Ab ins Ausland - Arbeiten in der Fremde

von Johanna Behrendt

Ein Praktikum im Ausland erweitert nicht nur den Horizont, sondern eröffnet auch ungeahnte Möglichkeiten. Im dritten Teil unserer Serie „Ab ins Ausland“ verraten wir, wie es mit dem Traumpraktikum klappt.



Ein Praktikum zu absolvieren ist heute nichts Besonderes mehr. Fast jeder schnuppert bereits während des Studiums ins Jobleben hinein. Auslandspraktika sind da schon seltener und vor allem interessanter. Doch viele verpassen die einmalige Chance, eine andere Geschäftskultur kennenzulernen. Dabei nehmen immer mehr Firmen Praxiserfahrungen in ihre Anforderungsprofile auf und international erfahrene Mitarbeiter sind zunehmend gefragt.

Doch bevor man aus dem Bürofenster auf das Empire State Building gucken kann, gilt es einige Hürden zu nehmen. Vor allem die Suche nach Praktika kann kompliziert werden. Wichtige Anlaufstellen bei der Suche nach geeigneten Praktikumsplätzen sind das Akademische Auslandsamt der eigenen Hochschule und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD). Für Praktika in internationalen und EU-Institutionen vermittelt beispielsweise das Carlo-Schmid-Programm des DAAD passende Plätze.

Jede Auslandserfahrung ist wervoll

Hier wurde auch Ruth Zimmermann fündig, die nach ihrem Studiengang „European Interdisciplinary Studies“ das an der Uni erworbene Wissen in Kolumbien anwenden konnte. Dort war sie nicht nur sechs Monate im Bereich Flüchtlingsarbeit tätig, sondern konnte auch den „Respekt für andere Kulturen“ lernen. Die Erfahrungen in Bogotá veränderten sie nachhaltig: „Eigene Sorgen relativieren sich angesichts der kritischen Lage für über drei Millionen Binnenflüchtlinge in Kolumbien.“ Auch Johannes Tonn, der ebenfalls mit dem Carlo-Schmid-Programm elf Monate in Nigeria verbracht hat, ist sich sicher, „dass jede Auslandserfahrung für die Entwicklung der eigenen Persönlichkeit unheimlich wertvoll ist.“ Der 28-Jährige arbeitete nach seinem Magister in Heidelberg in Abuja an einem Projekt zur Wiedereingliederung gewalttätiger Jugendlicher und baute zum Beispiel Schulen im Nigerdelta auf. Dort hat er gelernt, „Andersartigkeit zu respektieren und die Menschen darin zu unterstützen.“

Doch nicht nur die eigene Persönlichkeit wird durch einen Auslandsaufenthalt bereichert. Er fördert zudem die Kommunikationsfähigkeit, Eigeninitiative und Selbstständigkeit. Daneben verbessert man erheblich seine Fremdsprachenkenntnisse und lernt live eine andere Geschäftskultur kennen. Obwohl Auslandspraktika zunehmend an Bedeutung gewinnen, hat man derzeit noch einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil gegenüber Mitbewerbern. Und auch in anderer Hinsicht investiert man in die Zukunft: Ein Praktikant mit guten Leistungen ist später willkommener Angestellter. So mündete auch das Praktikum von Johannes Tonn in einen Vertrag als International Consultant.

Eine gute Vorbereitung vermeidet Fettnäpfchen

Egal ob man sich über Vermittlungsstellen bewirbt oder direkt zum Unternehmen Kontakt aufnimmt: Oft müssen Sprachkenntnisse nachgewiesen werden, sodass man sich bereits im Vorfeld um Zertifikate, Gutachten oder Teilnahmebescheinigungen kümmern muss. Bewerbungsgespräche werden meist in der jeweiligen Landessprache geführt, daher sollte man auch Fachvokabular beherrschen. War die Bewerbung erfolgreich, ist es ratsam, sich über Land und Leute zu informieren, um sich nicht ins erstbeste Fettnäpfchen zu stürzen. So sollte man die „coole“ Art amerikanischer Unternehmer nicht mit Leichtfertigkeit verwechseln oder ihre konservativen Regeln unterschätzen. Praktikumsberichte geben erste Einblicke in das gewählte Land und Ratgeber zum richtigen Verhalten im Ausland können hilfreich sein.

Doch auf manches lässt es sich nicht vorbereiten: „Ich habe eine Weile gebraucht, um mich an die Stadt zu gewöhnen“, berichtet Sophie Eulenfeld, die fünf Monate in der Sprachabteilung des Goethe-Instituts in Buenos Aires arbeitete. „In den ersten Wochen haben mich die vielzähligen Eindrücke und der nie stillstehende Puls der Stadt etwas überfordert“, erinnert sich die 26-jährige Studentin aus Potsdam. Johannes Tonn musste sich an die unzuverlässige Stromversorgung und die vielen tödlichen Unfälle in Nigeria gewöhnen. „All das ist aber Teil des Jobs und man kommt nicht darum herum, wenn man in Nigeria arbeiten will“, weiß er.

Neben allen Bemühungen, so viel wie möglich mitzunehmen, sich im Land und auf der Arbeit zu recht zu finden und alles richtig zu machen, sollte die Freizeit jedoch nicht zu kurz kommen. So ist Sophie Eulenfeld der Meinung, dass es wichtig ist „neue Menschen kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen. Erst der soziale Rückhalt gibt der gelungenen Praktikumszeit im Ausland den passenden Rahmen.“

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