Gehirngerechtes Arbeiten und Kommunizieren - Teil 2

Autor und Coach Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") im Interview

von Barbara Kotzulla
Fotos: Thinkstock – iStockphoto

"Wie kann die eigene Kommunikation noch weiter verbessert werden – im Hinblick auf die Funktionsweise des Gehirns?": Dieser Fragestellung geht Sebastian Mauritz seit über 10 Jahren nach. Als Experte ist er sich sicher, dass gehirngerechte Kommunikation nicht nur unsere Arbeitsweise, sondern auch schon das Studium, die Berufswahl und sogar das Privatleben positiv beeinflussen kann. UNICUM hat bei Coach und Autor Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") einmal nachgefragt, was es genau mit gehirngerechtem Arbeiten und Kommunizieren auf sich hat.

"Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann …"

Was sind die speziellen Bedürfnisse unseres Gehirns? Warum ist es in der Kommunikation und der Arbeitswelt so wichtig, darauf einzugehen?
Bedürfnisse hat unser Gehirn sehr viele. In der Kommunikation geht es meistens darum, dass man versteht, dass man sich nicht über die Welt wie sie ist, sondern um die jeweils eigene Wirklichkeitskonstruktion unterhält. Anders gesagt haben 7 Milliarden Menschen 7 Milliarden eigene Welten, die sie jeden Tag erleben. Das heißt nicht, dass die nicht teilweise eng beieinander liegen, das heißt nur, dass wenn wir meinen, etwas verstanden zu haben, vielleicht noch mal zurück geben, was wir verstanden haben – in Form eines Echos wie "Wenn ich Dich richtig verstanden habe, dann …". Ein zentrales Thema bei Kommunikation und bei Arbeit ist auch der Zustand, in dem ein Mensch kommuniziert. Wenn Stress im System ist, dann reagiert unser Gehirn nicht mit dem Großhirn, sondern eher mit den älteren Teilen des Systems und deren begrenzten Möglichkeiten.

Was die Arbeit angeht so geht es meiner Meinung nach in hohem Maße um Stresserkennung und -vermeidung, um vollen Zugriff auf die eigenen Fähigkeiten zu haben. Das klingt vielleicht, als würde ich jetzt ein scheinbar totes Pferd reiten, deswegen ein kurzes Beispiel: Wann kommunizieren sie besser: 1. Wenn sie gerade völlig abgehetzt und gestresst mit tausend Gedanken im Kopf und einer langen Todo-Liste nach Hause kommen oder 2. In einem entspannten Urlaub am Pool im Schatten, mit kühlen Glas Wasser und nach mehreren wirklich entspannten Tagen? Vielleicht ist das ein wenig überzeichnet, aber kaum jemand wird „1.“ antworten… Dadurch, dass uns jedoch eine Bewusstheit über unseren Zustand fehlt, macht es das so schwierig zu bemerken – daher das eher überzeichnete Beispiel.

Ruhepausen sind deswegen ein zentrales Thema in meiner Arbeit – kurz und effektiv – am besten die Augen schließen, weil so die bildverarbeiteten Systeme im Großhirn nicht mehr aktiv sind. Diese verbrauchen ein hohes Maß an Energie.

"Mit welcher Haltung begegne ich dem anderen?"

Worauf kommt es bei der Kommunkation also an?
Für die Kommunikation sind grundlegend folgende Aspekte wichtig:

