Jobsuche mit Xing und Co.
Gute Kontakte sind ein wichtiger Karrierebaustein, gerade für Wirtschaftswissenschaftler. Soziale Netzwerke im Internet können deshalb bei der Jobsuche genauso hilfreich sein wie eine gute Bewerbung. Wir verraten, worauf es beim Online-Netzwerken ankommt.
Jobs sucht man heute zuerst im Internet. Onlinebörsen boomen, und selbst die Bewerbung wird oft nur noch per Mail verschickt oder auf der Unternehmenshomepage in ein fertiges Formular eingestellt. Karriere goes online. Auch deshalb gewinnen soziale Netzwerke für die Jobsuche an Bedeutung. Laut Eigenauskunft ist Xing in Deutschland derzeit die wichtigste Business-Community, LinkedIn ist jedoch auf dem Vormarsch. „Soziale Netzwerke bieten Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme, die es vor fünf Jahren noch nicht gegeben hat. Es ist eine gute Ergänzung“, sagt Christian Schmid-Egger, Kommunikationstrainer aus Berlin.
Gerade für Absolventen sind erste Kontakte wichtig. Denn viele Stellen werden gar nicht erst ausgeschrieben. „Ein Großteil der Jobs, auch bei Berufseinsteigern, geht über Beziehungen weg“, weiß Schmid-Egger. Wer jemanden kennt, der jemanden kennt, der hat einen entscheidenden Zeitvorsprung gegenüber vielen anderen Mitbewerbern. Deshalb gehören soziale Netzwerke mittlerweile zur Bewerbungsstrategie dazu. Auch die Personaler haben Xing und Co. für sich entdeckt. Denn dort fällt es leicht, mögliche Mitarbeiter zu entdecken und kennenzulernen. Aber gibt es das wirklich: das Jobangebot via Netzwerk? Für den Hamburger Networking-Experten und XING-Trainer Joachim Rumohr handelt es sich teilweise um ein Gerücht: „Es gibt in einigen Bereichen steigenden Fachkräftemangel und diese Fachkräfte werden natürlich von Headhuntern gesucht. Wenn ich aber in einer Branche unterwegs bin, die nicht so gefragt ist, dann ist das Jobangebot via Netzwerk sicherlich ein Mythos. Letztendlich hängt der Erfolg von meiner Ausbildung und von meinem Exposé ab.“ Und Schmid-Egger ergänzt: „Bei Berufsanfängern kommt es eher selten vor, dass sich Personaler aufgrund des Profils melden. Bei Menschen, die erfolgreich im Job stehen, hat sich herum gesprochen, dass Headhunter so auf einen aufmerksam werden.“ Dennoch raten beide Experten, Business-Communities für sich zu nutzen. „Xing ist für Absolventen eine einzige große Initiativbewerbung“, sagt Rumohr.
