Powerpause: Zwei für mehr Wohlbefinden

- Christian Klein und Jascha Telaar sind die Begründer von Powerpause.
Die Sportstudenten Christian Klein und Jascha Telaar der Ruhr-Universität Bochum haben sich mit ihrem Konzept "Powerpause" selbstständig gemacht und verhelfen nun gestressten Arbeitnehmern zu mehr Wohlbefinden. Wie das funktioniert, dass verrät Jascha Telaar im Gespräch mit UNICUM.
Wie sieht eine typische Powerpause aus?
Eine typische Powerpause dauert dreißig Minuten. Die Powerpause richtet sich nach den Trainingszielen, je nachdem ob man lieber seine Ausdauer oder seine Kraft steigern möchte. Wir müssen uns im Vorfeld überlegen, wie wir diesen Schwerpunkt am besten umsetzen können. Wenn wir beispielsweise eine Ausdauereinheit trainieren, dann gehen wir bei schönem Wetter an die frische Luft. Wenn das Wetter nicht mitspielt, treffen wir uns in der Firma und machen Ausdauertraining im Treppenhaus. Es hängt also sowohl vom Trainingsziel als auch von den Umweltbedingungen ab, wie wir das Programm gestalten.
Wie ist die Idee entstanden, den Arbeitsplatz in ein Fitnessstudio zu verwandeln?
In unserem Masterstudiengang ist vorgesehen, dass wir ein Praktikum absolvieren. Dieses Praktikum haben Christian Klein und ich in einem Unternehmen absolviert. So ist die Idee entstanden, die Powerpause zu entwickeln.
Euer Pilotprojekt ist in einem Bochumer Unternehmen gestartet. Wie haben die Angestellten auf euch reagiert?
Die Angestellten wurden via E-Mail informiert, dass bald ein Programm zur Gesundheitsförderung statt findet. Die Teilnehmer konnten sich dann freiwillig anmelden. Wir haben eine Mindesteilnehmerzahl von zwanzig Personen gefordert, die wir schließlich auch zusammen hatten. Es gab zunächst eine Infoveranstaltung, in der wir erklärt haben, was die Teilnehmer erwartet. Eine Woche später ging es dann los. Die Teilnehmer tauschten dann Hemd gegen T-Shirt. Zunächst waren alle noch ein wenig verunsichert, weil sie nicht wussten, was sie erwartet. Wir haben dann mit Kennenlernspielen begonnen, um die Stimmung zu lockern und die Hemmschwelle herabzusetzen. Desto länger die Powerpause statt fand, desto vertrauter waren die Teilnehmer miteinander. Es hat wirklich sehr gut funktioniert.
Die Powerpause hatte also auch einen gruppendynamischen Effekt.
Das Wohlbefinden hat sich eindeutig verbessert, dies belegen zumindest unsere Tests. Natürlich gibt es auch Effekte, die man nicht unbedingt messen kann, wie die Gruppendynamik, positive Auswirkungen auf das Betriebsklima oder der Imagegewinn für das Unternehmen. Das sind positive Nebeneffekte, für die wir allerdings keine Daten erheben können.
Wie motiviert ihr eure Teilnehmer?
Wir haben jahrelang Sport studiert und selbst aktiv Sport gemacht. Mit der Zeit entwickelt sich ein Gefühl dafür, wo man die Teilnehmer abholen muss. Wir können die Teilnehmer im Hinblick Leistungsfähigkeit und Charakter einschätzen. Sind sie eher offenen oder verschlossener? Wir sind als Übungsleiter gefragt das einzuordnen und auf der Basis ein Programm zu entwickeln. Bei gruppendynamischen Spielen stellt sich automatisch ein Wir-Gefühl ein. Um das einmal anschaulicher zu erklären: Am Anfang mussten die Teilnehmer die Augen schließen und sich dann der Größe nach in eine Reihe aufstellen. So kommen die Teilnehmer miteinander ins Gespräch und das fördert die Gruppendynamik und die Motivation. Und die Teilnehmer haben Spaß.
Wo finden die Powerpausen statt?
Für die Durchführung der Powerpausen ist es enorm wichtig, dass keine längeren Anfahrtswege entstehen. Es macht keinen Sinn ins nahe gelegene Fitnessstudio zu fahren, weil man dabei einfach viel zu viel Zeit verlieren würde. Deshalb haben wir ein Konzept entwickelt, mit dem zeitnah eine Powerpause durchgeführt werden kann. Dass heißt, wir treffen uns irgendwo im Bürogebäude, in Konferenzräumen, im Treppenhaus in großen Fluren oder draußen auf einer freien grünen Wiese oder im Wald. Auf jeden Fall im oder möglichst nahe am Unternehmen.
