Vom Trainee zum Topmanager

Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, verrät wie das geht.

von Martina Fromme
Franz Fehrenbach, Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung
Foto: Bosch

Erst Trainee, jetzt Boss: Franz Fehrenbach hat geschafft, wovon viele Berufseinsteiger träumen. Im Interview verrät der Vorsitzende der Bosch-Geschäftsführung, wie.

Herr Fehrenbach, Sie haben Ihre Karriere bei Bosch 1975 als Trainee begonnen. Warum haben Sie sich damals beworben und nicht anderswo den Direkteinstieg gesucht?

Das Traineeprogramm, heute heißt es bei uns Junior Managers Program (JMP), habe ich dem Direkteinstieg vorgezogen, weil es mir schon früh konkrete Werkzeuge an die Hand gab, um Führungskraft zu werden. Dazu gehören Seminarangebote zur Mitarbeiterentwicklung, Mentoren auf Leitungsebene und Auslandsaufenthalte. Auch die Vermittlung von Werten wie Zukunfts- und Ertragsorientierung, Vielfalt, Zuverlässigkeit und Legalität zählt dazu.

Erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Tage im Unternehmen?

Ich habe mich bewusst für Bosch als Arbeitgeber entschieden, da mich schon damals die besondere Unternehmensverfassung ansprach. Als junger Mensch war ich Konzernen gegenüber eher kritisch eingestellt. Bei Bosch habe ich mich jedoch schon nach wenigen Tagen voll mit dem Unternehmen identifiziert. Überzeugt haben mich vornehmlich die Innovationskraft, die praktizierte Gewinnverwendung und der ausgeprägte Fokus auf die Zukunftssicherung.

"An sich selbst und an die Idee Glauben"

Vom Trainee zum Topmanager – das schafft nicht jeder. Wie haben Sie es geschafft?

Mit Fleiß, Eigeninitiative und dem steten Blick über den Tellerrand hinaus. Das sind generell wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Berufslaufbahn, meine ich. Und natürlich gehört auch eine Portion Glück dazu. Konkret empfehle ich allen Mitarbeitern, trotz aller Alltagshektik immer möglichst ruhig und rational zu handeln. Wer eine vielversprechende Idee hat: Nie den Mut verlieren, stets an sich selbst und die Idee glauben. Erfahrungen, positive und negative, aufnehmen, sich beraten lassen, Fehler eingestehen und dann korrigieren – damit kommt man am weitesten.

Sie sind nicht der einzige Ex-Trainee an der Bosch-Spitze. Auch Christoph Kübel, Stefan Asenkerschbaumer, Uwe Raschke und Wolf-Henning Scheider haben ihre Karriere als Trainees begonnen. Eine Frau sucht man in Ihrer Geschäftsführung allerdings vergeblich…

Das stimmt. Wir wollen daher den Anteil von Frauen in Führungspositionen erhöhen und widmen uns dieser nicht ganz leichten Aufgabe seit Jahren mit einer Reihe konkreter Maßnahmen. Dazu zählt etwa ein unternehmensweites Projekt zum Testen von flexiblen Arbeitszeitmodellen unter 160 Führungskräften. In vielen Regionen und Geschäftsbereichen sind wir damit bereits sehr erfolgreich. In skandinavischen oder asiatischen Ländern liegt der Anteil von weiblichen Führungskräften bereits bei über 20 Prozent, im Geschäftsbereich Solar Energy bei 24 Prozent. Diese Entwicklung wollen wir in den kommenden Jahren gerne auf das gesamte Unternehmen übertragen.

Zu Ihrer Zeit waren Traineeprogramme noch etwas Besonderes, heute gibt es sie bei allen größeren Unternehmen und in den unterschiedlichsten Ausprägungen. Woran erkennt man ein gutes Einstiegsprogramm?

Es sollte international aufgestellt sein, Eigenverantwortung fordern und fördern und den Teilnehmern von Anfang an einen unbefristeten Arbeitsvertrag bieten. Wenn es dann auch noch wie bei Bosch attraktiv vergütet ist, dann passt eigentlich alles.

„Bei uns erhalten Bachelor- und Master- Absolventen eine Chance.“

Sie waren bei Ihrem Einstieg 26 und hatten fast sieben Jahre studiert, um sich Diplom- Wirtschaftsingenieur nennen zu dürfen. Bachelor-Absolventen werden heute mit Anfang zwanzig nach nur drei Jahren Uni auf den Arbeitsmarkt entlassen. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung?

Für Bosch kann ich sagen: Bei uns erhalten Bachelor- und Master-Absolventen ihre Chance. Natürlich fehlt den jungen Menschen stellenweise noch etwas Reife, Erfahrung und Tiefenwissen. Aber all das erwerben sie dann eben bei uns. Wir fördern übrigens nicht nur unsere Nachwuchsführungskräfte, sondern auch alle anderen. Ein Mitarbeiter mit abgeschlossener Ausbildung kann ein Bachelor-Studium beginnen und ein Bachelor kann – etwa über unser PreMaster-Programm – im weiteren Verlauf einen Master-Abschluss erwerben.

„Im Austausch mit unseren Trainees lerne ich selbst auch immer wieder dazu.“

Haben Sie als ehemaliger Trainee eigentlich ein besonderes Verhältnis zu den Trainees im Haus?

Ja. Ich rede regelmäßig mit unseren Trainees, beispielsweise bei Standortveranstaltungen oder in Workshops. Erst im vergangenen November, anlässlich des 125-jährigen Gründungstags des Unternehmens, haben wir auf einer Veranstaltung in Stuttgart über „Gründung und Gründungskultur“ diskutiert. Dort waren neben Trainees und mir unter anderem auch Mitglieder des Aufsichtsrats, der Geschäftsführung, der Arbeitnehmervertretung und Wissenschaft dabei. Mir macht das sehr viel Spaß, denn durch diesen Austausch lerne ich selbst auch immer wieder dazu.

Wie sehen denn die Einstellungschancen für Absolventen bei Bosch aktuell aus?

2012 suchen wir weltweit mehr als 13 000 Hochschulabsolventen, davon allein 3 000 in Deutschland. Außer dem Junior Managers Program gibt es noch viele weitere Möglichkeiten zum Karrierestart bei Bosch, etwa das erwähnte PreMaster-Programm für Bachelor-Absolventen, unser Graduate Specialist Program für Fachexperten oder auch Praktika im In- und Ausland.


Zur Person

Frank Fehrenbach wurde am 1. Juli 1949 in Kenzingen geboren. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Söhne. Nach dem Abitur studierte Fehrenbach an der Universität Karlsruhe Wirtschaftsingenieurwesen, legte 1975 das Examen zum Diplom-Wirtschaftsingenieur ab und begann im Anschluss seine Karriere bei der Robert Bosch GmbH. An seinem 54. Geburtstag übernahm der ehemalige Trainee den Vorsitz der Geschäftsführung, den er bis heute innehat.

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