Wirtschaftsprüfer werden

Im Herbst beginnt für Wirtschaftsprüfer die Busy Season

von Martina Fromme
Foto: Thinkstock/iStockphoto

"Ein guter Wirtschaftsprüfer darf nicht menschenscheu sein", sagt André Mathew. Der 34-Jährige weiß, w ovon er spricht. Als Manager beim Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte hat er schon zahlreiche Mandanten durch ihre Jahresabschlussprüfungen begleitet. Was ihn an seinem Job stets aufs Neue reizt, verrät er hier .

"Wir hocken nicht nur im stillen Kämmerlein"

André Mathew | Foto: Privat

UNICUM: Herr Mathew, wie kommt man eigentlich als junger Mensch auf die Idee, Wirtschaftsprüfer werden zu wollen?
Andrße Mathew: Nun ja, ich habe nicht etwa einen Onkel der Wirtschaftsprüfer ist oder so. Mein Interesse an diesem Beruf hat sich eher peu-à-peu entwickelt. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, dass mir im Studium der Buchführungsschein besonderen Spaß gemacht hat. Andere haben ein Faible für Marketing, bei mir waren es die Buchführungsthemen. Als mir schließlich eine Kommilitonin ziemlich begeistert von ihrem Praktikum bei Deloitte erzählte, habe ich mich einfach auch dort beworben. Letztendlich habe ich dann gleich mehrere Praktika hier in Düsseldorf gemacht und war schließlich sogar für zwei Monate für Deloitte in London. Plötzlich war ich direkt mittendrin, war als Teil des Teams bei verschiedenen Mandanten vor Ort, habe sehr viel gesehen und gelernt. Das hat mein Interesse bestärkt, so dass ich letztlich auch meine Studienschwerpunkte in diese Richtung ausgelegt habe. Dennoch: Auch damals hätte ich noch nicht sagen können, dass ich unbedingt Wirtschaftsprüfer werden will, denn mir war bewusst, dass dies mit dem Examen am Ende ein sehr, sehr langer Weg ist.

Was macht in Ihren Augen denn einen guten Wirtschaftsprüfer aus?
Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich gut organisieren zu können. Gerade in der Busy Season, die im Oktober mit den Vorprüfungen beginnt und Ende Januar, Anfang Februar ihren Höhepunkt erreicht, ist die Arbeitsbelastung schon
sehr intensiv. Da man in der Regel mehrere Mandanten parallel betreut, muss man den Überblick bewahren können. Darüber hinaus sollte man natürlich fachliche Kompetenz mitbringen, mit Zahlen umgehen können, aber auch ein guter Teamplayer sein. Man darf auf keinen Fall menschenscheu sein – das gilt nicht nur für den Umgang mit Kollegen. Viele denken vielleicht, als Wirtschaftsprüfer sitze man mit seinem Laptop im stillen Kämmerlein, aber das ist ein Irrtum. Informationen sind für unsere Arbeit ganz, ganz wichtig, und die bekommt nur, wer kommunikativ ist und auf andere zugeht. Wer das nicht beherrscht, wird es als Prüfer nicht leicht haben.

"Wer meint, nach dem Examen müsse er nie wieder lernen, ist auf dem Holzweg"

Mal ganz persönlich betrachtet, warum sind Sie gerne Wirtschaftsprüfer?
Was mich besonders fasziniert ist, dass man einen so umfassenden Einblick in fremde Unternehmen bekommt, wie kaum jemand sonst. Im Rahmen der Prüfungsarbeit dürfen wir wirklich alles sehen, nicht nur einen kleinen Ausschnitt. Das ist ungeheuer spannend, kann aber auch sehr anstrengend sein. Teil unseres Jobs ist es nämlich auch, sich schnell auf neue Themen einzustellen. Man kann sicherlich nicht Experte für alles sein und das ist auch nicht nötig, aber das wirtschaftspolitische Geschehen und immer neue Gesetzeslagen erfordern es, auf dem Laufenden zu bleiben. Wer meint, nach dem Examen müsse er nie wieder lernen, ist auf dem Holzweg.

A propos Examen: Sieben Klausuren innerhalb von vierzehn Tagen und eine mündliche Prüfung – das gilt es zu überstehen, bevor man sich offiziell Wirtschaftsprüfer nennen darf. Wie haben Sie das gemeistert?
Das ist in der Tat ein harter Brocken, auch wenn man im Examensjahr in der Regel von seinem Unternehmen freigestellt wird. Glücklicherweise gibt es inzwischen verschiedene Wege, das Examen anzusteuern und auch ein wenig zu entzerren. Ich gehöre da quasi zu den "Versuchskaninchen" und bin ganz froh, dass ich mich auf Anraten eines Partners für den 2008 neu aufgelegten Master-Studiengang entschieden habe. Letztlich konnte ich mir so nicht nur die drei Klausuren in BWL, VWL und Recht anrechnen lassen, sondern es hat mich auch sehr motiviert, in einer Gruppe zu lernen und auszutauschen. Zudem waren wir im Rahmen des Programms für jeweils eine Woche an Business Schools in Paris und Barcelona, was mir sehr gefallen hat. Allerdings war das Studium auch sehr anspruchsvoll, jede Menge Stoff, der in den jeweils dreimonatigen Präsenzphasen im Sommer durchgenommen wurde. Dessen muss man sich auch bewusst sein. Aber gerade für Bachelor-Absolventen ist es natürlich eine tolle Möglichkeit, einen Master zu machen und sich parallel bereits aufs Wirtschaftsprüferexamen vorzubereiten.


UNICUM sprach mit ...

André Mathew (34) studierte BWL mit Schwerpunkt Wirtschaftsprüfung/Steuern in
Münster. Bereits zu Studienzeiten machte er mehrere Praktika bei Deloitte. Parallel zu seinem Berufseinstieg absolvierte er von 2008 bis 2010 den Master-Studiengang "Audit Xcellence" an der Mannheim Business School. Direkt im Anschluss legte er sein Wirtschaftsprüferexamen ab und ist heute als Manager im Bereich "Inbound" für Deloitte tätig.


Karriere als Wirtschaftsprüfer

Ausführliche Infos zum Berufsbild Wirtschaftsprüfer sowie zu den unterschiedlichen Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Instituts der Wirtschaftsprüfer unter www.idw.de

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