Start-up: Firmengründung leicht gemacht

von Anna Lenja Hartfiel
Start-up

Gerade Wiwi-Studenten machen sich oft schon während des Studiums oder direkt danach selbstständig. UNICUM hat mit vier erfolgreichen Start-ups über ihre Erfahrungen und Ratschläge gesprochen.

Sebastian Schulze
Foto | upcload.com

UPcload GmbH: "Als Start-up braucht man den richtigen Drive"

„Der Wunsch, nach dem Studium ein Unternehmen zu gründen, war schon immer da“, erzählt Sebastian Schulze, der 2010 gemeinsam mit seinem Kommilitonen Asaf Moses die UPcload GmbH ins Leben gerufen hat. „Als wir dann eine Idee hatten, die das Potenzial hatte, enorm groß zu sein, haben wir uns dann intensiver damit beschäftigt.“ Den beiden Wiwi-Studenten war aufgefallen, dass Kleidung im Internet oft in der falschen Größe bestellt wird. Das ist ärgerlich für den Kunden und bringt für den Händler kostenintensive Retouren mit sich.

Daraus entstand die Idee für ein Programm, mit dessen Hilfe sich User beim Onlineshopping vor ihrer eigenen Webcam vermessen lassen können, um so die richtige Kleidergröße zu ermitteln. Bei der Gründung profitierten die beiden von ihrem wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund, da „Wirtschaftswissenschaften sehr analytisch geprägt sind und man während des Studiums gelernt hat, strukturiert und analytisch zu denken.“ Viel wichtiger noch sei jedoch gerade am Anfang, „dass man den Drive hat, Dinge umzusetzen, voranzutreiben, den Fokus zu bewahren, Sachen die unwichtig sind beiseite zu lassen.“

Der Austausch mit anderen Gründern sei zwar wertvoll, man solle jedoch gezielt in ein Netzwerk belastbarer Kontakte investieren, „zu denen man einen sehr engen Kontakt aufbaut, um eben auch mal vertrauliche Informationen auszutauschen“. Neugründern empfiehlt Sebastian außerdem „früh in den Markt zu gehen und sehr schnell den Kontakt zum Kunden herzustellen.“ Das Prinzip scheint zu funktionieren: 2011 erhielten UPcload das EXIST-Gründungsstipendium, welches unter anderem vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technik gefördert wird und wurden zum Start-up des Jahres 2011 gekürt.

Damian Leich
Foto | lagernperpost.de

Lagernperpost.de: „Man muss kein BWLer sein“

Auch Damian Leich und sein Geschäftspartner Sinan Gökduman haben schon als Studenten mit dem Gedanken gespielt, eine eigene Firma zu gründen. Da sie während ihres Studiums an der FH Münster und ihres Auslandssemesters im australischen Adelaide häufig umgezogen sind, kam ihnen dann die Idee: „Unsere Kunden verpacken Sachen, die sie gerne lagern möchten in großen Pappkartons, die Sachen werden zu Hause abgeholt, eingelagert und bei Bedarf an eine beliebige Wunschadresse in Deutschland zurück geschickt.“ Der Geschäftsführer von lagernperpost.de hat nicht nur BWL studiert, sondern auch schon während der Schulzeit erste Gründererfahrung gesammelt. „Von daher waren wir uns sicher, dass wir von der Grundeinstellung her schon Entrepreneure sind.“, erzählt Damian. Als Unternehmer sollte man seiner Meinung nach Selbstbewusstsein, Motivation und einen Grundstock betriebswirtschaftlichen Wissens mitbringen. „Man muss aber nicht unbedingt BWLer sein, um eine Geschäftsidee umzusetzen. Es sind eher Softskills, die man braucht, als fachliche Skills“.

