Gehirngerechtes Arbeiten und Kommunizieren - Teil 3
Autor und Coach Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") im Interview

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"Wie kann die eigene Kommunikation noch weiter verbessert werden – im Hinblick auf die Funktionsweise des Gehirns?": Dieser Fragestellung geht Sebastian Mauritz seit über 10 Jahren nach. Als Experte ist er sich sicher, dass gehirngerechte Kommunikation nicht nur unsere Arbeitsweise, sondern auch schon das Studium, die Berufswahl und sogar das Privatleben positiv beeinflussen kann. UNICUM hat bei Coach und Autor Sebastian Mauritz ("Das Ginkgo-Prinzip") einmal nachgefragt, was es genau mit gehirngerechtem Arbeiten und Kommunizieren auf sich hat.
"Beim Multitasking sinkt der IQ um 15 Punkte"
Sie Sagen, dass Singletasking besser ist als Multitasking.
Ja klar! Und es ist ein rührendes Missverständnis, dass Menschen fähig zu Multitasking sind. Das Gehirn arbeitet sequenziell – eins nach dem anderen. Versuche mit Menschen haben gezeigt, dass wenn man jemandem zu einer normalen geistigen Arbeit immer wieder Anrufe, SMS oder E-Mails gibt, sein IQ um bis zu 15 Punkte sinkt. Bedenkt man, dass die IQ-Skala eine logarithmische Einteilung hat, so ist das um so erschreckender.
Singletasking führt zu dem was der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi mit dem Phänomen "Flow" beschreibt. Wenn es läuft, alles im Fluss ist und wir die Arbeit eines ganzen Tages in 2 Stunden erledigen. Mein Rat ist immer, dass je nach dem wie viel Zeit in ihrem Leben noch ist, sie einfach mehr oder weniger Multitasking machen – so haben sie nie das Problem, zu viel Zeit übrig zu haben.
Wie wichtig ist Flexibilität im Beruf?
Ich denke, dass Flexibilität eine der wichtigsten menschlichen Eigenschaften ist. Wenn wir leben, dann brauchen wir ständig Flexibilität, um alte Muster durch neuere, besser funktionierende Muster zu ersetzen. Schaffen Menschen das nicht, dann zeigt ihnen der Körper auf sehr effektive Art und Weise, dass sie etwas verändern sollten. UND das ist alles sehr schwer, weil feste Muster uns Halt und Schutz geben – so funktioniert das Gehirn. Deswegen empfehle ich ein regelmäßiges Flexibilitätstraining. Ein wenig davon gewinnt man durch Hinterfragen von persönlichem Verhalten. Nicht wenn etwas funktioniert, sondern nur wenn etwas mal nicht optimal funktioniert. Allein die Frage: "Wie könnte ich das noch machen…?" ist hilfreich. Praktisch könnten sie auch folgendes Experiment machen: Putzen sie sich doch mal morgens mit der anderen Hand die Zähne und gehen mal eine Woche jeden Tag einen anderen Weg zur Arbeit.
"Um es kurz zu sagen – es tut gut"
Welche Ziele sollte man sich als Arbeitnehmer stecken?
Meistens steckt man sich keine eigenen Ziele, sondern bekommt sie gesteckt. Damit ist das erste "Problem" schon da, da ein so genanntes wohlgeformtes Ziel selbsterreichbar und attraktiv sein sollte. Eins von beidem fehlt meistens in den Zielen am Arbeitsplatz. Ich glaube das Ziel für einen Arbeitnehmer sollte sein, gut auf sich acht zu geben und nicht die Arbeit alles andere überlagern zu lassen. Etwas drastischer könnten sie auch kurz mal an ihr Sterbebett gehen und sich fragen, worüber sie sich mehr ärgern würden: ein weiteres Wochenende, was sie durchgearbeitet haben mit ewigen Überstunden oder ein entspannter Abend in netter Runde. Dann werden die Ziele doch schon klarer …
Wie kann sich gehirngerechtes Arbeiten auf das Privatleben auswirken?
Sie könnten Gefahr laufen, überraschend ausgeglichen zu sein und Sprüche von der Familie, den Freunden und Verwandten zu bekommen, im Sinne von: So wie Du arbeitest möchte ich mal Urlaub machen. Außerdem könnte es sein, dass sie ihr Privatleben achtsamer und abwechselungsreicher als andere gestalten. Um es kurz zu sagen – es tut gut. Wobei ich persönlich die gehirngerechte Kommunikation im Privatleben fast noch wichtiger finde.
Können Sie ein konkretes Beispiel für eine gehirngerechte Kommunikation im Beruf benennen?
Nehmen wir eine beliebige Aufgabe, die sie bekommen, im Sinne eines zwischen Tür und Angel reingerufenen "Hey, mach mal …, ok?". Statt sofort "Ja" zu antworten, könnten sie mit einer sehr hilfreichen Gegenfrage antworten, die ihre Chance auf doppelte und dreifache Arbeit erheblich verringert. Diese geht wie folgt: "Mal angenommen, ich hätte diese Aufgabe im besten Sinne erledigt, woran würden sie merken, dass ich wirklich einen guten Job gemacht habe?" …
Allein diese Frage würde so viele Ehrenrunden bei der Erledigung von Aufgaben ersparen…
Nach Erwartungen würde ich nicht fragen, weil diese meist ein Spiegel vergangener Erfahrungen sind und so meistens Wege beschrieben werden, wie es nicht geht. Und das erinnert mich an den Mann, der ins Taxi steigt und sagt: "Ich will nicht ins Hotel und nicht zum Bahnhof. Fahren sie schon, ich habe es eilig!"
Gehirngerechtes Denken im Studium und beim Berufseinstieg
Kann gehirngerechtes Denken und Kommunizieren die Berufswahl und den Berufseinstieg erleichtern?
Definitiv. Wenn ich in gehirngerechter Art und Weise kommuniziere, dann bin ich besser verständlich, wacher und klarer einzuordnen. So bekomme ich die Jobs, die mir gefallen und werde kompetenter wahrgenommen. Kommunikation ist immer noch einer der zentralen Punkte in der Bewertung von Menschen bezüglich ihrer Kompetenz und Fähigkeit. Warum also nicht der eigenen Kompetenz über die eigene Sprache eine gute Brücke ins Leben bauen.
Kann gehirngerechte Kommunikation das Studium beeinflussen?
Gehirngerechte Kommunikation bedeutet unter anderem auch, zu verstehen, wie Menschen – in diesem Fall man selbst – funktioniert. Nicht in einem "Ich weiß, was Du denkst"-Gedankenleser-Stil. Eher in einer strukturellen Art. Wenn ich verstehe, WIE ich denke, dann kann ich in jeder Situation meines Lebens einen guten Unterschied machen – und wenn wir nicht bei uns selbst anfangen, uns zum Positiven hin zu entwickeln, wo dann?
Autor, Speaker, Trainer und Coach Sebastian Mauritz veröffentlicht im Herbst sein neues Buch "Schuld abladen verboten – und wie Menschen funktionieren". Weitere Infos zu seiner Person und natürlich auch zu gehirngerechtem Arbeiten und Kommunizieren findest du auf SebastianMauritz.de
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