Ab ins Ausland - Für jeden ein Gewinn

von Johanna Behrendt

Der Aufenthalt in fremden Ländern gehört für viele Studenten zu den Höhepunkten der akademischen Ausbildung. Warum sich ein Abstecher ins Ausland immer lohnt, wie ihr ihn planen und finanzieren solltet, verrät euch UNICUM in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in einer fünfteiligen Serie.



„Das Land hat so viele Sehenswürdigkeiten zu bieten: wunderbare Strände, tolle Berge, den Dschungel, beeindruckende Städte“, schwärmt der 24-jährige Florian Wenzelburger, Student der Wirtschaftspädagogik in Mannheim, von seinem Semester im kolumbianischen Medellín. Dort wollte er vor allem sein Spanisch aufpolieren. Seine Erkenntnis: „Die Menschen sind einfach unglaublich nett, freundlich und hilfsbereit. Ich finde, es geht nicht nur um fachliche Bereicherung, sondern auch um die Lebenserfahrung, die man im Ausland sammelt. Das sind Fähigkeiten, die im normalen Uni-Alltag nicht vermittelt werden.“

Auch Hans Fabian Braun, Mathestudent an der TU Kaiserslautern, der mit 23 Jahren sein Auslandssemester in Neuseeland verbracht hat, empfindet ähnlich: „Es ist immer ein kleines Abenteuer, das einen auf jeden Fall bereichert.“ Sein gleichaltriger Kommilitone Fabian Wachmann ist sich nach seinem einsemestrigen Maschinenbaustudium in Texas sicher, „viel im Hinblick auf andere Kulturen gelernt“ und seine Sprachkenntnisse „deutlich verbessert“ zu haben.

Rund ein Viertel aller Studenten gehen ins Ausland

Ähnlich schwärmerisch äußern sich die meisten, die das Abenteuer Ausland wagen. Und es sind nicht wenige: 2009 war laut einer HISStudie ein Viertel der Studis fürs Studium im Ausland, entweder für einen Sprachkurs, ein Praktikum oder ein ganzes Semester. Die höchste Quote hatten Sprach- und Kulturwissenschaftler sowie Sportler: Von ihnen zog es 37 Prozent in die weite Welt. Agrar-, Forst und Ernährungswissenschaftler bleiben lieber daheim: Nur 15 Prozent wagten einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt. Die beliebtesten Ziele waren Frankreich, das Vereinigte Königreich und die USA.

Fremde Kulturen erkunden, an Arbeits- und Denkweisen schnuppern, neue Freundschaften knüpfen und ganz nebenbei die Sprachkenntnisse verbessern. Ein halbes Jahr oder länger ist man auf sich allein gestellt, kann sich beweisen und Punkte sammeln, die später jeder Arbeitgeber zu schätzen weiß. Vorausgesetzt, das Ganze artet nicht in Dauerurlaub aus und lässt in Ablauf und Erfolg ein Studium zumindest noch erahnen. Doch bevor der Spaß beginnen kann, ist Initiative gefragt. Nachdem die schwierige Entscheidung für ein passendes Gastland gefällt wurde, geht der Papierkrieg los. Unter anderem gilt es, die Finanzierung, zum Beispiel via Stipendium, zu klären.

Die akademischen Auslandsämter der Universitäten helfen, diese Herausforderung zu meistern. Noch einfacher ist es mit einem Austauschprogramm, das eine intensive Unterstützung für den gesamten Aufenthalt bietet. Das hat den Vorteil, dass häufig die Studiengebühren entfallen. Aller-dings ist die Auswahl des Studienortes mitunter eingeschränkt, da die Hochschulen in Deutschland nur eine begrenzte Anzahl an Kooperationsverträgen mit ausländischen Hochschulen besitzen. Auch gilt es hier, einige Qualifikationen vorzuweisen, da die Zahl der Bewerber die Kapazitäten oft übersteigt.

