Zehn Zukunftsmacher, Teil 1: Mit Köpfchen die Welt verändern - Teil 1

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Die richtigen Fragen stellen, passende Antworten suchen: Im Wissenschaftsjahr "Zukunftsprojekt Erde" stellen wir euch insgesamt zehn Berufseinsteiger vor, die sich mit den drängenden Fragen unserer Zeit beschäftigen und die Welt mit ihrer Arbeit ein kleines bisschen besser machen wollen. Los geht's mit diesen fünf Zukunftsmachern:

- Nuria Cerdá-Esteban | Foto: Privat
Wenn Nuria Cerdá-Esteban (28) erfolgreich forscht, werden Transplantationen erleichtert und Krankheiten heilbar.
Wer Nuria Cerdá-Esteban an ihrem Arbeitsplatz besuchen will, muss in den äußersten Nordosten der deutschen Hauptstadt: Hinter dem Berliner Autobahnring A10, an der Grenze zu Brandenburg, liegt der Campus Berlin-Buch. Inmitten eines Biotechnologieparks, umgeben von Kliniken, kleinen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, arbeitet die Biowissenschaftlerin am Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), das laut eines Rankings der Medienagentur Thomson Reuters weltweit auf Platz 14 der Lebenswissenschaftlichen Forschungsinstitute rangiert – noch vor Einrichtungen wie der Stanford University und der University of California Berkeley.
Mit ihrem Diplom in Biochemie der Uni Tübingen, ihrer fundierten Arbeit in der Entwicklungsbiologie und einer Teilnahme am Austauschprogramm der University of Oregon, erfüllte Nuria Cerdá-Esteban die strengen Auswahl Kriterien des MDC für Doktoranden. Aktuell arbeitet die gebürtige Spanierin in der Forschungsgruppe der renommierten Wissenschaftlerin Francesca Spagnoli, die sich mit der molekularen und zellularen Entwicklung von Embryonen beschäftigt.
Ihre Promotion wird sie voraussichtlich in einem Jahr beenden. "Wir untersuchen, wie sich Organe entwickeln", erklärt die 28-Jährige. "Unsere zentrale Frage ist, woher eine Zelle weiß, was sie später werden soll." Innerhalb der Forschungsgruppe liegt ihr Fokus auf der Bauchspeicheldrüse, die bei Diabetes defekt ist und nicht mehr ausreichend oder gar kein Insulin produziert. Aus Leberzellen versucht die Doktorandin Bauchspeicheldrüsenzellen zu züchten, um eine neuartige Diabetestherapie möglich zu machen. "Erst ‚füttere‘ ich meine Zellkulturen mit Zucker und Aminosäuren und gebe Wachstumsfaktoren hinzu; dann ‚ärgere‘ ich sie mit fremden Proteinen und versuche sie dazu zu bringen, ihre Eigenschaft zu ändern", erklärt die Wissenschaftlerin. Ob das geklappt hat, sieht sie schließlich mit Hilfe modernster Analysegeräte.
Die große Vision hinter diesem und ähnlichen Forschungsprojekten: Eines Tages aus Zellproben des Patienten im Labor neue Organe züchten zu können. Das qualvolle Warten auf Spenderorgane würde dann der Vergangenheit angehören, bisher unheilbare Krankheiten wie Diabetes könnten geheilt werden.

- Wolfgang Gründinger | Foto: Privat
Seit seiner Jugend setzt sich Wolfgang Gründinger (28) für mehr Generationengerechtigkeit ein und fordert seine Altersgenossen auf, sich stärker politisch zu engagieren.
Wolfgang Gründinger ist ein Allrounder – vor allem wenn es darum geht, sich für junge Menschen, die Umwelt und soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Er hat sich einen Namen gemacht als "Anwalt der Jungen" oder "Jugend-Lobbyist", reist zur UN-Weltklimakonferenz, und diskutiert in TV-Talkrunden mit. Er ist ehrenamtlicher Sprecher der "Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen" und fordert ein Wahlrecht für junge Leute.
Ganz nebenbei promoviert Gründinger an der Humboldt-Universität im Fach Sozial- und Politikwissenschaften zum Thema Lobbyismus in der Energiepolitik – und hat soeben ein neues Buch geschrieben, dass im September veröffentlicht wurde. Titel: "Wir Zukunftssucher". Darin denkt er über Generationengerechtigkeit nach und wie Deutschland enkeltauglich wird. "Wir Jungen brauchen einen Pakt mit den Alten, denn wir brauchen deren Macht, deren Ohren und deren Geld", so Gründinger.
Schon früh interessierte der 28-Jährige sich für Politik: "Als ich 15 Jahre alt war, habe ich in der Bibliothek in meinem Heimatort den Report des Club of Rome aus dem Jahr 1972 mit dem Titel ‚Die Grenzen des Wachstums‘ gelesen. Darin geht es um die Erschöpfung wichtiger Ressourcen. Unser Planet ist endlich und wird bald ausgeplündert sein", sagt Gründinger. Thesen wie diese führten schließlich dazu, dass er politisch aktiv wurde.
"Im Jahr 2030 kommt auf einen Rentner nur noch ein Arbeitnehmer, die Gesellschaft ist sozial gespalten. Der Planet ist aufgeheizt, es gibt mehr Naturkatastrophen, Erdöl und Erdgas werden geplündert sein", beschreibt der Berliner seine Zukunftsvision. "Nicht alles ist aufzuhalten, aber viele Dinge schon. Jeder muss aktiv werden. Wir sind nicht ohnmächtig. Wenn die Jungen in die Parlamente gehen, können wir was erreichen."
Weiter auf Seite 2: "Ich wünsche mir eine positivere Berichterstattung!"
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