Peter Kloeppel im Interview

von Inka Bülling und Jan Thiemann

"Je weniger ich ablenke, desto besser"

Seit fast 20 Jahren präsentiert Peter Kloeppel (52) die Nachrichten bei „RTL aktuell“. UNICUM sprach mit „Mr. News“ über Karrierechancen in den Medien, seine Switch-Parodie und Photoshop-Defizite.



Sie waren 1990 der erste USA-Korrespondent bei RTL und erlebten mit dem Beginn des Golfkriegs gleich eine spannende Phase der amerikanischen Außenpolitik. Ist das eine Chance, die man sich als Journalist „wünscht“?
Dass man sich als Journalist Kriege „wünscht“, ist nicht der Fall, bei mir schon gar nicht. Aber natürlich habe ich als Reporter die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, schließlich gab es ein großes Interesse an diesem Thema. Ich konnte viele Erfahrungen sammeln, war fast jeden Abend live on air. Das hat alles dazu beigetragen, dass ich in dieser noch frühen Phase meiner Karriere feststellte: Fernsehen mit all seinen Facetten ist tatsächlich mein Metier.

Kennen Sie die Arbeit des Kollegen Michael Kessler, der Sie bei „Switch“ parodiert? Haben Sie bei ihm etwas über sich selber gelernt?
Lernen ist vielleicht der falsche Ausdruck. Ich verfolge die Parodie natürlich amüsiert, die "Switch“-Truppe macht das ja auch sehr lustig. Aber es ist nicht so, dass ich bestimmte Handbewegungen oder Betonungen abstelle, die Michael Kessler satirisch überspitzt darstellt. Das wäre ja auch schade, dann hätte er ja nichts mehr, was er imitieren kann.

Nicht nur Michael Kessler schaut bei Ihnen sicher ganz genau hin. Gibt’s auch Zuschauerpost zu  Frisuränderungen oder bestimmten Outfits?
Eher selten. Meine Sakkos sind relativ „langweilig“ und sehen immer ähnlich aus, also grau, schwarz oder blau. Das Wichtige ist die Nachricht. Je weniger ich ablenke, desto besser ist es. Und dazu gehört auch, dass ich mir vornehme, den Menschen keinen Anlass zu geben, über meinen Haarschnitt, die Sakkofarbe oder die Krawattenauswahl nachzudenken, sondern mir zuzuhören und den Bildern zuzuschauen.

Spüren Sie auch eine moralische Verantwortung, gerade wenn Sie sehr oft ganz nah an Politikern dran sind?
Es gibt die Verantwortung für jeden Journalisten, korrekt, unabhängig und objektiv zu berichten. Und es gibt natürlich die Verantwortung, dass man unparteiisch bleibt, sich nicht gemein macht mit einer Sache. Und schon gar nicht sollte man die eigene politische Ausrichtung in den Vordergrund stellen.

"Man muss im Journalismus mehr arbeiten als in einem klassischen Job"

Könnten Sie sich so einen Karriereschritt vorstellen wie Steffen Seibert, der als ZDF-Nachrichten-Mann zum Regierungssprecher der Kanzlerin wurde?
Nein, überhaupt nicht. Ich bin sehr gerne politisch sehr unabhängig. Ich schätze den Kollegen Seibert, weil er seinen Job als Nachrichtenmoderator gut gemacht hat, seinen Job als Regierungssprecher können andere besser bewerten.

Es gibt den Mythos, dass man ein Parteibuch haben müsse, wenn man in den Medien Karriere machen möchte?
Dieser Mythos ist eine Mär.

Was sollte man denn mitbringen?
Man sollte Neugierde mitbringen, Hunger nach Themen, Offenheit gegenüber Menschen und neuen Situationen. Wichtig sind auch Unabhängigkeit und der Spaß daran, mehr zu leisten und zu arbeiten, als man das in vielen anderen Berufen muss.

Wie finden Sie denn den heutigen Ausbildungsweg, Studium plus Volontariat – ist das nicht zu viel des Guten für einen Job?
Ich halte ein Studium für sehr sinnvoll. Es sollte aber ein Fach sein, das einem die Möglichkeit eröffnet, mit den Kenntnissen, die man erworben hat, im Journalismus etwas anzufangen. Das Studium bereitet einen aber auch deshalb gut auf die journalistische Arbeit vor, weil man gezwungen ist, konzentriert komplexe Themen zu bearbeiten. Deswegen bin ich ein absoluter Verfechter eines Studiums. Das Volontariat oder die Ausbildung an einer Journalistenschule halte ich aber ebenfalls für unerlässlich, weil man nur über eine gute Ausbildung wirklich all die Fertigkeiten erlangt, die man im journalistischen Beruf heute braucht. Und das lernt man tatsächlich nur in einer Redaktion.

Aber wäre es dann nicht sinnvoller, alles zu bündeln in Form von Kooperationen mit den Hochschulen?
Da haben sich die Hochschulen bisher unserer RTL-Journalistenschule gegenüber nicht besonders interessiert gezeigt – und ganz ehrlich: wir kommen auch so mit unserer RTL-eigenen Ausbildung gut klar. Aber wir haben festgestellt, dass die Flexibilität wächst und auch mehr Praktiker an die Universitäten eingeladen werden, um dort mit den Studenten ihre Erfahrungen zu teilen. Trotzdem bin ich der Ansicht, ein Hochschulstudium ist eine tolle Sache, selbst wenn man sich nicht ausschließlich mit Journalismus befasst. Denn ein Hochschulabsolvent hat keine Garantie, einen Platz an einer Journalistenschule oder ein Volontariat zu bekommen. Also sollte man breit aufgestellt ins Berufsleben starten, dann eröffnen sich einem auch mehr Optionen.

Muss man heutzutage andere Qualitäten für eine Karriere in den Medien mitbringen, als Sie vor 25 Jahren?
Nein. Ich sehe ja auch immer bei den Auswahlgesprächen an unserer Journalistenschule, dass unsere grundsätzlichen Anforderungen dieselben sind wie vor 25 Jahren. Gleichzeitig kommen viele junge Leute zu uns, die viel mehr mitbringen, von dem ich sage: Wow, super, das wüsste ich auch gerne, wie man das macht.

Zum Beispiel?
Ich bin jetzt kein großer Experte im nonlinearen Schnitt oder im Umgang mit Photoshop. Da hat die jüngere Generation deutlich mehr drauf als ich.

Bei StudiVZ gibt es eine Gruppe „Wenn ich fertig bin, schubs ich Peter Kloeppel von seinem Stuhl“ – was entgegnen Sie denen?
Nur zu.


Kurz & kompakt

  • Der RTL-Chefredakteur und Leiter der sendereigenen Journalistenschule ist studierter Agrarwissenschaftler.
  • Sein journalistisches Debüt bei der Taunuszeitung handelte vom ersten Geldautomaten in Bad Homburg und wurde „dramatisch eingekürzt“.
  • Für seine Moderation am 11. September 2001 erhielt Peter Kloeppel den renommierten Grimme-Preis.

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