Ein Auslandsaufenthalt will gut geplant sein

Doch egal wofür man sich entscheidet: Auf keinen Fall darf man die Vorbereitungszeit unterschätzen. Bereits anderthalb Jahre vor dem geplanten Auslandssemester sollte man mit der Planung beginnen, rät der Deutsche Akademische Austauschdienst DAAD). Das heißt im Klartext: Macht euch frühzeitig Gedanken, wenn ihr im dritten oder vierten Semester ins Ausland möchtet. Höhere Semester kommen wegen der kurzen Bachelor-Studiengänge meist nicht mehr infrage. Schon bei der Wahl der Hochschule und des Studiengangs in Deutschland kann es sinnvoll sein, auf die Kooperation mit einer Hochschule im jeweiligen Lieblingsland zu achten. Denn in den ersten Semestern hat man genug damit zu tun, sich im Studium zurechtzufinden.

Aber lohnt sich der Aufwand überhaupt? Dr. Dorothea Rüland, seit 1. Oktober die neue Generalsekretärin des DAAD, ist selbst Mutter von vier Kindern, die alle bereits zahlreiche Auslandsaufenthalte absolviert haben. Sie ist sich sicher, dass die Zeit im Ausland „interkulturelle Sensibilität, neues Wissen und oft auch zusätzliche Sprachkenntnisse“ vermittelt. Auslandserfahrung sei für das Berufsleben unersetzlich, sagt Rüland: „Viele von uns arbeiten in einem internationalen Kontext, da werden diese Erfahrungen immer wichtiger. In Zukunft gewinnen sie noch mehr an Bedeutung: Deutschland ist mit seiner starken Exportabhängigkeit darauf angewiesen, global zu agieren und braucht dafür entsprechend ausgebildete Akteure“. Was ebenso richtig wie staatstragend klingt. Dabei kann man die Sache auch sehen wie Florian Wenzelburger: „Für mich war es ganz einfach die beste Zeit meines Lebens.“

10 gute Gründe für ein Auslandssemester

1. Du verbesserst ohne ödes Vokabelpauken ganz nebenbei deine Fremdsprachenkenntnisse.
2. Du lernst interessante neue Kulturen und Menschen kennen.
3. Du bist sechs Monate weit weg von Zuhause und kannst selbst über alles entscheiden.
4. Du lernst dein Studiengebiet aus einer ganz neuen Perspektive kennen.
5. Du siehst Deutschland später in einem anderen Licht.
6. Du gewinnst an Flexibilität, Vielseitigkeit und Selbstvertrauen.
7. Du kannst bei späteren Arbeitgebern damit punkten.
8. Du kannst sechs Monate in deinem Lieblingsland verbringen.
9. Du studierst, aber trotzdem ist es immer ein bisschen wie Urlaub.
10. Du hast hinterher garantiert viel zu erzählen.

So geht’s auch noch ins Ausland

Work & Travel
Australien, Kanada und Neuseeland – das sind die klassischen Länder für Rucksacktouristen. Meist ein Jahr lang erkunden sie das Land und finanzieren sich ihre Reise mit Gelegenheitsjobs. Ein spezielles Visum macht’s möglich. Wichtig dabei: Ihr dürft nicht älter als 30 Jahre alt sein (für Kanada 35) und müsst ein finanzielles Polster nachweisen können. Ihr könnt euren Aufenthalt entweder alleine organisieren oder euch von einer der zahlreichen Organisationen (gegen Gebühr) helfen lassen.
www.working-holiday-visum.de

Freiwilligendienste
Wer sich ehrenamtlich engagieren will und das nicht nur vor der eigenen Haustür, für den ist der Freiwilligendienst das Richtige. Den bietet sowohl unser Bundesfamilienministerium als auch die Europäische Union an. In einem Land eurer Wahl könnt ihr euch ein soziales oder ökologisches Projekt aussuchen, das ihr vor Ort unterstützen wollt. Je nach Förderprogramm gibt’s Geld für die Reise, Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld.
www.freiwilligendienste.de

Auslandspraktikum
Praktika machen sich gut im Lebenslauf. Und diese im Ausland zu absolvieren, gibt einen Extrapunkt. Auch hier gibt es zahlreiche Beratungs- und Vermittlungsangebote je nach Studienfach. Und auch bei der Finanzierung lässt man euch nicht allein: Der DAAD hilft etwa mit Fahrtkostenzuschüssen aus. Ansonsten könnt ihr auch einen Bildungskredit oder Auslands-Bafög beantragen. Das gibt’s auf das Inlands-Bafög drauf.
www.wege-ins-ausland.org

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