Karriere in Italien

Start der neuen UNICUM Reihe

Illustrationen: Birte Weiner

Mit Auslandserfahrung im Job lässt sich besonders gut punkten. Doch wie stehen die Chancen für deutsche Studenten und Absolventen? In UNICUM stellen echte Insider ab sofort regelmäßig die Karrierechancen in ausgewählten Ländern vor. Los geht’s mit Italien-Korrespondent Thomas Migge.

1. Arbeitsmarkt

Fragt man italienische Hochschulabgänger nach Karrieremöglichkeiten in ihrem Land, bekommt man in der Regel immer die gleiche erstaunte Antwort: „Karriere in Italien? Das ist nicht möglich!“ Eine nicht übertriebene Antwort, denn Italien leidet am so genannten Phänomen der fuga dei cervelli, der, zu Deutsch, Flucht der Gehirne. Fakt ist, dass viele hoch talentierte diplomierte Uni-Abgänger besser bezahlte Arbeitsplätze im Ausland vorziehen. Das gilt für Berufe in der freien Wirtschaft ebenso wie für Berufsfelder in der Forschung. 

Und doch können EU-Ausländer in Italien Karriere machen. Voraussetzung ist nicht nur das perfekte Beherrschen der Sprache, sondern auch ein gutes Maß an Anpassungsbereitschaft, denn von der Steuer bis zur alltäglichen Logistik ist das Leben in bella Italia nicht nur Eisschlecken. 

Gefragt sind in Italien Mediziner. Deutsche Ärzte gelten als die besseren. Das mag ein Vorurteil sein, aber den Deutschen geht ein extrem guter Ruf voraus. Ein deutscher Hochschulabschluss genießt einen besseren Ruf als der jeder staatlichen italienischen Universität.

2. Papierkram

Der Papierkram zur Bewerbung um einen Arbeitsplatz an einem italienischen Forschungsinstitut, an einer Hochschule oder an anderen staatlichen oder regionalen Institutionen ist kafkaesk. Aber wer sich die Mühe macht, einmal alles richtig zu studieren, kann sich auch durch dieses Papier- und Regeldickicht kämpfen. 

Problematisch wird es allerdings, wenn der deutsche Absolvent an Stellenausschreibungen von öffentlichen Trägern teilnehmen will. Da kann es schon mal vorkommen, dass eine positive oder negative Antwort oder auch die Einladung zum Bewerbungstest Monate, ja sogar Jahre dauern kann.

Unterstützung beim Papierkram all’italiano geben auch Arbeitgeber. Nicht nur die Privatindustrie, sondern auch Forschungseinrichtungen, die an deutschen Hochschulabsolventen sehr interessiert sind. In Sozial-, Wirtschafts- und wissenschaftlichen Forschungsinstituten sind Deutsche, die Italienisch sprechen und einen internationalen Background mitbringen, sehr gefragt. Auch hier funktioniert wieder der Imagebonus des fleißigen und ordentlichen Deutschen.

3. Wissenschaftliche Karriere

Wer zum Beispiel Restaurateur von Kunstwerken werden möchte, findet in Italien die weltweit besten Ausbildungs- und Arbeitsstätten. Dumm ist nur, dass die Arbeit als Restaurateur bei staatlichen Institutionen schlecht entlohnt wird. Auch die Idee, als Archäologe in Italien Arbeit zu finden, immerhin ein Land mit tausenden von archäologischen Grabungsstätten, ist recht verwegen. Außerdem ist das staatliche Prozedere um einen festen oder Zeit-Arbeitsplatz bei einer der Sopraintendenze, wie die Behörden zum Erhalt und zur Pflege der Kulturgüter heißen, extrem kompliziert. 

In der freien Wirtschaft ist das nicht so. Doch nicht alle Arbeitsbereiche sind unbedingt an deutschen Bewerbern interessiert. Generell gilt, dass Bewerber für Ingenieur- oder technische Berufe, die Studienabschlüsse von angesehenen deutschen Hochschulen vorlegen, keine schlechten Chancen haben, einen Job zu finden.

4. Praktika & Co.

Praktika sind in Italien die Regel, werden aber gar nicht oder sehr schlecht bezahlt. Und: Es ist extrem schwer, einen Praktikumsplatz zu erhaschen. Wenn schon die Italiener ohne Beziehungen nicht an Praktika kommen, ist es für Deutsche noch problematischer.

Hinzu kommt, dass nichts national durchorganisiert ist. Aber dieser Punkt gilt für alles, was mit der Arbeitssuche in Italien zu hat. Ohne zeitaufwendiges Durch- und Nachfragen ist hier nicht viel zu machen.

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