Beliebte Länder fürs Auslandsstudium
Studieren kann so schön sein: Nämlich dann, wenn die Studenten ihren Wunschstudienplatz an der Uni ihrer Wahl bekommen. Manchmal wird so ein Studium aber auch aus der Not geboren: Angehende Akademiker erhalten in Deutschland keinen Studienplatz und wandern ins Ausland ab. Über beliebte Länder, hohe NCs und verschenktes Potenzial.
Allein im Jahr 2008 waren erstmals mehr als 100 000 deutsche Studierende an einer Universität außerhalb Deutschlands eingeschrieben. Dabei wird in der aktuellsten Erhebung des Statistischen Bundesamts allerdings nicht „zwischen Studierenden mit ständigem Wohnsitz in dem jeweiligen Land“, die ein ganzes Studium im Ausland absolvieren und jenen, die sich „nur im Rahmen eines ein- oder zweijährigen Studienaufenthaltes im Auslands befinden“ unterschieden. Dennoch lassen sich Rückschlüsse auf das Studierverhalten ziehen.
Österreich ist spitze
Innerhalb der letzten zehn Jahre hat die Mobilität erheblich zugenommen, die absoluten Zahlen haben sich mehr als verdoppelt. Mit mehr als 20 000 deutschen Studierenden ist Österreich der Spitzenreiter. Nach Österreich (20 019) folgen die Niederlande (18 972), das Vereinigte Königreich (12 895), die Schweiz (11 005) und die Vereinigten Staaten (9 679). Den sechsten Platz belegt Frankreich (6 071). Zum Vergleich: Im Wintersemester 2008/2009 studierten bereits 180 000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen.
Vor zehn Jahren standen die USA mit knapp 9 600 Studierenden an der Spitze. Diese Zahl blieb auch in der vergangenen Dekade relativ konstant, allerdings haben die anderen Länder in punkto deutscher Studierender kräftig zugelegt. „Die USA sind noch immer sehr beliebt“, so Udo Kleinegees vom Statistischen Bundesamt. Allerdings erfordere ein Studienaufenthalt in dem Land in Übersee vergleichsweise hohe finanzielle Aufwendungen. „In den USA sind eher Gaststudien von ein bis zwei Semestern gefragt“, erklärt der Bildungsexperte. Bei der Befragung des statistischen Bundesamts wurde der angestrebte Abschluss der Studierenden meistens mit „unbekannt“ eingestuft. Dies ließe darauf schließen, dass die Studierenden eher ein Auslandssemester dort verbringen.
Gleich mehrere Faktoren sprechen für das beliebte Studienland Österreich. Zum einen wäre da die Nähe zum Heimatland und die fehlende Sprachbarriere. Zum anderen sind genügend Studienplätze vorhanden. Die günstigen Studienbedingungen ziehen eben auch Studenten aus dem europäischen Nachbarland an. „Oftmals ist die Entfernung zu einer Universität ins Nachbarland geringer, als zu einer innerhalb Deutschlands. Aber dies ist nicht der Hauptgrund: viel wichtiger sei der NC für bestimmte Fächergruppen. „Viele Studierende nehmen lieber ein Studium im Ausland auf, als lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen“, sagt Udo Kleinegees.
Berufswunsch auf Umwegen erfüllen
Und auch Stefan Grob, Pressesprecher des Deutschen Studentenwerks (DSW) bestätigt: „Die Gründe haben mit Lust auf individuelle Erfahrung und Erweiterung des Horizonts wenig zu tun.“ Es sei ein Studium über Umwege, um anschließend seinen Wunschberuf ausüben zu können. Auch für die gestiegene Mobilität der Studierenden hat der Experte eine Erklärung: Die Kommunikation habe sich in den letzten Jahren erheblich verbessert. Dabei dürfe auch informelles Wissen nicht unterschätzt werden. „Es spricht sich rum, dass studieren im Ausland eine Option ist. Und auch, dass Studienplätze in Deutschland einklagbar sind.“ Studierende seinen heute viel besser über ihre Möglichkeiten informiert. In den Niederlanden, Österreich, Schweiz und im Vereinigten Königreich sind es beispielweise die rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fächer, die von den Deutschen studiert werden. In den USA sind auch Mathematik und Naturwissenschaften gefragt. Ungarn ist ein Sonderfall: Von den 341 deutschen Studierenden waren rund 70% in der Humanmedizin immatrikuliert. Im Vordergrund steht somit nicht die Auslandserfahrung, sondern bestenfalls der Abschluss.
Den ersten Platz belegt bei den Absolventen Großbritannien, gefolgt von den Niederlanden, der Schweiz und Österreich. Verkürzte Schulzeit, doppelte Abiturjahrgänge, Abschaffung der Wehrpflicht – in den kommenden Jahren werden in Deutschland viele Abiturienten an die Universitäten strömen. Erst nach 2015 werden sich die universitären Reihen wieder lichten. „Die Universitäten könnten sich ihre Studenten selbst aussuchen“, sagt Stefan Grob. Über einen Eignungstest oder über Bewerbungsgespräche können Universitäten entscheiden, ob die Bewerber zu der Hochschule passen. „Es ist für den Studienstandort Deutschland schlecht, wenn mit steigenden NCs auf die Nachfrage reagiert wird“, so Stefan Grob. Die logische Konsequenz: Die hoffnungsvollen Jungakademiker wandern ins Ausland ab.










