Personaler berichten über ihre skurrilsten Bewerber
Über frühere Arbeitgeber lästern, ohne Punkt und Komma eigene Heldentaten herunterbeten, auf anstehende Aufgaben „gar keinen Bock“ haben – im Vorstellungsgespräch können sich Kandidaten schnell ins Abseits manövrieren. Personalexperten berichten von skurrilen, originellen und bemerkenswerten Begegnungen.
Andreas Schwarz, Berater für Personalentwicklungsthemen, Rundstedt HR Partners, Düsseldorf
Ein Bewerbungsgespräch für eine Einstiegsposition dauert in der Regel 90 Minuten. Manchmal kann es auch schneller enden. Etwa dann, wenn Bewerber diese Zeit nicht nutzen, ihre besonderen Fähigkeiten und was sie erreichen möchten, in den Vordergrund zu stellen, sondern was sie auf keinen Fall wollen. Ein Bewerber hat einmal ungefragt über seinen letzten Praktikumsgeber gelästert. „Absolut uncool, unlocker, langweilig“. Auf Nachfrage, was denn so uncool gewesen sei, erzählte er, dass er bei der Auswahl seiner Einstiegsposition sehr wählerisch sei und genaue Vorstellungen von seinem idealen Arbeitgeber habe. „Die haben wir auch von unseren Kandidaten“, musste ich ihm zurückgeben. Das Gespräch war dann beendet. Also: Nicht erklären, was nicht geht – sondern herausstellen, was man besonders gut kann und was dem Unternehmen nützt, für das man sich interessiert. So wird ein Schuh draus.
Bernhard Willer, Willkom Bertung für Medien, Hamburg
Wir treffen uns in der Lobby eines Düsseldorfer Hotels. Mein Kandidat ist Ende 20 und will Key Accounter bei einem großen Verlag werden. Der Anzug sitzt perfekt, die Schuhe sind geputzt, der Blick offen und freundlich. Formal alles richtig. Soweit alles gut. Später komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es gibt Menschen, die vermeintlich alles können und alles wollen, deren „Heldentatenliste“ einfach unbeschreiblich ist. „Und Sie haben wirklich das Rad erfunden, den Buchdruck und später das Internet?“, frage ich scherzhaft. Schlichtweg beeindruckend. Und hier beginnt das Problem. Wenn ich einem Bewerber nur die Hälfte glaube, wird es eng. Sich gut verkaufen ist erlaubt und erwünscht, aber Sie müssen sich nicht neu erfinden. Bleiben Sie authentisch. Verraten Sie mir ruhig auch, was Sie nicht können oder nicht mögen. Ich behalte es für mich. Viel besser ist es, wenn Sie mich in das einweihen, was Sie wirklich können, was Sie wirklich wollen. Auch unabhängig von dem Job, über den wir gerade sprechen. Nur so kann ich ein Gespür dafür entwickeln, „ob es passt“. Denn ich kann nichts passend machen, was nicht passt. Und wenn es nicht dieses Mal klappt, dann in einem halben Jahr oder irgendwann später. Mein Gedächtnis ist gut.
Guido Huberti, Geschäftsführer Xenagos - The sales Recruiter, Frankfurt
Das außergewöhnlichste Interview habe ich am Flughafen in Leipzig geführt. Da der Flughafen wegen Bombenalarm (der sich zum Glück als falscher Alarm herausstellte) evakuiert werden musste und ich meinen Besprechungsraum nicht nutzen konnte, führten wir das Interview kurzerhand zu dritt in meinem Mietwagen, einem Ford Ka. Der Kandidat erwies sich als äußerst flexibel und konnte gut mit der ungewohnten Situation umgehen. Wir haben viel über ihn als Mensch erfahren. Auf so engem Raum kann man sich ja nur schwer verstellen. Die klassischen Fragen nach Stärken und Schwächen haben wir uns gespart. Lernen kann man daraus, dass man Kandidaten in außergewöhnlichen Situationen meist besser bewerten kann als mit einem Standard-Bewerbungsgespräch. Der Kandidat ist übrigens heute noch im Unternehmen beschäftigt und mittlerweile einer der erfolgreichsten Niederlassungsleiter. Meine Erkenntnisse als Personalprofi: Man erfährt mehr den Menschen hinter dem Kandidaten, wenn man ihn aus der klassischen Interviewsituation herausholt. Und: Mieten Sie niemals einen Mietwagen ohne Klimaanlage.
Sylvia Egger, Personalentwicklung Nürnberg Messe
Mir fällt spontan ein Bewerbungsgespräch mit einer potenziellen Kandidatin für den Beruf der Veranstaltungskauffrau ein. Schon der Anfang war bemerkenswert. Auf die Frage „Möchten Sie etwas trinken?“, erhielten wir von der jungen Frau die Antwort: „Eine heiße Schokolade mit Sahne, bitte.“ Verblüffend ging es weiter. Bei einem in ihrem Lebenslauf angeführten Theaterstück, an dem sie mitgewirkt hat, interessierten uns Details. Daraufhin antwortete sie, dass sie diese nicht mehr wisse und dass sie auch überhaupt nicht damit gerechnet habe, dass wir zu ihrem Lebenslauf Nachfragen haben könnten. Dies und mehr gepaart mit einer eher umgangssprachlichen Ausdrucksweise – eine Aufgabe des Berufsbildes fand sie „voll cool“, auf eine andere hatte sie „gar keinen Bock“ – hat dafür gesorgt, dass wir die Stelle letztlich anderweitig besetzt haben. Grundsätzlich originell und deswegen auch bemerkenswert finde ich, wenn die Bewerbungsmappe auf unsere Anzeige ausgerichtet ist – was häufiger vorkommt, als man meinen könnte. Denn in unserer Stellenausschreibung ist eine Peperoni abgebildet. Und so finden sich in den Unterlagen immer wieder echte Peperoni.














