Auslandssemester in Eigenregie
Raus aus dem Alltag, rein in eine neue Kultur. Ein Auslandssemester ist für viele Studenten ein Erlebnis, das sie ihr Leben lang nicht vergessen. Kein Wunder, dass es 39 Prozent in den traditionellen Studiengängen und immerhin 29 Prozent der Bachelorstudenten laut einer aktuellen Studie des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft ins Ausland zieht.
Die gängigsten Wege sind das europäische Austauschprogramm ERASMUS und Partner-Vereinbarungen der eigenen Hochschule mit einer oder mehreren ausländischen Unis. Das Problem: Ihr könnt euch eure Zieluni nicht frei aussuchen. Da auch Stipendien wie die Programme des Deutschen Akademischen Austauschdiensts (DAAD) rar gesät und hart umkämpft sind, bietet es sich gerade bei Auslandssemestern außerhalb Europas an, alles in Eigenregie zu planen. Das ist zwar einerseits mit viel Aufwand verbunden. Andererseits wird eure Auslandszeit so zum Erlebnis nach Maß.
Die richtige Vorbereitung
Das A und O eines erfolgreichen Auslandssemesters besteht in einer gründlichen Vorbereitung. Ihr solltet bereits ein Jahr vor dem geplanten Aufenthalt mit der Planung beginnen. Berücksichtigt bei der Wahl eures Ziellandes nicht nur die Landschaft und Kultur, sondern auch das Bildungssystem des jeweiligen Landes. In Nordamerika ist es beispielsweise üblich, wöchentlich Vorträge zu halten, Test zu schreiben und allgemein viele Texte zu lesen. Die Mid Terms genannte Semester-Zwischenprüfung und eine umfangreiche Abschlussprüfung kommen hinzu.
Die Wahl eurer Wunschuni hängt maßgeblich davon ab, welche Kurse ihr belegen wollt. Eine Uni, die keine Sprachwissenschaftliche Fakultät hat, ist für Linguisten eher uninteressant. Ihr wollt euch in der Regel eure im Ausland erbrachten Leistungen schließlich an eurer Heimuni anrechnen lassen. Daher ist es unerlässlich, die Kurswahl vorab mit eurem Prof abzustimmen. Das ist vor allem in den verschulten Bachelor-Studiengängen von Bedeutung – gerade im Hinblick auf Kurse an der Heimuni, die nur einmal im Jahr angeboten werden.
Sprachtests stellen das nächste Hindernis dar. Die meisten ausländischen Unis fordern Sprachnachweise (TOEFL, etc.) von ihren Bewerbern, um die ihr euch rechtzeitig kümmern solltet. Die werden gegen Gebühr jährlich oder halbjährlich an den meisten deutschen Unis angeboten. Gute Sprachkenntnisse sind ohnehin ein Muss, um sich in der fremden Kultur während des Auslandssemesters zurechtzufinden. Zudem fordern einige Unis – vor allem in Nordamerika – einen sogenannten „Letter of recommendation“. Dieses Empfehlungsschreiben muss euch euer Prof. für die Bewerbung ausstellen.
Die Finanzierung
Macht euch keine Illusionen, ein Auslandssemester ist teuer. Studiengebühren von mehreren tausend Euro sind eher die Regel als die Ausnahme. Zudem müssen Flug, Unterkunft und Verpflegung bezahlt werden. Ohne Ersparnisse oder Unterstützung der Eltern ist das selten zu stemmen. Hochbegabte Studenten mit sehr guten Studienleistungen können auf Stipendien von Stiftungen, gemeinnütziger Organisationen oder des DAAD hoffen. Allen anderen bleibt das Auslands-BAföG.
Wer bereits in Deutschland BAföG bezieht, wird in der Regel auch im Ausland gefördert. Je nach Zielland wird der Inlands-Bedarf durch sogenannte „auslandsbedingte Zuschläge“ erhöht, die zur Hälfte als Zuschuss und zur Hälfte als zinsloses Staatsdarlehen geleistet werden. Aber auch diejenigen, die zu Hause kein BAföG bekommen, sollten einen Antrag stellen, da die Förderbeträge höher als im Inland sind. In diesem Fall bekommt ihr lediglich die auslandsbedingten Zuschläge. Weiterhin werden innerhalb Europas Reisekostenzuschüsse von jeweils 250 Euro für die Hin- und Rückfahrt gewährt (außerhalb Europas: 500 Euro). Zudem werden Studiengebühren von maximal 4.600 Euro pro Jahr übernommen.
Grundsätzlich gilt, dass euer ständiger Wohnsitz in Deutschland liegen muss, um die Förderung zu erhalten. Bei Auslandsaufenthalten innerhalb der EU und der Schweiz ist sie vom ersten Semester an bis zum Studienabschluss möglich. Außerhalb gibt es maximal für ein Jahr BAföG. Die staatliche Unterstützung ist ferner davon abhängig, ob der Auslandsaufenthalt eurer inländischen Ausbildung förderlich ist oder nicht. In der Regel wird hier eine Einschätzung eures Profs verlangt.
Wie auch beim Inlands-BAföG, ist die Antragstellung ein bürokratisches Ungeheuer, das viel Zeit verschlingt. Den Antrag solltet ihr daher mindestens sechs Monate vor Beginn des Auslandsemesters beim für euch zuständigen Auslands-BAföG-Amt stellen. Je nach Zielland ist ein anderes Studentenwerk für euch zuständig. Eine komplette Auflistung findet ihr hier.
Formalitäten Visum, Krankenversicherung und Co.
Sofern ihr außerhalb Europas studieren möchtet, gibt es einige Formalitäten zu beachten. Zu allererst solltet ihr euch um ein Visum kümmern. Da das wie beim BAföG eine zeitraubende Angelegenheit ist, solltet ihr den Antrag frühzeitig angehen. Was ihr genau beachten müsst, erfahrt ihr bei der jeweiligen Botschaft oder Konsulat. Gegebenenfalls kommen dabei Kosten von ca. 100 Euro auf euch zu (wie im Fall der USA).
Daneben solltet ihr euch auf jeden Fall um eine Auslandskrankenversicherung sorgen (gilt auch innerhalb Europas!). Die bekommt ihr bereits für unter 100 Euro pro Jahr. In manchen Ländern (bspw. Kanada) ist es Pflicht, bei der Immatrikulation einen Versicherungsnachweis vorzulegen. Könnt ihr den nicht erbringen, werdet ihr automatisch über das Uni-Krankenversicherungsprogramm versichert – was wesentlich teurer als die inländische Lösung ist.
Gerade bei Auslandssemestern in exotischeren Ländern solltet ihr euch zudem über die notwendigen Schutzimpfungen informieren. Eine umfassende Auflistung findet ihr beim Auswärtigen Amt.










