Ab ins Ausland - Mit Unterstützung ins Ausland
Auslandsaufenthalte während des Studiums sind wichtig und sinnvoll. Klar sind damit Kosten verbunden, aber das sollte euch nicht abschrecken: Es gibt zahlreiche Programme, die finanzielle Unterstützung anbieten.
Mehr als 100 000 deutsche Studierende waren 2008 an einer ausländischen Hochschule eingeschrieben. Andere entschieden sich für ein Praktikum außerhalb Deutschlands oder lernten eine fremde Sprache vor Ort. Viele erlebten Unvergessliches, erlangten wichtige Qualifikationen für das weitere Studium und für den Beruf und schlossen neue Freundschaften. So einen Aufenthalt im Ausland gibt’s natürlich nicht zum Nulltarif. Reise, Unterkunft und Verpflegung sind nicht billig. Für manche Länder muss man Kosten für Impfungen und Visa einkalkulieren. Nicht zu vergessen mögliche Studiengebühren.
Es gibt viele Förderungsmöglichkeiten
Für viele ist es nicht leicht, diese Kosten aufzubringen. Doch das ist kein Grund aufzugeben. Denn es gibt viele Förderungsmöglichkeiten, wie etwa das EU-Bildungsprogramm Erasmus. Manuel Bosse nahm daran teil. Der 25-Jährige aus Düsseldorf ging im Herbst 2009 für ein Semester nach Maribor in Slowenien. „Ich wollte mein Englisch verbessern und ein Leben als Ausländer in einem fremden Land ohne einheimische Sprachkenntnisse kennen lernen“, erklärt der BWL-Student. „Es waren die schönsten Monate meines Lebens: Ich habe viel in den englischsprachigen Vorlesungen gelernt, zahlreiche freundliche Menschen aller europäischer Nationen getroffen und ein Dutzend Städte und Länder bereist, die ich sonst wohl nie in meinem Leben gesehen hätte“, resümiert Manuel.
Auch Valerija Schwarz entschied sich für das Erasmus-Programm. Die 22-Jährige studiert Germanistik und Hispanistik an der Uni Köln und wollte ihre Spanischkenntnisse vor Ort verbessern. Im Sommersemester 2010 ging sie deshalb ins spanische Valladolid. „Ich habe gelernt, dass es mehr gibt als Deutschland. Mein Horizont hat sich erweitert, ich bin selbstständiger, offener und flexibler geworden. Man könnte sagen, dass ich durstiger geworden bin, nach dem Neuen und Unbekannten“, erzählt sie begeistert. Finanziert hat sie sich ihr Auslandssemester mit dem Erasmus-Stipendium, mit ersparten Rücklagen und mit der Unterstützung ihrer Familie. Zudem hat sie Auslandsbafög bekommen. „An sich war es nicht kompliziert. Im Grunde sind es ein paar Seiten Papierkram, aber nichts Weltbewegendes“, erklärt Valerija. „Wichtig ist allerdings, dass das eine lange Vorlaufzeit braucht. Man sollte also alles gut planen und sich über Fristen informieren.“
Die Bewerbung ist aufwendig, aber es lohnt sich
Mit einem Stipendium im Gepäck hat Vicky Otto ihre Alma Mater, die Uni Heidelberg, für ein Jahr gegen die University of Delhi eingetauscht. Für diese Zeit wird die Jura-Studentin vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert. Aus Faszination für Indien sei sie dort hingegangen. „Auch aus Neugierde auf eine andere Umgebung, Kultur, Studiensituation und um mein Studienfach aus einer anderen Perspektive kennen zu lernen“, sagt Vicky. Dank des Jahresstipendiums für Studierende in Indien braucht sie sich um die finanzielle Seite ihres Aufenthaltes keine Gedanken machen. „Die Bewerbung dafür war sehr aufwendig, mit Gutachten und Interview“, erzählt die 21-Jährige. „Aber es hat sich gelohnt: Meine gesamten Ausgaben sind von dem Betrag gedeckt, ich habe eine Sonderzahlung für meine Flugtickets bekommen und mein Sprachkurs, den ich hier an der Uni mache, wird auch übernommen.“
