Ab ins Ausland - Mehr als eine Kiste Vokabeln
Wer eine Sprachreise ins Ausland sucht, hat die Qual der Wahl. Sprachreisen-Berater Carsten Bösel hilft Interessenten, sich in der Vielfalt der Angebote zurechtzufinden.
Studenten, die sich nach einem Sprachkurs im Ausland umsehen, kann Carsten Bösel, selbstständiger Berater für Sprachreisen mit dem Schwerpunkt USA und Kanada, nur beglückwünschen: „Man taucht ein in die andere Kultur“, schwärmt er, sei es in der Gastfamilie, beim Sightseeing oder im Supermarkt. „Dadurch bekommt man ein Gefühl für die Struktur der Sprache und die Sprachmelodie und lernt ganz nebenbei eine Kultur kennen, die sich oft stark von der heimatlichen unterscheidet.“ Schließlich ist Bösel überzeugt: „Eine Sprache ist nicht nur eine Kiste voller Vokabeln.“
Was habe ich von einem Sprachkurs?
Flüssiges Englisch ist für fast alle Studiengänge mittlerweile Grundvoraussetzung. Aber gute Englisch-Kenntnisse allein reichen nicht. Das betonen jedenfalls die Experten vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Ihren Erfahrungen nach wünschen Arbeitgeber zunehmend, dass Bewerber für Führungspositionen mindestens zwei Fremdsprachen sehr gut beherrschen und in einer weiteren ausbaufähige Grundkenntnisse besitzen. Angesichts solcher Forderungen sind Sprachkurse ein gutes Fundament. Die Reisenden sollten sich aber vor der Buchung im Klaren darüber sein, was sie sich von dem Kurs erhoffen, um aus dem vielfältigen Angebot zielgerichtet auswählen zu können, sagt Bösel.
Wer mit dem Kurs ein gewisses Sprachniveau erreichen will, kann ihn mit einem international anerkannten Test kombinieren. Dies ist zum Beispiel bei Englisch der TOEFL (Test of English as a Foreign Language), oder das Cambridge ESOL-Zertifikat (English for Speakers of Other Languages). Dafür gibt es speziell vorbereitende Kurse. Außerdem muss sich der Sprachschüler überlegen, wie tief er tatsächlich in Land und Sprache eintauchen will. „Viele Veranstalter bieten Kurse mit zusätzlichem Programm an“, sagt Bösel. Das reicht vom Treffen mit Einheimischen bis zum üblichen Sightseeing und Theaterbesuchen.
Aber auch ohne Zusatzprogramm sollte man sich bemühen, Kontakt mit „Native-Speakers“ zu suchen, und natürlich möglichst wenig Deutsch zu sprechen. „Da hängt viel von der Eigeninitiative ab“, sagt Bösel: „Ich kann beim Bäcker nur auf die Brötchen zeigen oder aber einen netten Schwatz mit der Verkäuferin halten.“
Brauche ich bestimmte Vorkenntnisse?
Um die Sprache auch tatsächlich im Alltag gebrauchen zu können, sind Vorkenntnisse bei den meisten Angeboten Pflicht. Es gibt aber auch Kurse, besonders für seltener gesprochene Sprachen wie Polnisch, Tschechisch oder afrikanische Sprachen, die keine Vorkenntnisse erfordern und teilweise sogar vom jeweiligen Land finanziell gefördert werden. Die häufig nachgefragten Sprachkurse für Englisch, Französisch und Spanisch sollten jedoch laut Bösel besser nicht von „Null-Anfängern“ besucht werden. Eine Kombination mit einem vorbereitenden Kurs in Deutschland sei dabei sinnvoll, meint der Sprachkursexperte.
Wie viel Zeit soll ich für eine Sprachreise einplanen?
„Die Dauer eines Kurses schwankt zwischen einer Woche und einem Jahr. Die gängige Zeitspanne umfasst aber drei bis vier Wochen“, erklärt Bösel. Letztlich hängt das davon ab, ob nur die Semesterferien genutzt oder ein ganzes Semester im Ausland verbracht werden soll. Viel hält Bösel von vierwöchigen Intensivkursen mit 20 bis 25 Stunden pro Woche, warnt aber: Finger weg von Reisen nach Malta. Das seien oft überlaufene „Fun-Reisen“, wo sich bis zu fünf Deutsche eine Unterkunft teilen.
Mit welchen Kosten muss ich rechnen?
