Berufe im Hubschrauber-Rettungsdienst

Ein Überblick über Weiterbildungen und Einstiegsmöglichkeiten

So actionreich wie in "Medicopter 117" ist der Alltag nicht unbedingt | Foto: RTL / Petro Domenigg

Drei Besatzungsmitglieder, ein hochmoderner Hubschrauber und ein spektakulärer Einsatz – würde es das Team von "Medicopter 117" nicht geben, käme für viele Unfallopfer jede Hilfe zu spät. Zumindest in der RTL-Serie. Und in der Realität?


Der Pilot

  • Aufgaben: Die Anforderungen sind die höchsten in der Hubschrauberfliegerei. Im Luftrettungsdienst muss der Pilot bei nahezu jedem Wetter fliegen können. Auch bei der Wahl des Landeplatzes muss er spontan sein – ob auf der Autobahn oder im Wohngebiet. Zudem ist er für die selbstständige Vor- und Nachbereitung der Flüge zuständig.
  • Voraussetzung: Für eine Bewerbung, etwa beim ADAC, sind eine Lizenz als  Berufshubschrauberführer sowie 1 500 Stunden Flugerfahrung als verantwortlicher Luftfahrzeugführer nötig. Die Lehrgangsdauer an einer Luftfahrtschule umfasst circa ein halbes Jahr. Die Kosten von rund 80.000 Euro muss der Flugschüler selbst tragen. Die meisten Rettungshubschrauber-Piloten haben ihre Ausbildung bei Bundespolizei, Bundeswehr oder Polizei absolviert. Piloten brauchen außerdem ein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis sowie sehr gute mathematische und physikalische Kenntnisse.
  • Jobchancen: Eine Garantie, um in der Rettungsfliegerei einen Job zu bekommen, ist die Ausbildung nicht. Die Stellen sind rar, die Nachfrage gering. Man muss also richtig gut sein und wird bei den internen Eignungstests auf Herz und Nieren geprüft. Beim ADAC zum Beispiel ist das ein vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entwickelter flugpsychologischer Test.

Der Rettungsassistent

  • Aufgaben: Wer als Rettungsassistent auf einem Rettungshubschrauber eingesetzt ist, ist "Mädchen für alles". Er unterstützt vor dem Start, während des Fluges und nach der Landung den Piloten. Seine Hauptaufgaben: Funkverkehr, Navigation, Unterstützung bei Notverfahren, Absicherung und Gefahrenabwehr. Am Einsatzort assistiert er dem Notarzt und unterstützt ihn bei der Patientenversorgung. Während des anschließenden Fluges zur Klinik widmet er sich wieder der Cockpitarbeit.
  • Voraussetzung: Man braucht mindestens drei Jahre Berufserfahrung als Rettungsassistent in der Notfallrettung und die Teilnahme an einem 14-tägigen HEMS-Crew-Member-Lehrgang. Die Ausbildung zum Rettungsassistenten an einer Berufsfachschule dauert zwei Jahre. Die recht neuen, universitären Studiengänge hingegen stoßen bislang auf heftige Kritik durch die Bundesverbände der Notärzte. Diese befürchten offenbar, dass hier eine Entwicklung zum "Notarzt light" gesetzt werden soll.
  • Jobchancen: In Deutschland arbeiten rund 40.000 Rettungsassistenten. An einem durchschnittlichen Werktag gehen bundesweit rund 35.000 Rettungsrufe in den Leitstellen ein – Tendenz steigend. Die Stellen auf den Hubschraubern sind jedoch beschränkt, in der Regel sind es sieben pro Rettungsstation. Wer also zur Crew eines Hubschraubers gehören möchte, muss gut sein und viel Know-how haben.

Der Notarzt

  • Aufgaben: Für den Patienten ist er der primäre Ansprechpartner. Der Notarzt stellt Diagnosen, ordnet die Gabe der Medikamente an, legt ein Zielkrankenhaus fest und koordiniert alle technischen Rettungsmaßnahmen. Er muss schnell Entscheidungen treffen und deshalb sehr routiniert sein. Im Einsatz ist der Notarzt mit der lückenlosen Überwachung des Patientenzustands beschäftigt. Nach der Übergabe im Zielkrankenhaus muss er dann den Großteil der umfangreichen Einsatzdokumentation für den medizinischen Sektor übernehmen.
  • Voraussetzung: Für den verantwortungsvollen Beruf ist ein Medizinstudium (Regelstudienzeit: 12 Semester und 3 Monate) mit anschließender Weiterbildung zum Facharzt (Anästhesist, Unfallchirurg oder Internist) in einer großen Klinik Pflicht. Zusätzlich brauchen angehende Notärzte den Fachkundenachweis Rettungsdienst oder die Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, langjährige intensivmedizinische Berufserfahrung sowie den von der DIVI (Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin) konzipierten Intensivtransportkurs.
  • Jobchancen: Viele Regionen sind dünn besiedelt, etliche Ärzte gingen in den vergangenen Jahren in den Ruhestand, es fehlt an Nachfolgern. Auch Notarztstandorte am Boden wurden aus Personal- und Geldmangel vermehrt geschlossen. Das heißt: mehr Notarzteinsätze für die Luftretter. Die Aussichten, als Notarzt auf dem Hubschrauber tätig zu sein, stehen also gut.

Die Realität

Es gibt nicht immer ein Happy End wie bei "Medicopter 117". Die meisten Rettungshubschrauber-Serien im TV sind durch die vielen Action-Einstellungen wie Explosionen oder Schießereien weit entfernt von der Realität. Und: Bei jedem Hubschraubereinsatz wird ein Rettungswagen mit qualifiziertem Personal parallel alarmiert. In den wenigsten Fällen werden Patienten nämlich mit dem Hubschrauber in eine geeignete Klinik geflogen, sondern im Krankenwagen transportiert.

Trotzdem ist das Luftrettungssystem in Deutschland weltweit einzigartig. Über 70 Stationen stellen heute in der Bundesrepublik eine nahezu flächendeckende Versorgung sicher. Die ADAC Luftrettung, die Deutsche Rettungsflugwacht (DRF) und die Bundespolizei gehören zu den größten Betreibern der "fliegenden Intensivstationen" in Deutschland.

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