Tipps für die Probezeit

von Melanie Gralke

Wenn nach dem Studium der erste Job ruft, gilt es, sich schnellstmöglich in der Arbeitswelt zurechtzufinden, sich ins Unternehmen zu integrieren und größere Fehler zu vermeiden. Wie man die Probezeit ohne den berühmten Tritt ins Fettnäpfchen übersteht, verrät Karriereberaterin Doris Brenner.

„Berufsanfänger scheitern in der Probezeit selten aus fachlichen Gründen“, sagt Doris Brenner. Sie ist Karriereberaterin und Autorin des Buches „Schön, dass Sie da sind!“. „Die fachlichen Kenntnisse können im Vorfeld überprüft werden. Probleme gibt es eher, weil der Arbeitgeber feststellt, dass der Bewerber persönlich nicht ins Unternehmen passt.“ Daher gilt es gerade im Bereich der sozialen Kompetenzen, Fettnäpfchen zu vermeiden.

Erster Tag überbewertet

„In der Regel überbewerten die Berufsanfänger den ersten Tag“, sagt die Expertin. Für alle anderen findet schließlich nur ganz normaler Büroalltag statt. „Der Bewerber sollte also nicht enttäuscht sein, wenn ihn kein Begrüßungskomitee empfängt und der Chef ihn nicht persönlich begrüßt“, weiß Brenner. Am wichtigsten sei es, die ersten Tage zu nutzen, um sich zu orientieren und zu integrieren. „In der Anfangszeit empfiehlt es sich, sich mit eigenen Äußerungen zurück zu halten und vor allem nicht an Lästereien zu beteiligen. Es gilt: Ohren auf, Klappe zu.“

Die 49-Jährige unterteilt die Probezeit in mehrere Abschnitte. In der einwöchigen ersten Orientierungsphase geht es darum, dass der neue Mitarbeiter die Räumlichkeiten kennenlernt und sich bei seinen direkten Kollegen vorstellt. „Dabei sollte er Wert darauf legen, sich die Namen der anderen zu merken“, erklärt Brenner. „Es wird peinlich, wenn man als Neuanfänger nach einer Woche immer noch nicht weiß, wer mit einem im Großraumbüro arbeitet.“

Integrations- und Lernphase

In der folgenden dreimonatigen Integrations- und Lernphase ist es das Ziel, sich fachlich einzuarbeiten und menschlich in bestehende Strukturen einzufügen. „Das A und O ist es, sich sozial ins Team zu integrieren“, weiß die Karriereberaterin. „Gerade Naturwissenschaftler neigen dazu, sich mit Feuereifer in die inhaltlichen Aufgaben zu stürzen. Das ist zwar nicht falsch, doch viele vernachlässigen dabei, die neuen Kollegen kennenzulernen.“ Die Entscheidung, ob jemand nach der Probezeit übernommen wird, trifft der jeweilige Personaler aber auch danach, welche Rückmeldungen er von den Mitarbeitern über den Neuen bekommt. Daher ist es gut, sich bewusst zu sein, dass es gerade auf die Soft Skills ankommt“, sagt Brenner.

Wer hilfsbereit ist und sich bemüht, Teil des Teams zu werden, hat gute Karten. Das weiß auch Kai Hartmann von IKEA Deutschland. „Berufsanfänger, die offen und ehrlich mit ihren Kollegen umgehen und gerne von Anfang an Verantwortung übernehmen, werden schon in der Probezeit mit viel Spaß bei uns arbeiten“, sagt er. Ihm kommt es ebenfalls in erster Linie darauf an, wie sich ein Bewerber ins Team einfügt. „Vielleicht mag der eine oder andere Aspekt unseres Unternehmens zunächst ungewohnt sein. Wir duzen uns alle, unsere Hierarchien sind flach, wir arbeiten viel in Arbeitsgruppen. Wichtig ist vor allem eins: Das richtige Gespür dafür zu bekommen, wie man sich in diesem neuen Umfeld am besten einbringt. Dafür sind die ersten Wochen da“, so Hartmann.

Nach etwa drei Monaten beginnt laut Doris Brenner dann die Stabilitätsphase. „Jetzt ist es angesagt, sich seinen eigenen Aufgabenbereich zu erarbeiten und in diesem fit zu werden“, rät die Expertin. Was die Arbeitszeiten betrifft, kann sich der Berufsstarter an den Kollegen orientieren. „Es macht keinen Sinn, bei einer Gleitzeitregelung als einziger um sieben Uhr Morgens anzufangen, wenn alle anderen erst um neun kommen“, erklärt Brenner. Auch bei der Kleidungswahl sollten zunächst die anderen unter die Lupe genommen werden. Für den ersten Tag gilt: Anziehen, was man beim Bewerbungsgespräch an den anderen gesehen hat. Und bloß keine Panik, denn wer gut vorbereitet in die Probezeit startet und sich loyal und offen gegenüber anderen verhält, hat beste Chancen, auch danach weiter beschäftigt zu werden.

Tipps für die Probezeit

1. Den ersten Tag nicht überbewerten.
2. Sich nicht über alle Maßen profilieren wollen.
3. Aktiv sein und Bereitschaft zeigen.
4. Gut zuhören und ein Gespür für das neue Umfeld entwickeln.
5. Besserwisserei vermeiden.
6. Den Einstand nicht unter den Tisch fallen lassen.
7. Eventuell ein Logbuch über die Probezeit anlegen.

Weitere Ratschläge gibt Doris Brenner in ihrem Karrierehandbuch „Schön, dass Sie da sind!“ (BW Verlag, 2007, 16,80 Euro).

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