Neurodermitis – Die Haut als Spiegel der Seele
Die Haut ist unser größtes Organ – und äußerst sensibel. Menschen mit Neurodermitis können ein Lied davon singen. Sie leben in einem Teufelskreis aus Jucken und Kratzen.
„Die Haut ist das Spiegelbild der Seele“, sagt Hautarzt Dr. Victor Kirschmann. „An ihrem Zustand kann man gut erkennen, wie es im Inneren des Menschen aussieht“. Der Facharzt für Dermatologie, Venerologie und Allergologie aus Essen weiß wovon er spricht. Die über vier Millionen Neurodermitis-Geplagten werden ihm zustimmen.
Neurodermitis, auch atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis genannt, ist eine chronische, vererbte, nicht heilbare Hautkrankheit. Sie verläuft in Schüben und zeigt sich in trockener, schuppiger Haut, die sich oft entzündet und nässende Ekzeme bildet. Armbeugen, Kniekehlen und Handrücken sind die typischen Stellen dafür. Die Rötungen jucken stark, so dass Betroffene die Haut häufig bis aufs Blut aufkratzen. Im Extremfall ist der ganze Körper, inklusive des Gesichts, befallen.
Auf einen akuten Schub kann eine jahrelange Beschwerdefreiheit folgen. „Neurodermitis zählt zu den psychosomatischen Erkrankungen. Wie bei der Migräne können äußere Faktoren, wie beispielsweise Stress, einen neuen Ausbruch verursachen“, sagt Dr. Kirschmann. „Während Person A in Stresssituationen Migräne oder Bluthochdruck bekommen, leidet Person B am atopischen Ekzem.“
Die richtige Behandlung
Da die Schutzfunktion der Haut gestört ist, verliert sie viel mehr Feuchtigkeit als gesunde Haut. Allergene, wie Pollen, Tierhaare oder der Kot von Hausstaubmilben, können viel leichter in die Haut eindringen, was den Juckreiz hervorruft. Durch das Kratzen wird die Haut noch weiter gereizt. Die Folge: ein noch größerer Juckreiz.
Daher sollten Betroffene immer darauf achten, dass ihre Haut gut gefettet ist. Melkfett oder Ringelblumencreme sollten ihre ständigen Begleiter sein. Bei einem stärkeren Schub ist der Gang zum Hautarzt aber unumgänglich. Der Überprüft den Schweregrad und leitet die weitere Behandlung ein.
Laut Dr. Kirschmann sieht die Standardbehandlung die Vergabe von Kortison-Creme vor. Die wirkt entzündungshemmend und sorgt schnell für Linderung. Bei besonders schweren Schüben können zudem Anti-Allergika verabreicht werden, die die körpereigene Abwehrreaktion des Immunsystems unterdrücken. Eine UV-Lichttherapie sorgt für zusätzliche Erleichterung.
Risiken der Behandlung
Die dauerhafte Vergabe von Kortison-Cremes birgt jedoch Risiken. Sie verspricht eine kurzfristige Linderung der Beschwerden, sorgt jedoch langfristig für die Verdünnung der Haut. Bei Heranwachsenden kann Kortison zudem zu Wachstumsstörungen führen. Betroffene sollten daran denken, dass die juckenden Ekzeme Symptome, nicht Ursache der Krankheit sind. Wenn trotz häufigem Eincremen und Lichttherapie keine Besserung eintritt, solltet ihr euch auf Lebensmittelunverträglichkeiten testen lassen. Denn auch die können Neurodermitis auslösen.
Das Märchen von der Wundersalbe
Regividerm, die rosa Wundersalbe, ging vor gut einem Jahr durch die Medien. Das teure Produkt war aber mehr Schein als sein. Dr. Kirschmann sagt dazu: „Regividerm ist eine Pflegecreme aus Vitamin B12 und Avocadoöl, kein Medikament. Das einzig Besondere an ihr ist, dass sie teurer als vergleichbare Pflegeprodukte ist.“
Weitere Tipps und Hilfestellungen findet ihr im Neurodermitisportal und beim Bundesverband Neurodermitiskranker in Deutschland.










