UNICUM trifft: Auma Obama
Die Halbschwester von US-Präsident Barack Obama im Interview

- Auma Obama bei der Präsentation ihres Buches "Das Leben kommt immer dazwischen" | Foto: Getty Images
Auma Obama (52) hat nicht nur einen prominenten Halbbruder, sondern auch eine bemerkenswerte Biografie. Die Kenianerin promovierte in Bayreuth, studierte Film in Berlin und arbeitet nun mit benachteiligten Jugendlichen in Nairobi. Im Interview mit UNICUM sprach sie über Deutschkurse mit Asterix-Comics, Stunden auf der A9 und Fehler in der Entwicklungshilfe.
"Das Studium war für mich wie eine Art Buffet"
UNICUM: Wie sind Sie als Schülerin in Kenia auf die Idee gekommen, ausgerechnet Deutsch zu lernen?
Auma Obama: Ich habe schon immer sehr gerne gelesen, zum Beispiel auch Brecht und Böll. Dadurch habe ich dann gemerkt, dass ich mit dieser Sprache etwas anfangen kann. Dazu hatten wir eine Lehrerin aus Deutschland, die einen Kurs angeboten hat. Wir haben neben der deutschen Literatur auch mit dem Spiegel und Stern die Sprache gelernt und im Goethe-Institut habe ich die ganzen Asterix-Bände auf Deutsch gelesen. Es hat total Spaß gemacht, denn wir waren im Kurs nur zu viert und es war sehr intensiv.
Die Sprache zu lernen ist das eine, aber Sie haben dann den Entschluss gefasst, in Deutschland zu studieren. Warum?
In Kenia konnte man damals keine Germanistik studieren. Da hab ich mich beim Deutschen Akademischen Austauschdienst um ein Stipendium beworben und das Glück gehabt, dass ich genommen wurde.
Sie haben vorher auch ein Jahr in Kenia studiert. Was war der größte Unterschiedzum deutschen Studentenleben?
Das Schlimmste war, dass die kein Zimmer für mich hatten, als ich in Deutschland ankam. Bei uns in Kenia ist das so, dass man als Student für das erste Jahr automatisch ein Zimmer bekommt. Der Mensch vom Studentenwerk sagte mir damals, ich solle mir ein Zimmer suchen über die Wohnungsanzeigen in der Zeitung. Später hab ich mal bei den Annoncen geschaut. "2ZI-WHG, 25QM", wie hätte ich diese Abkürzungen verstehen sollen, ich hätte so nie ein Zimmer gefunden (lacht). Von daher hab ich richtig gehandelt, indem ich zu dem Mann vom Studentenwerk gesagt habe: "Ich gehe hier nicht weg ohne
ein Zimmer." Und dann hab ich ein Zimmer gekriegt.
Hatten Sie denn mit der Fächerkombination, die Sie ausgewählt haben, schon eine Vorstellung, was das einmal beruflich hätte werden können?
Nein, ich bin eine von diesen Personen, die einfach studiert haben, weil sie die Liebe am Studieren hatten. Das Studium war für mich wie eine Art Buffet. So konnte ich mir aussuchen, was ich wollte, und entscheiden, wann und wie ich was mache. Ich habe zum Beispiel während meines Studiums in Heidelberg alle meine Referate und Präsentationen am Anfang des Sommersemesters gemacht und konnte dann den ganzen Sommer auf der Neckarwiese genießen.
Sie wirken eher als eine Frau der Tat, da ist eine Promotion ja dann eigentlich das Letzte, was man machen sollte.
Ja, das habe ich leider erst danach erfahren. Denn mein Studium bis zum Magister war sehr praxisnah, denn unser Fach "Interkulturelle Germanistik" war relativ neu. Ich habe das bei dem Professor studiert, der das Fach kreiert hat, und wir haben zusammen Theorien entwickelt. Ich dachte, es bleibt so spannend, aber es war dann nicht der Fall. Promovieren ist sehr einsam, man hat wenig mit anderen zu tun. Das war für mich unheimlich schwierig.
Sie haben dann parallel dazu noch ein Filmstudium in Berlin begonnen.
Das war schon ziemlich verrückt. Ich hab in Bayreuth promoviert und in Berlin Film studiert. Die Strecke auf der A9 kannte ich so gut, dass ich nie länger als drei Stunden brauchte mit meinem kleinen grünen Golf. Aber das war natürlich eine ziemlich strapazierende Zeit für mich. Der Grund, warum ich das gemacht habe, war, dass ich eigentlich nicht wusste, was ich am Ende beruflich machen wollte.
"MAN KANN NICHT MIT ARROGANZ IN EIN FREMDES LAND KOMMEN"
Ihr Vater war Politiker in Kenia, ihr Halbbruder ist US-Präsident. Warum hat es Sie nicht in die Politik gezogen?
