My Home is my Office

von Ann-Christin von Kieter
Zu Hause arbeiten

Sofa statt Schreibtisch, Jeans statt Anzug, mitten in der Nacht statt morgens um acht – für viele ist die Arbeit von zu Hause aus eine traumhafte Vorstellung. Zu Recht?

"Alternierende Telearbeit", die tageweise Verlegung des Arbeitsplatzes in die eigenen vier Wände - so könnte im Sinne guter Work-Life-Balance der Schlüssel zum Erfolg tatsächlich lauten. Neben angenehmer Atmosphäre und dem Wegfall des Fahrweges zur Arbeitsstelle ist es doch vor allem die Flexibilität, die das Arbeiten im Homeoffice so interessant macht. Das bestätigt auch Prof. Dr. Wolfgang Hell, Experte im Bereich "Arbeits- und Organisationspsychologie" an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Jeder, so der Professor, könne zu den "von der Tatkraft her günstigsten Zeiten" arbeiten. Dass die bei vielen Menschen nicht unbedingt zwischen neun und fünf liegen, ist für ihn neben der Vereinbarkeit von Familie und Beruf daher auch das Hauptargument für das Homeoffice. "Positiv ist, dass die Leute dann arbeiten, wenn sie sich gut fühlen, und auch, dass sie kürzere Zeiten am Stück arbeiten und somit weniger ermüden."

Vorsicht vor dem inneren Schweinehund

Allerdings lauere genau an dieser Stelle auch die größte Gefahr, so Gudrun Sonnenberg, Autorin des Ratgebers: "Homeoffice. Erfolgreiches Heimspiel dank Zeit- und Selbstmanagement". Ihre Sorge ist, "dass man aufhört zu arbeiten, zu wenig schafft oder zu oft am inneren Schweinehund scheitert." Schließlich sei der Mensch ein Mensch, weshalb er sich auch immer wieder dazu zwingen muss, "Sachen zu machen, die unangenehm sind". Und die Gefahr, sich abzulenken, sei zu Hause natürlich besonders groß: "Man findet immer wieder Aufgaben, die scheinbar einfacher sind und im Moment mehr Spaß machen - selbst wenn es das Staubsaugen ist." Solches in der Fachwelt "Prokrastinieren" genanntes Aufschiebeverhalten ist für Leute mit laxer Arbeitsmoral eine besondere Herausforderung, sonst gewinnt die Freizeit Überhand. Andererseits könne auch der gegenteilige Fall eintreten: Zu viel Schaffensdrang. "Da der Schreibtisch immer da ist, kann man immer wieder nochmal hingehen und dann sitzt man auch schon einmal samstags dort und sonntags auch und macht überhaupt keine Pause mehr. Das rächt sich dann irgendwann, indem die geistige Energie flöten geht", sagt Gudrun Sonnenberg.

Was zählt, sind die Ergebnisse

Trotz allem findet Prof. Dr. Wolfgang Hell, sollten Firmen ruhig öfter die Möglichkeit bieten, von zu Hause aus zu arbeiten. Zwei Unternehmen, die das bereits machen, sind Henkel und Philips. Markus Dinslacken, Corporate Director Human Resources bei Henkel, zu den Gründen: "Wir gewähren unseren Mitarbeitern ein hohes Maß an Freiheit bei der Organisation ihrer Arbeit, zum Beispiel durch flexible Arbeitszeitmodelle wie Vertrauensarbeitszeit, Gleitzeit, Teilzeit oder Homeoffice. Letztlich zählt das Ergebnis - so treten Ort und Zeit immer stärker in den Hintergrund." Ganz ähnlich sieht das auch Wilke Schütte, Head of Talent Acquisition bei Philips: "Unsere Mitarbeiter bekommen vom ersten Tag an viel Verantwortung und Freiräume. Bei uns zählt nicht, dass man bestimmte Arbeitszeiten fix einhält, wichtig ist, gute Ergebnisse zu erzielen. Wir stellen uns auf die Bedürfnisse unserer Mitarbeiter ein, daher können auch Berufseinsteiger von zu Hause arbeiten. Auch wenn dies eher die Ausnahme als der Normalfall ist."

 


Der ideale Heimarbeiter

– ist ein selbstständiger Mensch, der nicht die ganze Zeit auf Anweisungen angewiesen ist oder seine Ergebnisse ständig rückkoppeln möchte

– hat Organisationstalent und ist in der Lage, sich die Arbeit selbst einzuteilen und den Tag sinnvoll zu strukturieren

– kann sich auch mal Pausen verordnen und ohne schlechtes Gewissen genießen


Zehn Tipps, für die Leute, die ins Homeoffice wollen

1. Vernetzen: Der Kontakt zu Kollegen ist besonders wichtig, wenn man neu im Unternehmen ist.

2. Kommunikation nach außen: Das Umfeld muss wissen, dass man auch arbeitet und deswegen nicht ständig erreichbar ist oder den ganzen Haushalt schmeißen kann.

3. Pausen verordnen: Im Büro sorgen die Kollegen auch dafür, dass man in die Kantine geht. Und: Eine ordentliche Mahlzeit ist besser als ständiges Snacken.

4. Gute Planung: Dran zu denken, benötigtes Material aus dem Büro mitzunehmen und Aufgaben zu strukturieren, erspart unproduktive Phasen.

5. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: To-do-Listen abzuhaken sorgt für einen Motivationsschub.

6. Arbeitsplatz: Ein eigener Raum muss nicht unbedingt sein, ein fester Platz schon. Und: Es sollte ein schöner Ort sein, nicht der düstere Keller.

7. Ausstattung: Ein separates Telefon ist Pflicht, das beugt privaten Ablenkungen vor und wirkt professioneller.

8. Kleidung: Wenn man merkt, dass man im Pyjama schneller „lümmelt“, lieber vernünftig anziehen. Ansonsten ist erlaubt, was bequem ist.

9. Sich Zeit nehmen: Nicht nach einer Woche schon wieder aufgeben. An jeder neuen Arbeitsstelle braucht man eine gewisse Zeit, um sich auf alles einzustellen.

10. Ehrlich bleiben: Falls die Heimarbeit doch eher zur Qual wird, sollte sich das ruhig eingestehen und lieber wieder dauerhaft ins Büro ziehen.

Weitere Geschichten rund um die Heimarbeit auf Gudrun Sonnenbergs Blog:


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