Ruth Zimmermann bekommt ebenfalls finanzielle Unterstützung für ihren gesamten Auslandsaufenthalt. Im Rahmen des carlo-Schmid-Programms absolviert sie ein sechsmonatiges Praktikum in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Ihr Arbeitgeber: UNHCR, das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen. „Ich wollte eine internationale Organisation von Innen kennen lernen. Außerdem hoffe ich, dass mir ein letztes, ‚gutes’ Praktikum dabei hilft, anschließend einen interessanten Einstiegsjob zu finden.“ Das dürfte ihr nicht schwerfallen, denn mit ihren 26 Jahren hat Ruth bereits einen großen Teil ihres Lebens im Ausland verbracht: vier Semester in Frankreich, neun Monate in Mexiko, fünf Monate in Kanada und ein Studienjahr in Polen. Das Praktikum bildet nun den Abschluss ihrer Ausbildung. „Ein Auslandsaufenthalt hilft, persönlich zu wachsen, sich selbst in vielen Bereichen weiterzuentwickeln und Verständnis und Respekt für das ‚Anderssein’ zu entwickeln. Kulturelle Sensibilität ist auch im Heimatland ein wichtiges Soft Skill, das in unserer globalisierten Welt und im Umgang mit Ausländern nicht zu unterschätzen ist.“
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Die Programme im Überblick
Erasmus
Gefördert werden Studienaufenthalte und Praktika in einem der 31 europäischen Erasmus-Länder. Studierende ab dem 3. Semester können sich mit dem Programm zwischen drei und zwölf
Monate an einer ausländischen Gasthochschule einschreiben. Es gibt einen Mobilitätszuschuss von maximal 300 Euro pro Monat, ihr werdet von den Studiengebühren an der Gasthochschule befreit und bei den Vorbereitungen eures Auslandsaufenthaltes unterstützt. Außerdem werden die Studienleistungen anerkannt.
www.eu.daad.de
Auslandsbafög
Der Staat finanziert einen mindestens sechsmonatigen Aufenthalt im europäischen und außereuropäischen Ausland. Wenn es die Studienordnung vorschreibt, werden sogar Auslandspraktika unterstützt. Wer das Inlandsbafög bekommt, dem ist das Auslandsbafög sicher. Durch höhere Freibeträge werden auch Studierende gefördert, die daheim kein Inlandsbafög bekommen. Zusätzliches Geld gibt es für Studiengebühren, Reise- und höhere Lebenshaltungskosten. Ausreichende Kenntnisse der Landessprache sind Voraussetzung für die Bewerbung. Den Antrag solltet ihr mindestens sechs Monate vor Abreise bei einem der 17 Bafögauslandsämter stellen.
www.bafoeg.bmbf.de
Stipendien
Es gibt zahlreiche Anbieter für Teil- oder Vollstipendien. Im Rahmen des PROMOS-Programms vergeben viele Hochschulen Stipendien für kürzere Aufenthalte, wie zum Beispiel Auslandssemester, Praktika und Sprachkurse. Für erste Infos wendet euch an das Akademische Auslandsamt eurer zukünftigen Uni oder FH. Der DAAD fördert einjährige Studienaufenthalte, spezielle Sprachprogramme und ausgewählte Praktika. Die Leistungen reichen von Reisekostenzuschüssen über monatliche Zuschüsse bis zu Vollstipendien. Für das Jahresstipendium solltet ihr in der Regel zum besten Drittel eures Jahrgangs gehören. Besonders wichtig für die Bewerbung ist aber auch eine gute Begründung (Studienvorhaben), warum ihr ins Ausland gehen möchtet. Gute Vorbereitung ist also das A und O.
www.auslandsstipendien.de
Carlo-Schmid-Programm
Das Programm unterstützt Praktikanten in internationalen und EU-Organisationen. Es stellt hohe Anforderungen an die Bewerber, bietet allerdings auch viel: Stipendienraten ab 650 Euro für Studierende, ab 925 Euro für Graduierte, Reisekostenpauschalen und zudem wird eine Auslandskranken-, Unfall- und Haftpflichtversicherung abgeschlossen. Die Bewerbung umfasst eine ausführliche schriftliche Bewerbung, ein Gespräch über Motivation, Kenntnisse der Materie und Sprachkenntnisse sowie eine anschliessende Gruppendiskussion.
www.daad.de/csp










