Weiterbildung: Allein allein oder in der Gruppe?

von Martin Przegendza

In Deutschland gibt es mehr als 600 000 Weiterbildungsangebote. Manche werden als Fernstudium angeboten, andere als Präsenzkurse. Bei der Wahl der Lernform solltet ihr die Vor- und Nachteile genau abwägen. Wir verraten euch worauf ihr achten müsst.

Seid ihr ein Heimchen oder ein Rudeltier? Könnt ihr euch selbstständig motivieren oder braucht ihr immer den Druck eines Dozenten? Und wie viel Zeit könnt ihr aufbringen? Das sind die zentralen Fragen bei der Wahl der passenden Weiterbildungslehrform.

Aber der Reihe nach. Am Anfang steht die Zeitfrage. Berufstätige können in der Regel nicht an langen Präsenzkursen teilnehmen. Für sie bieten sich primär Fernkurse an. Diese können zeitlich und räumlich flexibel absolviert werden. Lehrer und Lerner treffen sich beim Fernkurs jedoch nur äußerst selten bei Präsenzveranstaltungen.

Die Flexibilität ist dabei gleichzeitig der größte Vor- und Nachteil der Fernkurse. Jeder kann sein Tempo zwar selbst bestimmen und entscheiden, ob und wie viel er pro Tag in die Lehre investieren will. Doch nicht jeder kommt ohne den direkten Druck eines Dozenten, inklusive fester Prüfungstermine aus. Eine gute Entscheidungshilfe bietet hier der kostenlose Selbstbeurteilungsbogen des Bundesinstituts für Berufsbildung. 

Lernsoftware, Online-Kurse und Fernunterricht

Die Weiterbildungsangebote teilen sich grob in drei Bereiche: Lernsoftware auf CD oder DVD, Online-Kurse und Fernunterricht. Die ersten beiden Arten eigenen sich vor allem um Fremdsprachen (Karrieremacher Englisch) und IT Programme wie Outlook und Powerpoint, zu lernen. Die Kurse sind meist in kompakte Kapitel unterteil und technisch ausgereift. Tutoren und Dozenten lassen sich häufig per Mail, Chat oder Online-Forum kontaktieren. Darüber hinaus sind sie in der Regel recht günstig. Die Testsieger des Sonderhefts Karriere 2011 der Stiftung Warentest kosteten zwischen 50 Euro und 150 Euro.

Fernunterrichtskurse sind da wesentlich teurer. So kostet ein Semester an der Fernuni Hagen beispielsweise ab 350 Euro. Die ILS nimmt sogar 2.000 Euro pro Schuljahr. Dafür erhaltet ihr am Ende eurer Lehre eine Bescheinigung über die erlernten Qualifikationen, beziehungsweise einen vollwertigen akademischen Grad. Das geht jedoch mit sehr viel Aufwand und einer hohen zeitlichen Belastung einher. Hier solltet ihr vorab mehrere Anbieter miteinander vergleichen und auf die Finanzen achten. Zu den Studiengebühren kommen schließlich noch Material- und Fahrtkosten, sowie gegebenenfalls Übernachtungskosten bei Präsenzveranstaltungen hinzu. Zudem solltet ihr euch den Kursverlauf genau anschauen. Wie viele Präsenzzeiten muss ich mit meinem Beruf vereinbaren? Bietet die Institution Möglichkeiten für direkten Kontakt zu Dozenten und Mitschülern? Und kann ich mein Studium notfalls verlängern, wenn sich Job und Lehre arg in die Quere kommen?

Gemeinsam sind wir stark

Der Präsenzunterricht bildet das Gegenstück zur Lehre von zuhause aus. Hier steht der direkte Kontakt zu Dozenten und Mitschülern im Vordergrund. Es gibt feste Anwesenheitszeiten, Hausaufgaben und Referate. Fragen können direkt beantwortet und diskutiert werden. Durch Vergleiche entsteht zudem Peer Pressure, also der Druck von außen, der die eigene Leistung steigern kann.

Die Formen des Präsenzunterrichts sind dabei sehr vielfältig und reichen von Wochenend-Workshops, über Seminare (beispielsweise an der VHS) und Vorlesungen, bis hin zu Trainings. Vor allem Workshops und Trainings (die manchmal vom eigenen Arbeitgeber initiiert werden) bieten sich für Berufstätige an. Der Erfolg dieser Kurse steht und fällt jedoch mit dem jeweiligen Dozenten. Nur wenn seine Präsentation und Lehrmethoden überzeugen, ist der Kurs von Erfolg gekrönt.

Weitere Infos zu den Weiterbildungskursen und Datenbanken der über 600 000 Angebote findet ihr hier.

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