DSW-Studie zur Auslandsmobilität von Bachelor-Studenten

von Anke-Elisabeth Schoen

Einmal ins Ausland und zurück

Lediglich 7 Prozent der Bachelor-Studenten wagten den Blick über den Tellerrand.

Eigentlich sollte der Bolognaprozess die Mobilität der Studierenden fördern. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten: Im Vergleich zu den alten Studiengängen sammelten Bachelor-Studierende nur im sehr geringen Umfang Auslandserfahrung. Dies ging aus einer Studie  des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, (BMBF), des Hochschul-Informations-Systems (HIS) und des Deutschen Studentenwerks (DSW) hervor. 

Blick über den Tellerrand

Dies kann sich allerdings rasch ändern, denn viele der Studierenden planen noch einen Auslandsaufenthalt. Wenn sie diesen tatsächlich wahrnehmen, nähern sich die Mobilitätsquoten zwischen alten und neuen Studiengängen an. Das grundsätzliche Interesse im Ausland zu studieren ist, laut Studie, vorhanden. Und bei allen Studierenden auch ähnlich ausgeprägt. „Es muss auch im Bachelor möglich sein, ins Ausland zu gehen“, fordert Stefan Grob vom DSW. Universitäten sollten Kooperationen mit ausländischen Hochschulen vereinbaren. Außerdem wäre es wünschenswert, im Lehrplan Zeit für ein potenzielles Auslandssemester einzuplanen. „Die Vision von Bologna muss ernst genommen werden“, so Stefan Grob. 

Frauen trauen sich mehr

Dabei sind Frauen in puncto Auslandsaufenthalt wesentlich aktiver als die männlichen Kommilitonen: In den Bachelor-Studiengängen waren es sogar doppelt so viele Frauen (10 Prozent) wie Männer (5 Prozent), die einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt absolviert haben. In kultur- oder geisteswissenschaftlichen Fächern, in denen Frauen stark vertreten sind, ist der Anteil derer, die ins Ausland gehen, in der Regel höher, als in den naturwissenschaftlichen, technischen oder medizinischen Studiengängen. „Das ist eine statistische Größe, die sich bemerkbar macht“, so Stefan Grob. Außerdem ließe sich in diese Studiengänge besser ein Auslandsaufenthalt integrieren. „Vielleicht sind Frauen aber auch einfach mutiger“, mutmaßt der Pressesprecher. 

Ob Studierende ins Ausland gehen, ist nach wie vor eine Frage des Geldbeutels: Drei Viertel der auslandsmobilen Studierenden werden von ihren Eltern unterstützt. Mehr als die Hälfte arbeitet vor oder während des Auslandsstudiums. Während 60 Prozent der Gobetrotter ein Stipendium erhalten, sind es 30 Prozent, die Auslands-BAföG beziehen. Nach wie vor ist die finanzielle Mehrbelastung die größte Hürde, die Studierende von einem Auslandsaufenthalt abhalten. 

Frage des Geldbeutels

Die soziale Herkunft prägt auch die Mobilität in entscheidendem Maße. Die DSW-Studie differenziert nach Herkunftsgruppe „hoch“ und Herkunftsgruppe „niedrig“. Zur Bestimmung der Positionen wurden im Vorfeld mehrere Kriterien definiert. Ausschlaggebend sind der Abschluss und die berufliche Position des Vaters und das durchschnittliche Einkommen des Haushalts. Studierende in einer niedrigen Herkunftsgruppe haben meist Eltern ohne Hochschulabschluss aber mit Berufsabschluss oder sie sind ungelernt. Die Studierenden mit der Herkunftsgruppe hoch haben Väter in einer gehobenen oder in Führungsposition mit einem relativ hohen Einkommen. Das Ergebnis: Studierende aus einer bildungsnahen Familie besuchen fast doppelt so oft eine Universität im Ausland wie die Kommilitonen aus einer bildungsfernen Familie. 

„Die Studierenden sind einem hohen gesellschaftlichen Erwartungsdruck ausgesetzt“, so Stefan Grob. Am besten sollten sie schnell, erfolgreich und praxisnah studieren. Am besten häuften sie auch noch Praktika an und sprechen mehrere Sprachen verhandlungssicher. Die Erwartungen von Unternehmen und der Gesellschaft hätten die Studierenden verinnerlicht. Dazu gehört auch Auslandserfahrung. „Man sollte nicht nur ins Ausland gehen, damit es schön im Lebenslauf aussieht. Da wird das Unglücklichsein vorprogrammiert“, sagt Stefan Grob. Egal ob es Timbuktu oder Bali sei, Studierende sollten sich für ein Land entscheiden, dass sie begeistert – nicht weil es gut im Lebenslauf aussieht. 

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