Gehirngerechtes Arbeiten und Kommunizieren - Teil 1
Autor und Coach Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") im Interview

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"Wie kann die eigene Kommunikation noch weiter verbessert werden – im Hinblick auf die Funktionsweise des Gehirns?": Dieser Fragestellung geht Sebastian Mauritz seit über 10 Jahren nach. Als Experte ist er sich sicher, dass gehirngerechte Kommunikation nicht nur unsere Arbeitsweise, sondern auch schon das Studium, die Berufswahl und sogar das Privatleben positiv beeinflussen kann. UNICUM hat bei Coach und Autor Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") einmal nachgefragt, was es genau mit gehirngerechtem Arbeiten und Kommunizieren auf sich hat.
"Wir wissen noch nicht einmal ansatzweise, zu was unser Gehirn alles fähig ist"

- Foto: ©2012 SebastianMauritz.de
UNICUM: Sie sind Experte für gehirngerechtes Kommunizieren und Arbeiten. Doch was bedeutet der Begriff „gehirngerecht“ überhaupt?
Sebastian Mauritz: Gehirngerecht bedeutet so zu handeln (arbeiten, kommunizieren, lernen), dass das Gehirn mit seinen Fähigkeiten und Anforderungen in optimaler Weise genutzt wird. Die Grundlage bilden zum einen die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung, zum anderen teilweise Jahrtausende alte Philosophien. Es ist ja leider ein weit verbreiteter Irrtum, dass man erst seit der modernen Hirnforschung sich mit der Funktionsweise des Gehirns auseinandersetzt. Gehirngerecht könnte auch heißen, in guter Kooperation mit unserer "Hardware" – sprich, wie sollte der Input sein, um in optimaler Weise verarbeitet werden zu können, welche "Wartung" im Sinne von Regenerationszeiten braucht das Gehirn und wie viel Input kann ich dem System zu gleichen Zeit anbieten.
Sind Sie der Ansicht, dass die meisten Menschen nicht ihre Möglichkeiten bzw. die Möglichkeiten ihres Gehirns ausschöpfen.
Einstein soll mal gesagt haben, dass wir nur 10 % unseres Gehirns nutzen. Ich bin der Meinung, wir wissen noch nicht einmal ansatzweise, zu was unser Gehirn alles fähig ist. Nehmen wir zum Beispiel die Inselbegabungen – Autismen – wo jemand mit einem Blick auf die Skyline von New York diese nachzeichnen kann – auf das Fenster genau. Das ist doch bemerkenswert und für mich einfach unglaublich!
Wenn wir zum Ausschöpfen unseres Potenzials kommen, dann beschäftige ich mich mit der Frage, wie wir in besserer Weise mehr von dem Ausschöpfen, was bisher nur eine Ahnung ist, was das Gehirn alles kann. Warum Menschen manchmal wenig bis überhaupt keinen Zugriff auf ihre eigenen Fähigkeiten und somit auch auf die Fähigkeiten ihres Gehirns haben liegt meistens an den vier Formen negativer Energie: Wut (führt zu Kampf), Angst (führt zu Flucht), Taubheit (führt zum "Einfrieren", zur Starre) und Apathie (führt zu Depression). Das sind auch die vier Arten, wie Menschen auf Stress reagieren, wobei fast immer ein kurzer Moment der Starre der weiteren Reaktion vorausgeht.
Wird dann im weiteren die Stressreaktion erlebt, dann geht dieses Erleben meist mit einem sehr ressourcenarmen Empfinden einher. Oft genügt schon ein wenig Entspannung, um wieder Zugriff auf die Fähigkeiten seines Gehirns zu bekommen. Genug Schlaf und Ruhezeiten – gehirngerecht sind mindestens 7 Stunden Schlaf nachts und ein bis 20-minütige Ruhezeiten am Tag – so genannte Powernaps, sind ideal und wirklich einfach umzusetzen.
Zentrales Problem in der Ausnutzung unseres Potenzials ist meiner Meinung nach jedoch die Tatsache, dass wir unsere Leistungsfähigkeit nicht absolut wahrnehmen – sprich anders als beim Handy zeigt uns unser System nie an, wie der Akku-Ladestand, der Konzentrations-Level oder die Versorgung mit Nährstoffen ist. So bemerken wir nur von Tag zu Tag ein leichtes besser oder schlechter – können das aber nur sehr subjektiv einordnen. Wüssten wir, dass wir die ganze Zeit nur bei z. B. 30 % herumdümpeln, dann würden wir uns sicher schneller in Richtung eines "besser" orientieren.
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