Karriere in Grossbritannien

- Illustration: Birte Weiner
Mit Auslandserfahrung im Job lässt sich besonders gut punkten. Doch wie stehen die Chancen für deutsche Studenten und Absolventen? Für UNICUM stellen echte Insider regelmäßig die Karrierechancen in ausgewählten Ländern vor. Weiter geht’s mit Großbritannien-Korrespondentin Katharina Henrich.
ARBEITSMARKT
Abseits vom grandiosen Olympia-Spektakel macht Großbritannien wie viele andere europäische Länder schwere Zeiten durch. Austerity-Britain nennen sie auf der Insel ihr Land, das mit der eisernen Sparpolitik der liberal-konservativen Regierung und den Auswirkungen der Finanzkrise zu kämpfen hat. Die Arbeitslosenquote liegt bei über 8 Prozent, bei den Unter-25-Jährigen sogar bei fast 22 Prozent.
Dennoch bietet Großbritannien Chancen für Hochschulabsolventen auf der Suche nach Auslandserfahrung. Der Arbeitsmarkt– vor allem in der Hauptstadt London – ist sehr international und die Sprachbarriere ist mit Englisch für die meisten niedrig. Nach einem Studium sind die Aussichten auf eine Stelle gar nicht so düster. Die Arbeitslosenquote von Akademikern liegt bei 4,3 Prozent.
Die Deutschen seien als Arbeitnehmer beliebt, erklärtein Banker aus der City, dem Londoner Finanzdistrikt. „Sie liefern 100 Prozent.“ Das Klischee vom fleißigen, korrekten Deutschen scheint also beim Bemühen um einen Arbeitsplatz nicht gerade hinderlich.
EINEN JOB FINDEN
„Vor allem wer bereits erste Arbeitserfahrung durch Praktika oder andere Jobs hat, ist bei den Arbeitgebern beliebt“, sagt Kate Murray von The Careers Group der University of London. Geschätzt würde auch soziales Engagement. Die Branchen, in denen nach den jüngsten Daten der Higher Education Statistics Agency die meisten Absolventen eine Anstellung gefunden haben, waren das Gesundheits- und Sozialwesen, der Groß- und Einzelhandel und die Bau- und Wohnungswirtschaft.
„Geisteswissenschaftler haben es im derzeitigen wirtschaftlichen Klima schwerer“, sagt Murray. Neben der direkten Bewerbung auf eine Stelle sind sogenannte Graduate Schemes ein üblicher Weg, um beruflich Fuß zu fassen. Hier durchlaufen Hochschulabsolventen für zwei bis drei Jahre gegen angemessene Bezahlung unterschiedliche Stationen im Unternehmen und können dabei teils auch anerkannte fachliche Qualifikationen erwerben.
Graduate Schemes werden vor allem von größeren Unternehmen und Organisationen angeboten. Oft akzeptieren sie dabei Absolventen aller möglichen Fachrichtungen. Wichtig sind gute Noten und erste Arbeitserfahrung. Orientierung bei der Jobsuche gibt die Webseite www.prospects.ac.uk. Stellen für Hochschulabsolventen finden sich besonders in der Zeitung The Guardianunter www.guardian.co.uk.
RICHTIG BEWERBEN
Understatement soll ja angeblich eine geschätzte britische Eigenschaft sein. Das solltet ihr am besten schnell vergessen! Was hier zählt, ist, sich gut zu verkaufen. Erste Regel fürs Bewerbungsgespräch: viel versprechen und gut präsentieren. Mit selbstbewusstem Auftreten kann man fachliche Mängel schnell mal wettmachen.
Beachten müssen Deutsche, dass der Lebenslauf hier anders strukturiert wird und Bewerbungsfotos nicht als politisch korrekt gelten. Die Ausgaben dafür könnt ihr euch also sparen. Infos zur Bewerbung gibt es auch unter www.prospects.ac.uk.
WEITER STUDIEREN
Britische Unis bieten eine Fülle teils sehr spezialisierter Postgraduate-Kurse. Wer weiter studieren will, findet hier bestimmt ein Masterprogramm, das seinem Interesse entspricht. Allerdings ist Studieren im Vereinigten Königreich teuer. Je nach Studiengang, Abschluss und Universität können die Kurse zwischen 1.000 und 20.000 Britische Pfund im Jahr kosten.
Die geisteswissenschaftlichen Fächer gehören dabei in der Regel zu den günstigeren, während Management und besonders Medizin sehr teuer sind. Wichtiger als in Deutschland ist hier, wo studiert wurde. Ein Studium in Cambridge oder Oxford – oft auf Oxbridge verkürzt – ist nach wie vor eine sichere Eintrittskarte fü rbegehrte Jobs im öffentlichen und privaten Sektor.
Aber auch Universitäten wie London, York, Exeter oder die alten schottischen Unis haben einen guten Ruf. Regelmäßig veröffentlichen The Guardian, The Times, The Sunday Times und The Independent Ranglisten zu den einzelnen Studiengängen. Infos gibt‘s auf www.findamasters.com und www.fidaphd.com.




