Deutsche Studenten in den Niederlanden: Weiterhin sehr willkommen

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Ein Schreiben des niederländischen Bildungsministeriums zur Lage ausländischer Studenten im Land, sorgte in deutschen Medien zuletzt für Aufsehen. Darin denken die Niederländer über mögliche Zahlungen Deutschlands für deutsche Studenten in den Niederlanden nach. So dramatisch wie hierzulande dargestellt, ist das Anliegen aus dem Nachbarland allerdings nicht. Im Gegenteil.
Kein NC, modern ausgestatte Unis, intensive Betreuung - die Niederlande sind ein populäres Ziel für Studenten aus dem Ausland. Was so positiv klingt, ist für den niederländischen Staat jedoch nicht grundsätzlich ein Zuckerschlecken. Ende Dezember 2011 wurde das Bildungsministerium in Den Haag beauftragt, sich mit den Auswirkungen ausländischer Studenten auf den Staatshaushalt zu beschäftigen. Ergebnis: Sie kosten die Niederlande jährlich zusätzlich 90 Millionen Euro.
Dieser Rechnung liegt vor allem zugrunde, dass ein unausgewogenes Verhältnis zwischen niederländischen Studenten im Ausland und ausländischen Studenten in den Niederlanden herrscht. Während aktuell nur ca. 42.500 Niederländer im Ausland ihrem Abschluss entgegen streben, sind 82.000 Ausländer an niederländischen Hochschulen eingeschrieben.
„Die deutsche Flut“
Deutsche Studenten bilden dabei die mit Abstand größte Gruppe, sind somit Verursacher der meisten Kosten für den niederländischen Staat. Rund 25.000 Deutsche studieren im nordwestlichen Nachbarland. Nach dem Abschluss kehren drei von vier deutschen Studenten den Niederlanden wieder den Rücken zu. Deshalb schlägt Halbe Zijlstra, Staatssekretär im niederländischen Bildungsministerium, in seinem Brief dem Parlament unter anderem vor, einen Dialog mit Deutschland zu suchen. Gemeinsam könnte über eine Form deutscher Subventionierung für die Ausbildung deutscher Studenten in den Niederlanden nachgedacht werden.
Die deutsche Presse reagierte darauf in den letzten Tagen größtenteils besorgt. Milde ausgedrückt. „Zu teuer“, „Deutsche raus aus den Unis“, „Niederländer bitten Deutschland für seine Studenten zur Kasse“ - so oder so ähnlich wurde das Schreiben Halbe Zijlstras und die Stimmung gegenüber den deutschen Studenten in den Niederlanden oft interpretiert.
Unverständnis beim DAAD

- Dr. Annette Julius vom DAAD
Auch der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) setzte sich mit dem Thema auseinander. „Als ich von den Vorschlägen aus den Niederlanden erfahren habe, war ich zunächst etwas verwundert. Ich habe dann mit einigen niederländischen Kollegen darüber gesprochen. Zusammen sind wir das Originaldokument des Bildungsministeriums durchgegangen und eigentlich stellt sich dieses viel ausgewogener dar, als es jetzt in der deutschen Presse aufgegriffen worden ist“, sagt Dr. Annette Julius, Leiterin der Programmabteilung Nord beim DAAD.
Nach ihrer Analyse, richtet sich das Schreiben in keinster Weise gegen ausländische Studenten in den Niederlanden. Schon gar nicht gegen die Deutschen. Immer wieder wird betont, dass eine Internationalisierung für das niederländische Bildungswesen essentiell wichtig ist. Die deutschen Studenten werden dabei sogar gelobt. Statistiken zeigen, dass die deutschen Hochschüler schneller studieren und höhere Abschlussquoten erzielen als ihre niederländischen Kommilitonen. Letztendlich profitiert das gesamte Bildungsniveau davon.
Zudem fordern die Niederländer weder bedingungslos, noch sofort Gelder aus Deutschland. Das Ziel sei zunächst langfristig in EU-Kommissionen, im Bologna-Verbund sowie im direkten Austausch mit der Bundesregierung und den angrenzenden deutschen Bundesländern, die Kosten der Niederlande für die relativ hohe Anzahl ausländischer Studenten zu thematisieren. Dabei solle ein sensibler Dialog mit den Herkunftsländern, zu denen schließlich nicht nur Deutschland zählt, über eine mögliche finanzielle Beteiligung angestrebt werden.
Niederländer fassen sich zuerst an die eigene Nase
Das niederländische Bildungsministerium sucht die Fehler auch im eigenen Land. In Zukunft müsse überlegt werden, wie man mehr junge Niederländer zu einem Auslandsstudium bewegen kann. Speziell in Deutschland - dem wichtigsten Handelspartner.
„Die Tatsache, dass wesentlich mehr deutsche Studenten in die Niederlande gehen als es umgekehrt der Fall ist, ist auch für Deutschland ein wichtiger Punkt. Man muss versuchen dieses Verhältnis ausgeglichener zu gestalten“, meint Annette Julius. „Wir sollten uns fragen, warum die Niederländer ein Studium in Deutschland nicht attraktiv finden. Sonst verliert Deutschland beim Austausch von Kompetenzen mit den Niederlanden an Boden.“
Mit den Hochschulen möchte die niederländische Regierung dazu über die Ausrichtung einiger Studienangebote diskutieren. In den Niederlanden existieren vielerorts Studiengänge, die beispielsweise komplett auf deutsch abgehalten werden. In der Vergangenheit eine bewusste Strategie, um deutsche Studenten anzuwerben. Immerhin erhalten die Hochschulen für jeden Studenten, heimisch oder nicht, 6000 Euro aus der niederländischen Staatskasse. Derartige Studienmodelle fördern aber weniger die gewünschte Internationalisierung. Vielmehr entsteht durch sie eine Abgrenzung zwischen deutschen und niederländischen Studenten.
Zuschüsse nur auf freiwilliger Basis
Selbst wenn es das vehemente Ziel der Niederlande wäre, Ausgleichszahlungen aus Deutschland zu bekommen, müssten Bund oder Länder diesen von sich aus zustimmen. Es gibt schlichtweg keinerlei gesetzlichen Rahmen, der Ausbildungsländern Zuschüsse für ausländische Studenten aus deren Herkunftsländern gewähren würde. Eventuelle Aufnahmebeschränkungen für deutsche Studenten verbietet hingegen alleine schon Artikel 18 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU. Dieser besagt, dass alle Bürger der EU in allen Ländern der EU gleich behandelt werden müssen.
Ähnliche Überlegungen für eine Kostenbeteiligung Deutschlands für seine Studenten, kamen übrigens schon vor Jahren aus Österreich. Doch bislang konnten sich die Österreicher damit nicht durchsetzten. Ebenso wenig wie Berlin, das sogar Zuschüsse für Studenten aus Baden-Württemberg sehen wollte.
Annette Julius und der DAAD haben zu dem Thema ohnehin eine klare Meinung: „Den Versuch innerhalb der europäischen Gemeinschaft Kosten und Nutzen dieses Binnenraums einzeln auszurechnen, sehen wir mit großer Skepsis. Durch den ohnehin ständigen Austausch, gibt es auch immer einen Mehrwert für alle Beteiligten.“








