasi aus.“ 

Trotzdem geht er gerne zur Arbeit, sein Job macht ihm Spaß. „Die Kinder sehen mich ein wenig als Vorbild. Außerdem ist man schon beliebt, wenn man Fußball spielen kann.“ Als typischen Lehrer würde er sich nicht beschreiben. „Ich bin ja quasi ein Seiteneinsteiger mit einem Leben vor dem Lehrersein“, sagt Knut Reinhardt. 

Dieses Leben vermisst er kaum. „Ich hatte eine wunderschöne Zeit, aber ich genieße auch mein zweites Leben. Außerdem brauche ich es nicht, im Rampenlicht zu stehen.“ So ganz lässt ihn seine Vergangenheit aber nicht los. Wenn er es schafft, schaut er sich die Heimspiele im Stadion an. Außerdem trainiert Knut Reinhardt eine Jugendmannschaft und unterstützt seine beiden Söhne bei ihren Spielen. 

Er selbst kickt kaum noch. Ein Kreuzbandriss vor zwei Jahren setzte ihn vorübergehend außerGefecht, bald will er aber wieder auf den Platz. Allerdings nur zum Spaß: „Ich habe genug Fußball gespielt. Ich muss mir nichts mehr beweisen.“


Kurz & kompakt

  • Knut Reinhardt (44) spielte insgesamt 14 Jahre in der Bundesliga für Leverkusen, Nürnberg und Dortmund.
  • Mittlerweile arbeitet er als Grundschullehrer in der als Problembezirk geltenden Dortmunder Nordstadt.
  • Bei der aktuellen Fußball-EM ist Knut Reinhardt optimistisch: „Von der Mannschaft her ist sogar ein Titel drin.“

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