Von Anfang an im neuen Job überzeugen
Erste Hilfe für den ersten Eindruck bei Chef und Kollegen

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Der erste Eindruck ist nicht alles. Doch in der Regel wirkt er länger nach, als uns lieb ist. Was man tun kann, um Chef und Kollegen vom ersten Tag an von sich zu überzeugen, wissen die Karrierecoaches Jürgen Hesse und Nadine Pfeiffer.
„Der Berufseinstieg wird extrem unterschätzt“, warnt Jürgen Hesse, 60, Karrierecoach im Berliner „Büro für Berufsstrategie“. „Überstanden vor fünfzehn Jahren von hundert Jobeinsteigern noch 95 Prozent die Probezeit, überleben heute nur noch etwa 70 Prozent. Jeder Vierte muss gehen.“ Umso wichtiger ist es, bereits in den ersten Arbeitstagen einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Mit den folgenden Expertentipps kein Problem.
1. Kleider machen Kollegen
Ist im Büro Anzug Pflicht, ermuntert die 36-jährige Karriereberaterin Nadine Pfeiffer aus Köln zur Sorgfalt. „Der Stoff muss stimmen: Er sollte möglichst nicht knittern.“ Jürgen Hesse rät Einsteigern, am ersten Tag eine Krawatte zu tragen. „Haben die Kollegen keine, kann man den Knoten immer noch lockern und den Hemdkragen öffnen.“
Eine Krawatte sollte sich, so Pfeiffer, „stimmig einfügen“, die Farbe der Schuhe wiederholen oder als bunter Tupfer kontrastieren. Für Jungingenieure findet sie auch Jeans, Hemd und Sakko „völlig in Ordnung – die Gesamtwirkung muss stimmen, das heißt, professionell und sympathisch sein“.
2. Schnell Kontakte knüpfen
Oberste Regel für den Erstkontakt: „Bitte nicht lästern“, bekräftigt Nadine Pfeiffer. „Gerade am Anfang sollte man sich ein Netzwerk schaffen, und das häufige Senden negativer Botschaften trägt sicher nicht dazu bei, positive neue Kontakte zu knüpfen.“ Karrierecoach Hesse bringt es auf den Punkt: „Alle lieben den Verrat – keiner liebt den Verräter.“ Zudem: Wer andauernd über die alte Firma oder seine alte Position rede, vermittele auch den Eindruck, als sei er noch gar nicht bereit, sich auf das Neue einzulassen, so Pfeiffer.
Wichtig für die ersten Gespräche: „Freundlich und offen auf alle zugehen, aber auch nicht zu offen – nicht zu viele Details aus dem Privatleben erzählen und auch die anderen nicht danach löchern.“ Man sollte einen Mix aus Zugewandtheit und Distanz ausbalancieren und auf jeden Fall mit den anderen in der Pause essen gehen – „sonst wirkt man schnell wie ein Streber oder Einsiedler“, warnt Hesse.
Wichtig ist auch, nicht wegen jeder Kleinigkeit – etwa bei fehlendem Büromaterial – zum Kollegen zu rennen, ergänzt Pfeiffer. „Besser erst eine Liste machen.“
3. Umgang mit dem Chef
Coach Hesse rät Einsteigern, sich aktiv regelmäßige Feedback-Gespräche beim Chef zu erbitten, in denen man nachfragt, wie zufrieden der Boss ist. „Im ersten Monat sollten Berufseinsteiger ein solches Gespräch wöchentlich anstreben, im zweiten Monat vierzehntäglich. Danach reicht es einmal im Monat.“
Gibt der Chef einem mehrere Aufgaben mit ähnlicher Priorität, „sollte man zuerst diejenige zügig und korrekt erledigen, die am schnellsten ein sichtbares Ergebnis liefert“, sagt Nadine Pfeiffer.
4. Grenzen setzen
Grenzen zu setzen, ist schwierig, gesteht Nadine Pfeiffer zu: „Auf der einen Seite will man hilfsbereit sein, auf der anderen Seite muss man aufpassen, sich nicht ausbeuten zu lassen.“ Durch Verteilung „niederer Aufgaben“ werde auch oft getestet, „ob Einsteiger wissen, wofür sie bezahlt werden“, so Jürgen Hesse.
Einmal, sagt Pfeiffer, könne man ruhig eine solche Aufgabe annehmen, „dabei sollte man aber genau nachfragen, wozu die Aufgabe dient, wer ihr Endresultat benötigt“. Durch diese Nachfragerei, „bei der man sich auch ruhig ein bisschen dümmer anstellen darf, als man ist“, ergänzt Coach Hesse, signalisiere man auf elegante Weise die eigentliche Unzuständigkeit und Unzumutbarkeit.
5. Sich positionieren
Wer frisch von der Uni kommt, neigt zu der Botschaft: Ich bin auf dem neuesten Stand der Forschung und weiß alles besser“, sagt Nadine Pfeiffer. „Klüger ist es, sich zwar wissend, aber auch überaus interessiert an den bereits laufenden Projekten zu zeigen.“
Wurde man als junge Führungskraft engagiert, ist souveränes Auftreten wichtig, unterstreicht Pfeiffer: „Langsam sprechen, langsam gehen, den Mitarbeitern in die Augen schauen, bei einem Angriff nicht zurückschießen, sondern erst nachdenken und den Angreifer dann für ein Zweiergespräch beiseite nehmen, damit er nicht vor den anderen sein Gesicht verliert.“
6. Einsatz dosieren
Wenn man ganz neu ist im Job, sind Pausen ein unablässiges To Do. Keine Pause zu machen, bewertet Pfeiffer als unklug: „Gerade die Pause lässt sich wunderbar zum Knüpfen zwischenmenschlicher Allianzen nutzen.“ Wichtig ist, den Einsatz insgesamt zu dosieren, so Hesse. „Arbeitet der Einsteiger von Beginn an länger als alle anderen, wirkt das unsouverän, vermittelt den Eindruck, seine Arbeit sei nicht effektiv, nicht effizient, als erfasse er die Dinge nicht schnell genug.“
Generell rät Hesse: „Nicht unter den Ersten sein, die in den Feierabend gehen, sich aber auch nicht als Letzter verabschieden – liegt der Dienstschluss zwischen 17 und 18 Uhr, sollte man nicht bis 19 Uhr bleiben.“









