Offene Krankenakte im Job?
Was Chefs im Bewerbungsgepräch und Job wissen dürfen
Ob ihr schon mal einen Bandscheibenvorfall oder eine Depression hattet, geht auch in Zeiten des Web 2.0 niemanden etwas an. Oder doch? UNICUM beantwortet, wie privat Gesundheit bei Praktikum, Hiwistelle oder Job wirklich ist und was euer Chef wissen darf.
Was muss ich beim Bewerbungsgespräch angeben?
Jede gesundheitliche Einschränkung, die die Tätigkeit unmöglich macht, sagt die DGB-Arbeitsrechtsexpertin Martina Perreng. Wer in den Semesterferien am Band schwere Sachen heben muss, sollte seine Rückenprobleme nicht verschweigen, wenn die Sprache darauf kommt. Nach einer Schwangerschaft darf übrigens nicht gefragt werden! Und schon gar nicht nach einer geplanten.
Darf ich lügen?
Lügt man bei zulässigen Fragen, dann kann der Arbeitgeber, falls er später davon erfährt, das Arbeitsverhältnis anfechten. Das wäre es dann also mit dem Praktikum gewesen. Auf unzulässige Fragen hingegen darf man lügen!
Wie antworte ich auf unerlaubte Fragen?
„Gibt es in Ihrer Familie Erbkrankheiten?“ Was geht das jemanden an, der mir für drei Monate einen Praktikumsplatz im Controlling geben soll? Man sollte sich auf solche Fragen aber vorbereiten. Der Rechtsanwalt Michael Felser rät, eine Notlüge zu trainieren: „Eine andere Chance haben Sie nicht.“ Denn, wer nicht antworten möchte, führt im schlimmsten Fall herbei, dass der Gegenüber nachbohrt und davon ausgeht, man habe etwas zu verbergen.
Bei welchen Berufen darf nach der Gesundheit gefragt werden?
Bei Berufen wie Arzt, Krankenschwester, Berufskraftfahrer oder Pilot gibt es einen festgelegten Fragenkatalog. Nur die dort festgehaltenen Fragen und Tests sind zulässig. In der Lebensmittelbranche gibt es seit 2010 nur noch eine gesetzlich vorgeschriebene Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz. Wer also ab und zu abends in der Kneipe aushilft, um das Studium zu finanzieren, muss vorher nicht zum Arzt.
Welche Krankheiten muss ich meinem Chef melden?
Hier gilt dasselbe wie beim Bewerbungsgespräch. Eine Ausnahme gebe es nur dann, wenn die Krankheit andere gefährde, sagt Anwalt Felser: zum Beispiel, wenn einem Zugführer wegen Diabetes Ohnmachtsanfälle drohen.
Was darf mein Chef über meine Krankschreibung wissen?
Nur wie lange man ausfällt. Der Chef muss grundsätzlich glauben, dass man arbeitsunfähig ist: Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung genießt hohe Beweiskraft.
Was sage ich, wenn mein Chef fragt, wieso ich eine Woche ausfalle?
Nur das, was man will, rät Martina Perreng. Auch hier muss man natürlich abwiegen, ob es eine nett gemeinte Anteilnahme des Chefs ist oder ein kritisches Überprüfen. Wenn ihr einen partnerschaftlichen Umgang mit eurem Praktikumsbetreuer habt, dann kann man auch schon mal sagen, dass man eine Grippe hatte. Wenn ihr natürlich einen furchtbaren Kater hattet und deshalb nicht zum Ferienjob erscheinen könnt, solltet ihr euch eine bessere Ausrede einfallen lassen.
Darf mein Chef überprüfen, ob ich krank bin?
Wenn es Anhaltspunkte dafür gibt, dass jemand blau macht, darf der Chef Infos, die er durch eine Beobachtung erhält, verwenden. Bei Zweifeln könnte der Arbeitgeber den Medizinischen Dienst der Krankenkassen bitten, die Arbeitsunfähigkeit zu prüfen. Die Voraussetzungen sind eng umrissen und im Sozialgesetzbuch geregelt. Ein Gutachter kann in diesem Fall den Betroffenen untersuchen. Auch dann gibt es aber keine näheren Infos an den Chef - sondern nur die Beurteilung, ob man gesund oder krank ist.
Sind Bluttests erlaubt?
Nein, es sei denn, es handelt sich um die oben genannten Ausnahmeberufe, betont Martina Perreng. Aber sie weiß, dass es schwer ist, „nein“ zu sagen. Denn wenn man den Job oder das Praktikum unbedingt will, lässt man auch einen Bluttest über sich ergehen. Es dürfen nur Dinge eine Rolle spielen, die für den Arbeitsplatz von Bedeutung sind. Ob ein Werksstudent im Büro Bluthochdruck hat, geht den Chef nichts an. Detaillierte Ergebnisse darf der Werksarzt dem Arbeitgeber auf keinen Fall zur Verfügung stellen.
Was ist mit Drogentests?
Drogentests dürfen nicht auf Verdacht vorgenommen werden. Erlaubt sind sie nur „wenn bei vernünftiger, lebensnaher Einschätzung eine ernsthafte Besorgnis begründet ist, dass eine Abhängigkeit des Arbeitnehmers vorliegt“. Sie können nicht gegen den Willen des Arbeitnehmers durchgeführt werden. Zudem sind sie anders als Alkoholtests mangels anerkannter Grenzwerte nicht sonderlich aussagekräftig.
Darf eine Verbeamtung wegen Übergewicht oder Diabetes abgelehnt werden?
Das ist mittlerweile von Verwaltungsgerichten bestätigt worden, da es hier um eine lebenslange Anstellung auf Kosten der Steuerzahler geht. „Es soll untersucht werden, ob Sie so gesund sind, dass Sie die Laufbahn ohne vorzeitige Rente beenden können“, sagt Michael Felser. So eine langfristige Prognose übersehe jedoch, dass ein Diabetiker gesünder sein kann als ein gesund erscheinender Kollege, kritisiert er. Es komme jedoch auch vor, dass Verträge von Angestellten im öffentlichen Dienst bei Übergewicht nicht entfristet werden: Das sieht DGB-Frau Martina Perreng als unzulässig an.
Expertentipps von Gerhard Winkler
1. Unternehmen recherchieren, bei denen man gerne arbeiten würde.
2. Definieren, was man im jeweiligen Unternehmen konkret tun und leisten möchte.
3. Das Bewerbungsanschreiben so stricken, dass man sich als Leistungserbringer profiliert.
4. Ansprechpartner in der Personalabteilung recherchieren und anrufen.
5. Bei Interesse die vorbereitete Bewerbung je nach Gesprächsverlauf noch genauer ausrichten und möglichst direkt im Anschluss an das Gespräch abschicken. „So kann man nebenbei demonstrieren, dass man nicht nur gut vorbereitet, sondern auch schnell und flexibel ist.“
Tipps und Tricks zu zahlreichen weiteren Themen gibt Bewerbungshelfer Gerhard Winkler unter www.jova-nova.com










