Journalismus oder Medizin? - Mit 2er Abi Doktor oder Moderator werden?

Tobi fragt:

"Hallo Leute,

ich bin schon sehr verzweifelt, deshalb wende ich mich an euch - vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen.

Ich habe im Juni 2010 mein Abitur mit 2,0 abgeschlossen. Seitdem habe ich zwei Praktika gemacht (eines im Radio, also Journalismus, ein weiteres mache ich jetzt in einem Krankenhaus, also Medizin).

Jeden Abend nach der Arbeit sitze ich zu Hause und mache mir Gedanken, was ich werden könnte. Ich denke immer an Journalismus und Medizin, könnte mir manchmal aber auch Jura oder BWL (zum Beispiel einsteigend bei LIDL oder ähnlichen Mäkrten) vorstellen. Meine Eltern fragen mich des Öfteren, ob ich vielleicht den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe und etwas übersehe bzw. mich zu sehr in Medizin oder Journalismus reinsteigere.

Eigentlich würde ich gerne was vor der Kamera machen - aber ins Fernsehen zu kommen ist sehr schwer. Das wäre eigentlich mein Traum - und so Journalismus ist eher ein "trocken Brot-Job". Wisst ihr, wie ich  meine Entscheidung vielleicht treffen kann? Gibt es Alternativen, Moderation zu lernen? Oder sollte ich mir die anderen Berufe doch nochmal durch den Kopf gehen lassen?

Lieben Gruß,
Tobi"

Das Karriereteam antwortet:

"Hallo Tobi,

du scheinst dich schon stark auf Journalismus und Medizin eingeschossen zu haben. Um letzte Zweifel aus der Welt zu räumen, könntest du im Anschluss an dein Praktikum im Krankenhaus eins in einem Wirtschaftsprüfungsunternehmen, einer Bank oder Ähnlichem absolvieren. Wenn dir das dann nicht zusagt, bleiben noch Journalismus und Medizin übrig.

Bei beiden wird es nicht leicht werden, einen Job zu bekommen. Journalismus ist kein klassischer Ausbildungsberuf. Es gibt zwar diverse Journalistenakademien (Henri-Nannen-Schule, Axel-Springer-Akademie). Die Wahrscheinlichkeit aufgenommen zu werden ist aber eher gering. Neben einem sehr guten Abi, brauchst du auch eine überdurchschnittliche journalistische Begabung, die in mehreren Bewerbungstests überprüft wird. Zudem gibt es weit mehr Bewerber als Plätze vorhanden sind.

Ähnlich sieht es beim Journalismusstudium an der Uni aus. Die NCs liegen meist bei 1,2-1,4, weshalb auch diese Option wegfällt.

Als dritte Möglichkeit bietet sich der Quereinstieg an. Viele Journalisten haben ein geisteswissenschaftliches Studium abgeschlossen (Politik, Geschichte, Germanistik, etc.) und währenddessen in diversen Redaktionen Praktika absolviert. Oft folgte darauf eine freie Mitarbeit. Mit diesen Voraussetzungen ist die Chance auf ein Volontariat, die Ausbildung zum Redakteur, recht groß.

Du musst dich aber nicht auf Teufel komm raus in ein geisteswissenschaftliches Studium stürzen. Gerade Fachjournalisten werden vielerorts händeringend gesucht. Dazu zählen unter Anderem Wirtschafts- und Medizinjournalisten.

Hier kommen wir zu deinem zweiten Traumberuf. Der NC für ein Medizinstudium liegt ähnlich hoch wie der für Journalismus. Nach jetzigem Stand bräuchtest du 12 Wartesemester (sechs Jahre), um einen Studienplatz zu bekommen.

Diese Wartezeit lässt sich an vielen Unis aber durch den TMS (Test für medizinische Studiengänge) reduzieren. Das sind standardisierte Auswahltests, deren Ergebnisse mit der Abinote verrechnet werden. Manche Hochschulen bieten auch eigene Tests an. Die Uni Hamburg prüft beim sogenannten HAM-Nat-Test beispielsweise die naturwissenschaftlichen Kenntnisse ihrer Bewerber. Darüber hinaus bietet sie auch ein Auswahlgespräch an, wo die sozialen Kompetenzen überprüft werden. Beide Testsergebnisse werden dann zu je 50 Prozent mit der Abinote verrechnet.

Wenn dir dein Praktikum im Krankenhaus gefällt und du deine Zukunft in der Medizin siehst, könntest du auf diesem Wege einen Studienplatz bekommen. Später hast du dann immer noch die Möglichkeit, Journalist zu werden.

Was deinen Moderationswunsch angeht: Einen eigenständigen Studiengang „Moderation“ gibt es nicht. Moderatoren sind meist ausgebildete Journalisten, die über ein besonderes Auftreten verfügen. Sie sehen gut aus und können vor der Kamera sprechen. Für diesen Karriereweg bietet es sich an, Journalismus zu studieren und anschließend einen oder mehrere Rhetorikkurse zu belegen. Daneben brauchst du aber auch viel Glück. Hinter einer Sendung wie „Quarks und Co.“ steckt eine mehrköpfige Redaktion. Vor der Kamera kann aber nur einer stehen. Das Gerangel um diesen einen Platz ist entsprechend groß.

Ich hoffe, diese Ausführungen helfen dir in deiner Berufswahl weiter. Mach dich nicht verrückt. Du hast ein gutes Abi gemacht und noch eine lange berufliche Zukunft vor dir.

Viele Grüße,
dein Karriereteam."

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