Kreativ werden mit Design Thinking und Visual Thinking

Oder: Kann man Kreativität im Arbeitsalltag lernen?

von Heike Philipp
Kreativ werden mit Design Thinking und Visual Thinking
Foto: Thinkstock

Sich die Welt als Würfel vorstellen, Häuser auf Bäumen bauen ... Einfach mal Probleme und Aufgaben mit innovativen Ideen lösen. Genau das wollen die Ansätze Design Thinking und Visual Thinking: Denkprozesse anders angehen als bisher. Doch wie geht das?

David M. Kelley
David M. Kelley, Mitbegründer der Design- und Innovationsagentur IDEO und Design Thinker [Foto: IDEO]

Entwickelt wurde die Methode des Design Thinking von den Informatikern Terry Winograd, Larry Leifer und David Kelley. Kelley ist Leiter der d.school - dem Hasso Plattner Institute of Design an der Stanford University, das Kurse in Design Thinking gibt. Es geht bei dieser Methode vor allem darum, sich raus aus seinem fachlichen Elfenbeinturm zu begeben und um die Ecke zu denken. Mit Design Thinking ist die Ausarbeitung von kreativen Konzepten um einiges leichter. Dazu setzt sich eine kleine Gruppe aus Informatikern, Biologen, Designern, Germanisten, Psychologen und andere Fachleuten zusammen, um ihr jeweiliges Wissen in den kreativen Prozess einzubringen. Design Thinking macht das Finden von Lösungen für nahezu jedes Problem möglich: Wie muss ein Stadtplan für blinde Menschen aussehen? Wodurch kann die Attraktivität eines Newsletters gesteigert werden? Wie wird ein Schuhladen zum Erlebnisparadies für Männer? Für letzteres könnte ein Psychologe empfehlen, Sportsendungen im Laden zu zeigen, um die technischen Voraussetzungen kümmert sich ein Informatiker, ein Designer macht sich Gedanken zu stilistischen Verbesserungen ... Die verschiedenen Sichtweisen eröffnen neue Möglichkeiten und Ansatzpunkte. Auf diese Weise können die Wünsche des Auftraggebers, die technische Realisierbarkeit und die wirtschaftlich-rechtliche Lage berücksichtigt werden. Zusätzlich zu beweglichen Gedanken und kleinen Arbeitsgruppen muss für die Methode Design Thinking ein bestimmter Prozessablauf hinzukommen.

Ablauf des Design Thinking

Fußballsitzsack
Was würden Männer im Schuhladen gerne vorfinden? [Copyright: Thinkstock]

Der erste Schritt ist, das Problem zu erkennen und zu verstehen. Um beim Beispiel des Schuhladens zu bleiben, könnten die dort einkaufenden Männer nach ihrem Einkaufsverhalten befragt werden. Dadurch können die konkreten Bedürfnisse und Erwartungen der Zielgruppe besser eingeschätzt werden. Geht es dem Mann vielleicht nur um zweckmäßiges, schnelles Einkaufen oder will er ausführlich beraten werden, ... Daraufhin können Ideen gesammelt werden, ohne diese direkt zu bewerten. An diesem Punkt darf ruhig herumgesponnen werden: Wie wäre es für die Gemütlichkeit im Laden mit riesigen Sitzsäcken aus Fußballleder?
Wenn möglich, werden zur Veranschaulichung Prototypen gebaut und an der Zielgruppe getestet. Für den Schuhladen könnte mit Tischen und Stühlen eine Ladenszene nachgebaut werden. Durch dieses Vorgehen werden kundentaugliche Produkte und Konzepte entwickelt.

Der Lerneffekt

Innerhalb der Arbeitsgruppe ist es dabei enorm wichtig, sich auf die verschiedenen Leute einzulassen und die Kompetenzen an der richtigen Stelle einzusetzen. Das erfordert am Anfang eine gewisse Eingewöhnungsphase. Wer allerdings Design Thinking erlernt, baut seine Teamfähigkeit aus und gewinnt die Fertigkeit, kreative Lösungen zu finden sowie seine Konzepte eigenständig umzusetzen. In Deutschland bietet das Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam die Ausbildung in kreativer Denkarbeit als Zusatzqualifikation an.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte: Visual Thinking

Auschnitt aus "Auf der Serviette erklärt - Arbeitsbuch"
Ein Zeitstrahl kann helfen, verschiedene Projektteams zu koordinieren. Dann ist klar, wann was gemacht werden soll. [Copyright: Redline Verlag]

Eine andere Denkart verfolgt der Ansatz "Visual Thinking". Alles, was für Visual Thinking benötigt wird, sind Papier und Stift. Durch einfache Zeichnungen werden komplexe Probleme gelöst. Finanzielle Probleme, Alltagsprobleme, politische Probleme - einfach jedes Problem. Auch so ein scheinbar banales Problem, wie die Überschneidung von Meetings. Dazu müssen lediglich sämtliche Einflussfaktoren, die für das Problem verantwortlich sind, ermittelt werden. Woran liegt es zum Beispiel, dass Meetings auf dem gleichen Termin liegen? Vielleicht daran, dass kein Kalender geführt wird. Die Strichzeichnungen helfen wiederum, das Problem zu erkennen und die Lösung anderen zu vermitteln. Denn auf Bildern kann vom Betrachter alles auf einen Blick erfasst werden.

"Um auf echte Durchbruch-Ideen zu kommen, diese intuitiv zu entwickeln und sie dann wirkungsvoll anderen zu präsentieren, brauchen wir Bilder."


Die Zeichnungen setzen sich ausschließlich aus geometrischen Figuren, Linien, Pfeilen und Strichmännchen zusammen. Jeder kann sie also anfertigen. So die Theorie des Autors von "Auf der Serviette erklärt - Arbeitsbuch" Dan Roam. Hilfreiche Anregungen, welche Darstellungen sich für welches Problem eignen, finden sich dort ebenfalls wieder: Für ein Unternehmen kann die Wo-Frage "Welche Marktposition nehmen wir ein?" beispielsweise durch eine (Land)Karte beantwortet werden. In einer Karte kann die relative Position zu anderen Unternehmen am besten angezeigt werden. Ein Flussdiagramm verdeutlicht vor allem Wie-Fragen. Wann-Fragen können durch einen Zeitstrahl dargestellt werden, ... In diesem Praxisbuch kann mithilfe zahlreicher Übungen selbst erprobt werden, wie visuelles Denken funktioniert. 


"Auf der Serviette erklärt - Arbeitsbuch" von Dan Roam

 

Dan Roam
Auf der Serviette erklärt - Arbeitsbuch

Redline Verlag, 2010
432 Seiten
19,90 Euro 

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