Ihr habt eure Trainingsgruppe mit einer Kontrollgruppe verglichen, die nicht am Training teilgenommen hat. Welche Faktoren habt ihr untersucht?
Wir haben die Kontrollgruppe dafür genutzt, um den Unterschied zwischen dem Wohlbefinden der Teilnehmer der Powerpause und jenen, die nicht an der Powerpause teilgenommen zu haben, zu messen.
Wie sehen die Ergebnisse aus?
Wir haben die Powerpause an drei Tagen in der Woche durchgeführt. Selbst da konnten wir signifikante Unterschiede im Wohlbefinden feststellen. An den Tagen, an denen keine Powerpause statt gefunden hat, war das Wohlbefinden niedriger als an Tagen mit Powerpause. Bei den Teilnehmern der Powerpause war das Wohlbefinden durch die Bank höher als bei jenen ohne.
Und wie sah das Feedback von den Angestellten aus?
Das Training lief drei Monate. Nach sechs Wochen haben wir einen Evaluationsbogen rausgegeben. Fragen waren beispielsweise, wie die Teilnehmer unsere Kompetenz einschätzen, was ihnen sehr gut oder was ihnen weniger gut gefällt oder wie sie die Übungen finden. Wir wollten überprüfen, was wir noch verbessern können. Die Bewertung erfolgte über Schulnoten. Wir konnten ein sehr gutes Ergebnis erzielen. Das war für uns die Bestätigung, dass wir nicht vieles falsch gemacht haben. Die kleinen Verbesserungsvorschläge haben wir umgesetzt.
Mit eurem Projekt habt ihr euch selbstständig gemacht. Mit eurer Powerpause wendet ihr euch an Unternehmen und stellt ihnen ein Konzept vor. Wie könnte eines aussehen?
Es ist ganz entscheidend, was die Mitarbeiter im Unternehmen machen. Es ist ein großer Unterschied, ob jemand den ganzen Tag am Fließband steht oder auf einem Bürostuhl sitzt. Je nachdem wird die Muskulatur mehr oder eben weniger beansprucht. Außerdem ist es entscheidend, wie man die Powerpause am besten einbinden kann. Gibt es eine lange Mittagspause, haben die Arbeitnehmer Gleitzeit oder müssen nicht alle gleichzeitig arbeiten? Wichtig ist schon, dass wir eine Gruppe zusammen bekommen.
Wie wird euer Konzept von den Kunden angenommen? Ist das euer einziges Standbein oder macht ihr das eher nebenberuflich?
Wir haben natürlich vor, uns mit der Powerpause ein Standbein aufzubauen. Christian Klein und ich wollen gerne in der Gesundheitsförderung bleiben, allerdings spielen hier auch andere Faktoren eine Rolle, beispielsweise die richtige Ernährung. Da wäre es natürlich auch ratsam, sich neben der körperlichen Betätigung gesund zu ernähren. Momentan stecken wir allerdings noch mitten in unserem Masterstudiengang. Die Ruhr Universität Bochum startet allerdings bald ein Projekt in Verbindung mit der Powerpause. Momentan können wir zwar noch nicht davon leben, weil wir - wie gesagt- noch studieren, aber wir haben einmal vor davon leben zu können.
Zum Schluss: Habt ihr vielleicht einige Tipps für uns, wie man am Arbeitsplatz fit bleibt?
Im Grunde genommen kann jeder am Arbeitsplatz fit bleiben, es macht nur keiner. Es ist kein Problem sich Übungen aus dem Internet rauszusuchen, das größere Problem ist allerdings den inneren Schweinehund zu überwinden. Dafür kommen wir in die Unternehmen, nämlich um eine Gruppe zusammenzustellen und einen festen Termin zu etablieren. Ich könnte jetzt einen prima Trainingsplan mit einem Stuhl entwickeln, allerdings ist es eine andere Frage, ob den jeder einhalten würde. Generell kann man Treppen laufen anstatt den Fahrstuhl zu benuten oder sein alltägliches Büromaterial nicht direkt am Schreibtisch zu positionieren, sondern an eine Stelle, an der man sich die Utensilien erst holen muss. So läuft man schnell einige Meter mehr am Tag. Sinnvoll wäre auch ein Wechsel der Sitzposition. Allerdings macht man viele der Übungen eher unregelmäßig, deshalb die Powerpause ins Haus holen!
Weitere Infos gibt´s unter: http://www.powerpause.de/