Ein weiterer wichtiger Faktor für die interessierten Studenten ist der Preis. Auch der variiert stark, je nach Reiseziel und Dauer. Als Beispiel nennt er einen Aufenthalt in Irland, der je nach Einrichtung um die 1.000 Euro kostet. Generell schwanken die Preise mit Unterkunft zwischen 500 und 2.000 Euro für einen durchschnittlichen Aufenthalt von drei bis vier Wochen. Allerdings ohne den Flugpreis.
Wie finde ich den perfekten Sprachkursus?
Bösel rät den Bewerbern zu einer Sprachreisevermittlung über deutsche Anbieter. Die haben meist Partner in den Zielländern und vermitteln die Interessenten an die passenden Stellen. So wird es leichter, einen Platz zu finden. „Nur wer sich gut auskennt, sollte sich seinen Platz direkt selbst suchen“, sagt Carsten Bösel. Um zum Beispiel direkt mit der berühmten UCLA (University of California, Los Angeles) in Kontakt zu treten, müssen nicht nur einige Gespräche auf Englisch geführt, sondern auch viele organisatorische Fragen rund um den Auslandsaufenthalt geklärt werden. Auch deshalb rät Bösel, sich an einen deutschen Sprachreiseveranstalter zu wenden. Damit sei der Sprachschüler auch rechtlich besser abgesichert, da bei diesen Verträgen deutsches Recht gilt.
Hilfreiche Links
Fachverband Deutscher Sprachreiseveranstalter e.V.: www.fdsv.de
Sprachkursdatenbank: www.language-learning.net/de
Beratung für Nordamerika: www.consultUS.org
Die DAAD Sprachkurs-Datenbank
Auch an der Uni kann man Sprachen lernen – sogar ohne sie zu studieren. Dabei hilft der DAAD mit einer Datenbank, in der viele günstige und qualitativ hochwertige Sprachkurs-Angebote im Ausland verzeichnet sind. Hochwertig deshalb, weil sie oft an Universitäten stattfinden. Das Gute: Bereits ab dem zweiten Semester können Studenten beim Besuch der Kurse finanziell unterstützt werden. Das Kursangebot beschränkt sich dabei nicht auf die „üblichen Verdächtigen“ wie Englisch oder Französisch, sondern umfasst Sprachen aus der ganzen Welt.
www.daad.de/ausland/sprachenlernen
Erfahrungsberichte
Michael Plattner (24), studiert Medizin an der Universität Regensburg, Sprachkurs an der Universidad Alcalá de Henares/Madrid:
„Die Lernbedingungen in Spanien waren ein Traum: fünf bis acht Leute in meiner Gruppe, Smartboard in jedem Klassenzimmer, W-LAN im ganzen Gebäude und super motivierte Lehrer. Ich habe sehr viel dazugelernt und fühle mich jetzt ausreichend gerüstet, einen Teil meines Praktischen Jahres in einem spanischsprachigen Land zu absolvieren.“
Jörg Leib (29), Doktorand am Imperial College London, Sommersprachkurs an der Beijing Normal University:
„Dank des Sprachkurses vor Ort kann ich mich jetzt tatsächlich auf Chinesisch unterhalten. Das Studieren der Schriftzeichen kann einem aber niemand abnehmen. Ich rate, auch private Stiftungen bei der Suche nach Unterstützung des Studienvorhabens einzubeziehen.“
Karola Fendl (26), Diplom Umweltwissenschaften an der Universität Lüneburg, Programm „Sprache und Praxis“ an der Naganuma Schule in Tokyo:
„Frustrierend beim Sprachenlernen war, dass viele Japaner nur schwer in ein verständliches Japanisch umschalten können. So fiel dann sogar nach 18 Monaten manchmal noch die Verständigung beim Einkaufen schwer. In Japan ist das Lernen viel verschulter und frontaler: Fast alles geht nur über wiederholen und Nachzeichnen.“
Gwendolin Hilse (23), studiert Afrikanische Sprachen und Kulturen an der Uni Hamburg, zweimonatiger Sprachkurs in Nigeria:
„Ich lerne seit zwei Jahren Hausa, eine westafrikanische Handelssprache. Da wir in der Uni sehr aufs Schriftliche fixiert sind, haben sich meine Sprachkenntnisse durch den Aufenthalt auf jeden Fall verbessert. Das habe ich zum größten Teil meiner Gastfamilie zu verdanken. Auch in die Kultur habe ich einen sehr guten Einblick bekommen, weil mich mein Gastvater überall mit hingenommen hat.“