  • Wahrnehmung – wie nehme ich das Gesagte gerade wahr? Habe ich einen Filter aktiv, dass ich bestimmte Dinge hören will und andere nicht? Ist meine ganze Wahrnehmung bei meinem Gegenüber oder bin ich mit einem halben Auge in meiner Facebook-App.
  • Haltung – mit welcher Haltung begegne ich dem anderen? Das meint sowohl die innere, als auch die äußere Haltung. Wie muss ich sitzen, um optimal zuhören zu können? Ist meine innere Haltung eher ein "Jaja, rede Du nur… blablabla" oder ein "Oh, das ist interessant, ich bin neugierig, was Du mir zu berichten hast". Wenn ich von Haltung spreche, dann meine ich ganz explizit nicht die kognitiven Missverständnisse, dass wenn jemand die Arme verschränkt oder die Beine kreuzt, er verschlossen ist und noch diverse andere nicht hilfreiche Dinge aus der Kategorie Körpersprache. Wenn ich in einer interessierten Haltung jemanden begegne, dann werden meine Spiegelneuronen mir automatisch melden, in was für einer Haltung der andere ist und ich werde dann eine gefühlte Idee bekommen, worum es geht.
  • Inneres Kino – was für Filme laufen zum Gesagten ab? Sprache erzeugt Bilder – wir können nichts denken, von dem wir uns kein Bild machen können. Das ist ein Grundprinzip des Gehirns. Wenn ich zum Beispiel sage, denken sie jetzt NICHT an einen roten Elefanten… und der hat KEINE grünen Punkte – was sehen sie dann? Klar, einen roten Elefanten mit grünen Punkten. Sprich – Worte aktivieren unser inneres Kino – in der einen und der anderen Weise. Das unserem Gegenüber rückzuspiegeln kann sehr hilfreich sein, besonders, wenn die Worte des Gegenüber einen Horrorfilm entstehen lassen.
  • Sprache – Worte geben uns und anderen einen Blick in unsere innere Welt. Das interessante hierbei ist, dass die Worte eine unmittelbare Wirkung auf unser Erleben haben. Sagen sie doch einmal: "Meine Arbeit ist ein täglicher Kampf, nur Kriegsschauplätze und um mich herum nur Feinde“ … und dann schließen sie kurz die Augen und prüfen, wie es ihnen geht. Dann öffnen sie die Augen wieder und waschen sich in Gedanken kurz das Gesicht mit kaltem Wasser… Und die zweite Runde. Sagen sie: "Meine Arbeit ist eine wahre Freude und ein Gedicht. Manchmal ist sie sogar ein inneres Blumenpflücken" … und noch mal kurz die Augen zu und nachspüren, wie sich ihre Arbeit jetzt anfühlt. Besser? Schlechter? Gleich? Anders? Das nur als kurze Verdeutlichung, wie unsere Worte auf unser Erleben und das von anderen natürlich auch.

"Wie denke ich etwas?"

Welche Fragen sollten wir dem Gegenüber stellen?
Eine kleine Auswahl an der Fülle guter Fragen, die ich in den letzten Jahren immer wieder in verschiedenen Kontexten meiner Arbeit verwende:

Wozu ist besser zu fragen, als warum – jedenfalls sollte ich mir darüber bewusst sein, dass warum eher auf das Problem und die Hintergründe führt, bzw. den Fehler bei mir sucht. Wozu ist zielorientiert und unterstellt eine gute Absicht. Als Beispiel seien hier ihre Kleidung genannt: Warum tragen sie denn das, was sie heute tragen? … und achten sie auf den Impuls ihres System – ist die Frage eher angenehm oder unangenehm? Löst sie eine Rechtfertigung aus, den berühmten Kausalzwang, der uns uns erklären lässt? Im Gegensatz dazu: Wozu tragen sie denn das, was sie heute tragen? Und das ist irgendwie anders, leichter zu beantworten und auf den Nutzen fokussiert.

Eine gute und sehr interessante Frage ist auch: Wie denke ich etwas (Etwas kann ein Problem sein, ein Ziel, …)? Diese Frage führt weg vom Inhalt zur Struktur des Denkens. Also, wie muss ich denken, um mich so und so zu fühlen, etwas zu tun oder nicht zu tun, …


Weiter auf Seite 3: "Versuche mit Menschen haben gezeigt, dass wenn man jemandem zu einer normalen geistigen Arbeit immer wieder Anrufe, SMS oder E-Mails gibt, sein IQ um bis zu 15 Punkte sinkt.


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