Diplomingenieure: Fachidiot war gestern

von Denise Haberger
Diplomingenieure: Fachidiot war gestern

Die Zeiten, als Ingenieure still in ihrem Kämmerlein saßen und einsam vor sich hin üftelten, sind vorbei. Heute gilt auch für sie: Solides Fachwissen und Tüftlerdrang allein reichen nicht, um Karriere zu machen.

Ingenieure müssen sich von dem Gedanken verabschieden, dass sie es im Alleingang durchs Berufsleben schaffen. „Selbst ein spezialisierter Ingenieur muss heutzutage über den Tellerrand schauen, oder er gehört bald zum Auslaufmodell“, erklärt Wolfgang Schmidt, Karrierecoach von SKE SchmidtKommunikationsEntwicklung. Das bestätigt auch Claudia Rasche vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI): „Die moderne Arbeitswelt erfordert Querschnittdenker, die andere Disziplinen und Fachleute einbeziehen. Out ist die Generation, die allein an technischen Lösungen bastelt und sich ausschließlich mit Fachleuten austauscht.“ 

Fachidioten haben deshalb genauso wenig eine Zukunft wie Einzelkämpfer. „Ingenieure haben es heute mit einer enormen Anzahl von Schnittstellen zu tun“, weiß Michael Schanz, Arbeitsmarktexperte beim Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik (VDE). Kommunikative Fähigkeiten gehören darum zu den wichtigsten Eigenschaften, die Ingenieure heute mitbringen müssen. „Die Projekte oder die Aufgaben verlangen, dass ein Ingenieur viel Kontakt zu Lieferanten, Herstellern und Kunden hat“, sagt Alexander Büsing vom privaten Berufszentrum ABIS und erklärt weiter: „Da muss er sich und sein Produkt gut präsentieren.“ 

Lernen von den BWLern

Doch in Sachen Kommunikation gibt es Nachholbedarf. „Ingenieure verkaufen sich selbst oft nicht so gut, wie sie es eigentlich sind“, so Schanz. Betriebswirtschaftlern oder Juristen falle das Marketing in eigener Sache viel leichter. Vor allem die nonverbale Kommunikation wie Gestik, Mimik und Körperhaltung ist laut Schmidt sehr wichtig: „Fakten tragen letztlich weniger zur Glaubwürdigkeit bei als die Art und Weise, wie sie dargestellt werden.“

Berufseinsteiger müssen aber keine Angst haben, dass von ihnen erwartet wird, eine „eierlegende Wollmilchsau“ zu sein, wie vdi-Frau Claudia Rasche es beschreibt. „Jede Tätigkeit fordert individuelle Kenntnisse und Fähigkeiten.“ Jedes Berufsbild setzt andere Fachkenntnisse voraus, das gilt auch für die Soft Skills. Vertriebsingenieure etwa müssen besonders kommunikativ sein. Denn sie sind laut Schanz „DIE Kundenschnittstelle“. Ein Projektingenieur wiederum muss technische Sachverhalte klar und verständlich erklären können. Außerdem sei das Zwischenmenschliche wichtiger Teil seiner Arbeit. Von Forschungsingenieuren wird verlangt, dass sie „tiefstes technisches Wissen haben müssen, um auch komplizierteste Probleme lösen zu können“, sagt Schanz. Gleichzeitig sollen sie innovativ und zielorientiert sein. Konstruktionsingenieure hingegen sollten sich durch Kooperationsbereitschaft und Teamfähigkeit auszeichnen sowie die Kosten im Blick behalten. 

Trotz Soft Skills: Know-how matters!

Wer diese sogenannten „weichen Faktoren“ nicht hat, der muss zur Nachhilfe. „Erlernen kann manmeist alles auch noch im hohen Alter“, sagt Büsing. „Aber ob jemand gerade bei den heute sehr geforderten Soft Skills ein Meister wird, hängt stark ab von seinem Talent und wie viel Zeit er darin investieren möchte.“ 

Bei all der Diskussion über die richtigen Soft Skills müssen Ingenieure aber auch weiterhin mit Fachwissen glänzen. „Im täglichen Umgang mit anderen rücken Soft Skills stärker in den Vordergrund. Doch ohne solides Fachwissen geht es nicht. Schließlich muss das Handwerk auch gelernt sein“, so Rasche. „Gerade für erfolgreiche Ingenieure ist die Ausgewogenheit von Fachwissen und Soft Skills wichtig und absolut notwendig“, bestätigt Karriereberater Büsing. Wer sich jedoch für eine Führungskarriere entscheidet, für den verliert diese Ausgewogenheit im Laufe der Zeit an Bedeutung, sagt Schanz: „Je höher sie in der Führungshierarchie aufsteigen, desto unwichtiger wird technisches Wissen und desto wichtiger werden die Soft Skills.“ 

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