Tiermedizin-Studenten: Schlangen hüten für den Lebenslauf

- Tiermedizin-Studenten betreuen Reptilien | Fotos: Anna Giordano
In der Münchener Auffangstation für Reptilien arbeiten viele Tiermedizin-Studenten, um sich in der Pflege der exotischen Tiere weiterzubilden. Mit viel Spaß an der Sache, aber ohne Bezahlung.
Im schmalen Behandlungszimmer der Auffangstation für Reptilien reiht sich ein Terrarium neben das andere. Echsen, Schildkröten und Schlangen liegen oder kriechen in kleinen, quadratischen Zellen auf Zeitungspapier herum. Im vorderen Bereich des Zimmers steht Susanne am Behandlungstisch und gibt einer Moschusschildkröte mit geübten Handgriffen eine Spritze. „Das sind Elektrolyte, sie ist ein wenig dehydriert“, sagt die Tiermedizin-Studentin. Sie setzt die Schildkröte zurück in ihre Zelle und beginnt, große, bunte Plastikschüsseln mit Wasser zu füllen.
Weil die Tiere im Behandlungszimmer auf trockenem Zeitungspapier sitzen, müssen sie täglich gebadet werden. Einmal in der Woche kommt Susanne in die Auffangstation für Reptilien und hilft bei der Pflege kranker Tiere, mittlerweile arbeitet sie aber auch oft im Büro. Dort protokolliert sie, welche Medikamente die Reptilien bekommen haben, welche an Zoos oder private Halter abgegeben und welche neu aufgenommen wurden.
In der Tier-Station: 800 Schlangen, Krokodile, Echsen und Schildkröten
„Im vergangenen Jahr haben wir 1.260 Reptilien aufgenommen. Die Sekretärin wäre überfordert, wenn sie das alles selbst dokumentieren müsste“, erklärt sie. Die Münchner Auffangstation für Reptilien ist die größte ihrer Art in ganz Deutschland, insgesamt rund 800 Schlangen, Krokodile, Echsen oder Schildkröten werden hier versorgt und warten auf Abholer.
Sie ist im gleichen Gebäude wie die Fakultät für Tiermedizin der Ludwig-Maximilians-Universität angesiedelt. Trotzdem gehört sie nicht zur Universität, sondern ist ein unabhängiger Tierschutzverein, der vom Freistaat Bayern finanziell unterstützt wird. „Jedes Jahr müssen wir die Gelder beim Land neu beantragen“, erklärt Thomas Türbl, einer der leitenden Tierärzte. „Das reicht dann gerade für einen Teil der Personalkosten von Ärzten und Tierpflegern.“
Keine Behandlung kranker Tiere
Alle weiteren Mittel muss die Reptilienauffangstation selbst erwirtschaften oder über Spenden einnehmen. Studenten werden für ihre Arbeit in der Auffangstation nicht bezahlt. „Das ist einfach nicht drin“, sagt Türbl. Viele Studenten hält das aber nicht ab, sich zu engagieren. Neben einer Doktorandin, die gleichzeitig ihren Fachtierarzt macht, sind drei bis vier studentische Hilfskräfte und Praktikanten zeitgleich in der Münchner Auffangstation beschäftigt.
„Anders als beim Tierarzt muss man sich hier nicht mit den Besitzern auseinandersetzen, sondern kann sich ganz aufs Tier konzentrieren“, sagt die 24-jährige Anna. Sie studiert Tiermedizin an der Freien Universität Berlin und macht zwei Monate lang ein Praktikum in der Münchner Auffangstation. „Außerdem hat man hier auch Kontakt zu gesunden Tieren.“ Denn die Auffangstation ist eigentlich keine Behandlungsstätte für kranke Tiere.
Mehr über Reptilien lernen als im Tiermedizin-Studium
In den meisten Räumen sitzen in bepflanzten und befeuchteten Terrarien gesunde Schildkröten, Schlangen, Krokodile oder Echsen. Alle Hilfskräfte und Praktikanten in der Auffangstation sind große Reptilien-Fans. Sie habe einen besonderen Draht zu den Tieren, sagt Anna. Susanne hält in ihrer kleinen Münchner Wohnung zwei Geckos, einen Ritteranolis und ein Chamäleon. Etwa 35 Euro gibt sie monatlich für die Pflege ihrer Tiere aus, ein großer Teil davon sind Stromkosten für Regenanlage und UV-Lampe.
An den meisten Universitäten in Deutschland ist „Reptilien“ nur ein Wahlpflichtfach im Tiermedizin-Studium, ein Semester lang, eine Stunde pro Woche. „Man lernt so gut wie nichts“, findet Susanne. Um so mehr verspricht sie sich von ihrem Engagement in der Auffangstation. Auch Anna glaubt, dass man mit einer Spezialisierung auf Reptilien wesentlich bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt hat als ein gemeiner Kleintierarzt.
Allerdings steht beiden noch eine lange Lernphase bevor: Die Ausbildung zum Fachtierarzt für Reptilien dauert vier Jahre. Ob sie die auch in der Reptilienauffangstation absolvieren wollen? „Steht noch nicht fest“,sagt Susanne. Dann muss sie los. Zu ihrem zweiten, weniger geliebten, aber dafür bezahlten Nebenjob in der Bibliothek.
Kurz und kompakt
- Die Münchner Auffangstation für Reptilien ist die größte ihrer Art in ganz Deutschland.
- Rund 800 Schlangen, Krokodile, Echsen oder Schildkröten werden hier versorgt und warten auf Abholer.
- Um die Tiere kümmern sich auch ehrenamtlich Münchener Tiermedizin-Studenten der benachbarten LMU.