Und deshalb muss ein Profil auch wie eine Bewerbung gestaltet werden: Klar strukturiert, auf den Punkt gebracht, wahrheitsgemäß und vor allem soll es gute Eigen-PR sein. „Ich vergleiche das immer mit einem Ladengeschäft: Wenn ich Karriere machen will, muss ich mich selbst verkaufen. Das einzige Produkt in meinem Laden bin ich selbst als möglicher Mitarbeiter“, erklärt Rumohr. Für manche ist das laut Schmid-Egger jedoch leichter als für andere: „Absolventen aus BWL und Marketing haben erfahrungsgemäß ein besseres Händchen, sich darzustellen als zum Beispiel Ingenieure oder Informatiker.“
Für Joachim Rumohr ist gekonntes Selbstmarketing keine große Kunst, lediglich ein paar Regeln seien notwendig. Grundsätzlich gilt: „Sie müssen aktiv werden. Nur ein Profil anlegen und ein, zwei Sachen reinschreiben und dann abwarten, dass was passiert, wird sicherlich bei den meisten nicht funktionieren.“ 90 - 95 Prozent aller Xing-Profile seien laut Rumohrs Schätzung schlecht: entweder falsch oder nicht vollständig ausgefüllt. Deshalb rät der Experte, sich besondere Mühe zu geben. Nur durch einen aussagekräftigen Lebenslauf könne man Personaler auf sich aufmerksam machen. Bei Absolventen sind dabei Angaben zur Hochschulbildung Pflicht, auf Ausführungen zur früheren Schulbildung sollte man allerdings verzichten. Ebenso gehören Praktika ins Profil, bei mehreren sollten diese thematisch zusammengefasst werden. Doch: „Wie bei Bewerbungen sind auch im Profil Lücken im Lebenslauf absolute Todsünden“, so Rumohr. Bei der Jobsuche sind aber nicht nur die Profile in Business-Communities wichtig. Auch soziale Netzwerke wie Facebook und studivz dürfen nicht vernachlässigt werden. „Säubern Sie alle Ihre Profile vor der Jobsuche“, rät Christian Schmid-Egger. Partyfotos müssen raus, ebenso wie Angaben, die nicht mit der Bewerbung übereinstimmen. Wer im Netz mit seiner Rucksacktour durch Australien angibt, sollte das im Lebenslauf nicht als Praktikum verkaufen. Denn viele Personaler überprüfen die Profile der Bewerber und sortieren sie bei Ungereimtheiten gnadenlos aus.
Folgende Tipps für Xing & Co. gibt der Profi:
- Das Bild
„Beim Foto ist mindestens die gleiche Qualität wie beim Bewerbungsfoto Pflicht. Darauf guckt man zuerst, deshalb muss es einfach professionell sein.“
- Der Firmenname
„Neben dem Foto und Namen das erste, was man bei der Suche sieht. Der Firmenname ist im Grunde die Schaufensterbeschriftung: Wenn da nichts steht, weiß ich auf der anderen Straßenseite nicht, was mich erwartet und gehe erst gar nicht rüber. Bin ich ohne Arbeitgeber, kommt hier einfach die Berufsbezeichnung hin.“
- Persönliches
„Im Bereich der Privatsphäre sollte man nur Dinge in sein Profil schreiben, die man einem wildfremden Menschen auf der Straße auch erzählen würde. Politische oder religiöse Einstellungen gehören in der Regel überhaupt nicht rein.“
- Ich biete
„Hier sollten Sie in ganzen Sätzen formulieren. Die Information kommt dadurch besser rüber. Und formulieren Sie nicht zu lang, lieber nur drei, vier Zeilen. Dieser Text sollte so ansprechend sein, dass die Leute denken: Das klingt spannend, da klick ich weiter.“
- Referenzen
„Aktivieren Sie das Gästebuch und die Referenzfunktion und bitten Sie ehemalige Kollegen und Arbeitgeber um Einträge. Das halte ich für wahnsinnig wertvoll. Holen Sie sich auch unbedingt Feedback bei Mitgliedern, die sich Ihr gesamtes Profil angesehen haben.“
- Gestaltung
„Arbeiten Sie mit Überschriften, Formatierung, Bildern oder Farbe und zeigen Sie nicht nur einfach eine Bleiwüste. Beschäftigen Sie sich notfalls auch mit HTML, um die Seite ansprechend zu gestalten.“
Joachim Rumohr ist einer der bekanntesten Networking-Experten in Deutschland. Als offizieller XING-Trainer gibt er Usern in Seminaren und Workshops Tipps und Tricks zur effektiven Nutzung der Online-Plattform. XING selbst gehört mit mehr als 3,7 Millionen Mitgliedern aus dem deutschsprachigen Raum zu den größten und bedeutendsten sozialen Netzwerken und wird besonders stark von Einsteigern und Professionals aus Medien-, IT- und Finanzbranche genutzt. Rund ein Drittel der XING-Mitglieder sind Aussagen des Unternehmens zufolge zwischen 18 und 30 Jahren.