Politik ist kein Beruf, Politik ist eine Berufung. Und ich bin nicht dazu berufen, Politikerin zu sein oder zu werden (lacht). Politiker dürfen nicht immer sagen, was sie wollen. Das wäre nichts für mich.
Mittlerweile arbeiten Sie wieder in Kenia im Bereich Entwicklungshilfe.
Nein, die Arbeit, die ich mache, nenne ich nicht Entwicklungshilfe, sondern Entwicklungszusammenarbeit. Wir versuchen mit unserem Projekt SautiKuu, mit jungen Leuten zusammenzuarbeiten, damit sie selber ihre eigene Situation verbessern.
Wie muss ich mir das vorstellen?
Wir arbeiten mit benachteiligten Jugendlichen aus armen Familien. Meistens haben sie das Gefühl, dass sie nichts wert sind. Sie wissen gar nicht, dass sie Rechte und eine Stimme haben, deswegen auch der Name meiner Stiftung SautiKuu [Anm. d. Red.: Kiswahili für "Starke Stimmen"]. Wir halten ihnen einen Spiegel hin und sagen: Du bist wichtig, du bist etwas wert und du hast eine Stimme und mit deiner Stimme kannst du sehr viel bewegen. Denn wenn diese Jugendlichen eine Stimme haben, können sie auch tätig werden. Und dann arbeiten wir mit ihnen zusammen und schauen, wo sie ihre Ressourcen finden können. Denn die Ressource ist nicht der große weiße Mann mit seiner Entwicklungshilfe, der uns das Geld gibt und die Schulen baut und alles für uns tut. Das ist nicht nachhaltig. Die Menschen müssen sich selber helfen, denn häufig sind die Ressourcen vor Ort vorhanden, zum Beispiel Familien, die Land haben, aber es nicht nutzen. Wir haben zu viel Entwicklungshilfe, wo die Menschen sagen: Wir sind arm, wir sind Opfer. Ihr macht das und ihr holt uns aus der Misere heraus.
Es gibt ja auch bei uns in Deutschland viele humanitäre, teilweise studentische Projekte in Afrika. Was halten Sie davon?
Es kommt darauf an. Junge Leute, die zu mir als Praktikanten mit der Einstellung kommen "Mir geht es gut, und ich bin hier, um den anderen zu helfen", sind nicht so willkommen bei uns, denn solche Form der Hilfe halte ich für sehr problematisch. Man muss bescheiden sein, die jungen Leute sollen kommen und wissen, dass sie hier auch etwas lernen sollen, nämlich, dass sie nicht diejenigen sind, die die Lösungen haben.
Was muss man mitbringen, um in dem Bereich zu arbeiten?
Hauptsächlich Bescheidenheit und eine Bereitschaft zu lernen. Denn man kommt in eine fremde Kultur mit Menschen, die ganz andere Konditionen haben, ganz anders denken. Man kann nicht mit Arroganz in ein fremdes Land kommen. Das muss man sich vorstellen wie ein Haus. Wir wollen uns alle am Bau beteiligen. Aber ich als Einzelner weiß nicht, wie dieses Haus konkret gebaut wird. Deshalb muss man bereit sein, dass andere einem sagen, wie man richtig vorgeht.
Die Familie Obama
Barack und Auma Obama haben den gleichen Vater, aber unterschiedliche Mütter. Der Kontakt zu seiner älteren Halbschwester aus Kenia kam erst 1984 per Brief zustande. Sie besuchte ihn mehrfach in Chicago, zeigte ihm im Gegensatz auch die Heimat ihres 1982 verstorbenen Vaters, der unter anderem für Shell und die kenianische Regierung arbeitete. Während des Präsidentschaftswahlkampfes 2008 übernahm Auma Obama in ihrer Heimat die Rolle als inoffizielle Pressesprecherin der Familie. Sie unterstützte Barack Obama im Wahlkampf, möchte aber seitdem in Interviews keine Auskünfte mehr über ihren Bruder geben.
Kurz & kompakt
- Über ein Stipendium des DAAD kam Auma Obama 1980 nach Deutschland.
- Die gebürtige Kenianerin studierte in Heidelberg Germanistik, promovierte in Bayreuth und besuchte parallel die Filmakademie Berlin.
- Heute lebt sie mit ihrer Tochter Akinyi in Nairobi und arbeitet für ihre Stiftung "SautiKuu", die benachteiligte Jugendliche unterstützt.
Mitmachen und gewinnen!
2010 erschien Auma Obamas Autobiografie "Das Leben kommt immer dazwischen – Stationen einer Reise" im Bastei Lübbe Verlag.
Wenn ihr eines von fünf Exemplaren gewinnen wollt, schreibt bis zum 31. Januar eine Mail mit dem Stichwort "Obama" an redaktion@unicum-verlag.de. Es gelten die allgemeinen Teilnahmebedingungen.