Tino Keller
Foto | spickmich.de

spickmich.de: Mit Enthusiasmus zum Erfolg

Ähnlich sieht das auch Tino Keller, einer der drei Gründer von spickmich.de: „Wir haben zwar alle ganz klassisch BWL studiert, waren aber nie die geborenen Unternehmer, die schon immer vorhatten, sich selbstständig zu machen.“, erzählt er. Es war der Enthusiasmus für ihre Idee, ein großes soziales Schülernetzwerk in Deutschland auf die Beine zu stellen, der sie motivierte, ein Unternehmen zu gründen. Mit der Entwicklung ihres Plans haben sie bereits 2006, während ihres BWL-Studiums an der Uni Köln, begonnen. Bei der Gründung der spickmich GmbH 2007 stiegen bereits zwei Investoren in das Unternehmen ein.

„Als wir mit Investoren sprachen, hatten wir die Plattform schon gebaut und schon die ersten 40.000 User“, erzählt Tino. „Wenn man bereits erste Erfolge vorweisen kann, fällt es einem Investor natürlich leichter, an die Idee zu glauben.“ Im Vorfeld der Gründung hatten die drei zuerst überlegt, in Großbritannien eine Limited zu gründen. „Mit einer deutschen Rechtsform kommt man in Deutschland aber einfach besser zurecht.“ Daher fiel die Entscheidung dann auf die GmbH. Die Unternehmergesellschaft (UG) gab es damals noch nicht.

Heute würde Tino Gründern empfehlen „am besten so früh wie möglich mit einer UG anzufangen“. Im Vorfeld der Gründung könne es sich außerdem lohnen, mit vielen Leuten zu reden: „Es gibt viele Veranstaltungen, zu denen Leute mit Gründungsideen hingehen können.“ Erfahrungen und gute Kontakte könne man zudem im Rahmen eines Young Entrepreneur Internships bei einem Start-up sammeln. „Ein Praktikum in einem Start-up in dem Bereich, in dem man etwas machen will, kann einem helfen, einen besseren Blick zu kriegen, wie es dann später wirklich sein wird. Das Studium bereitet einen nämlich kaum darauf vor. Das meiste bringt man sich im Job selbst bei.“, erzählt Tino. Die spickmich GmbH ist mittlerweile von Köln nach Berlin umgezogen und hat über 1,7 Millionen registrierte Nutzer.

Kartal Can
Foto | Kai Fischer

rofobox GmbH: „Als Chef ist man Mädchen für alles“

Kartal Can, Geschäftsführer der rofobox GmbH, nahm die Idee für die Robot Folding Box, eine automatische Serviettenfaltmaschine, direkt aus seiner praktischen Erfahrung: „Mir ist in der Gastronomiebranche aufgefallen, dass gelernte Hotelfachleute, oder Azubis, häufig für so stupide Arbeiten wie das Serviettenfalten eingesetzt werden müssen.“ Mit der Idee für eine Maschine, die diese lästige Aufgabe übernimmt, ist er dann losgezogen und hat Partner aus den verschiedenen Bereichen akquiriert.

Auf diese Weise entstand ein Joint Venture Projekt, an dem selbstständige Experten aus den verschiedenen Bereichen wie Finanzen, Marketing und Automatisierungstechnik, beteiligt sind. Beratung hat er im Vorfeld der Gründung nicht in Anspruch genommen, aber „wenn man einen Businessplan erstellt, mit allen Risiken, Stärken und Schwächen, ist das die beste Beratung, die man haben kann.“, findet der Geschäftsführer.

Doch auch ein wirtschaftswissenschaftlicher Hintergrund sei wichtig: „BWL wird oft unterschätzt, aber es ist nicht so easy ein Unternehmen zu führen. Das Studium eignet sich sehr gut, um einen Überblick über alle wichtigen Bereiche zu erlangen.“ Doch wichtiger noch als das, ist die persönliche Komponente: „Als Chef ist man nicht der Superstar, sondern Mädchen für alles. Darüber muss man sich im Klaren sein. Man sollte seine Vision verfolgen, aber bei der Umsetzung auf dem Boden bleiben.“

Nützliche Links für Unternehmensgründer:

http://www.existenzgruender.de/

http://www.deutsche-startups.de/

http://www.gruenderszene.de/

http://www.exist.de/

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