Über Geld spricht man
Loft-Gespräch: Wie wichtig ist das Gehalt für Berufseinsteiger?

- Foto: Stockbyte
Spannende Aufgaben, nette Kollegen, ab und zu ein Lob vom Chef – das erwarten wir von unserem Traumjob. Wenn’s um eine faire Bezahlung geht, geraten wir hingegen oft ins Stottern oder üben uns in Bescheidenheit. Im Berliner careerloft haben wir mit vier Berufseinsteigern über die Bedeutung des Gehalts und das richtige Auftreten in Lohnverhandlungen diskutiert.
"Etwas Mut und gute Argumente"
"Klar, über Geld zu sprechen, fällt auch mir nicht immer leicht, aber da muss man sich einfach überwinden. Ohne Geld kann schließlich keiner von uns leben. Selbst wenn es für einige bei Berufswahl und Jobsuche erst einmal zweitrangig ist – vergessen sollte man das Thema nicht! Wieviel jemand letztendlich verdient, ist natürlich abhängig von verschiedenen Faktoren wie zum Beispiel der Branche. Um sich da selbst einordnen zu können, ist Transparenz sehr wichtig. Mir hat es bisher immer geholfen, mit Freunden und Kollegen offen über die Gehaltsfrage zu sprechen. Auch ein Blick ins Internet kann sehr hilfreich sein. Man braucht nämlich nicht nur Mut, sondern auch gute Argumente. Nur wer seinen eigenen Wert kennt und seine Leistung und Entwicklung selbstbewusst und authentisch darstellen kann, wird seine Gehaltswünsche auch durchsetzen können."
Karla Schönicke, 24, studierte International Business Administration an der Universität Viadrina in Frankfurt/Oder und arbeitet zurzeit als Praktikantin bei einem Start-Up in Berlin.
"Lächeln, bitte!"
"Nach Abbruch meines dualen Studiums bin ich ziemlich kleinlaut und mit viel Understatement auf Jobsuche gegangen. Natürlich brauchte ich Geld, aber das Thema anzusprechen war mir aufgrund meiner mangelnden Berufserfahrung etwas unangenehm. Das hat sich inzwischen geändert. Durch ein Praktikum bin ich sicherer geworden. Jetzt weiß ich, was ich kann und was meine Arbeit wert ist. Ob’s um einen Job oder ums Geld geht – ich bin auch nicht mehr so nervös. Ich habe mir einfach klargemacht, dass ich nicht der Einzige bin, der in dieser Situation ist. Das hat mir geholfen, gelassen zu bleiben und selbstbewusster aufzutreten. Mein Tipp: Immer lächeln, auch wenn man sich manchmal ein bisschen dazu zwingen muss. Das entspannt unheimlich, man klingt gleich ganz anders und kommt auch anders rüber."
Lucas Thiem, 20, studiert Wirtschaftsingenieurwesen an der TU Berlin.
"Nicht permanent mit anderen vergleichen!"
"Ich glaube, wir machen uns viel zu viele Gedanken, ob und wie man das Thema Geld anspricht. Für Personaler ist es doch völlig normal, über Gehälter zu reden. Sie wollen schließlich wissen, ob jemand gut informiert ist, sich selbst einschätzen kann und selbstbewusst für seine Belange eintritt. Das Gehalt allein ist sicher kein gutes Kriterium für die Berufswahl und man muss sich auch nicht permanent mit anderen vergleichen. Man sollte sich allerdings bewusst machen, dass sich die eigene Leistung auch irgendwie lohnen muss. Wichtig ist, dass man mit einem guten Gefühl in solche Gespräche geht und sich klarmacht, dass die Welt nicht untergeht, wenn es nicht klappt mit dem Job oder der Gehaltserhöhung."
Tim Fahrendorff, 23, studierte Kulturmanagement an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen, lebt und arbeitet zurzeit als Praktikant im careerloft.
"Geld ist schon wichtig"
"Geld ist natürlich nicht alles, aber für mich ist es schon ein wichtiges Kriterium bei der Jobsuche. Man muss ja von irgendwas leben können und ich finde, jeder, der Verantwortung für etwas übernimmt, hat auch ein Anrecht auf faire Bezahlung. Im Gehalt spiegelt sich außerdem die Wertschätzung eines Mitarbeiters wider – ob man das nun gut findet oder nicht. Um meinen eigenen Wert für ein Unternehmen beurteilen zu können, halte ich regelmäßiges Feedback für extrem wichtig. Das sollte man auf jeden Fall einfordern und nutzen, um sich weiterzuentwickeln. Fest steht: Man bleibt ja nicht immer Anfänger und deshalb sollte man auch den Mut haben, das Geldthema beizeiten – zum Beispiel nach einem erfolgreich abgeschlossenen Projekt – anzusprechen und neu zu verhandeln."
Tonia Schneider, 22, studierte Betriebswirtschaftslehrean der WHU in Vallendar, arbeitetevon Mai bis Oktober im careerloft in Berlin.

- Tim Fahrendorff (oben re.), Tonia Schneider (re.), Lucas Thiem und Karla Schönicke | Foto: Ingolf Hatz
Careerloft
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Die Gründungspartner sind Audi, Bertelsmann, The Boston Consulting Group, Commerzbank, die Deutsche Telekom, Ernst &Young, Hogan Lovells, Merck, die Metro Group und SAP. Neues Partnerunternehmen ist BASF. careerloft hat seinen Hauptsitz in einem Loft in Berlin und verzeichnet bereits 6.900 Mitglieder, 1.500 davon im Förderprogramm.
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