Lernen im Web 2.0

von Rita Martens-Baentsch

Viele Hochschulen nutzen Internet und Multimedia-Systeme, um ihren Studenten das Lernen von zu Hause oder unterwegs zu ermöglichen. E-Learning boomt - und manche Unis sind mit ihren Ideen schon einen Schritt weiter als andere. Wir haben vier gute Beispiele für euch.

Studienbegleitendes Online-Netzwerk

Nein, unter www.mypaed.tu-darmstadt.de gibt’s keine deutsche Version von Apples neuer Wunderwaffe iPad zu bestaunen! MyPaed ist eine E-Learning-Lernplattform und wurde kürzlich auf der Learntec in Karlsruhe mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. „In allen Belangen des Studiums will MyPaed die Studierenden begleiten: vom Austausch mit Gleichgesinnten, über das gemeinsame Lernen und Diskutieren bis hin zur Kompetenzentwicklung, sich souverän im Netz zu bewegen“, sagt Diplom-Informatiker Martin Leidl von der TU Darmstadt, der MyPaed wissenschaftlich begleitet. Das Ziel sei es, die nicht so technikbegeisterten Lehramts- und Pädagogikstudenten intuitiv mit Services aus dem Web 2.0 vertraut zu machen. Das eigene Profil integriert zum Beispiel Twitter, Skype und LastFM und bietet Funktionen, die den bekannten Online-Netzwerken ähneln, zielt aber bewusst auf die lokalen Belange der Studierende der TU.

Communitygestütztes Tele-Teaching

Das Hasso Plattner Institut (HPI) bietet unter www.tele-task.de rund 2 200 frei verfügbare Vorlesungsvideos und 5 000 Video-Podcasts mit einzelnen Vorlesungsabschnitten. Sie zeigen zusätzlich zum Vortragenden auch dessen Laptop- oder Tafel-Präsentation. Zudem ist das HPI eine der wenigen deutschen Bildungseinrichtungen, die Vorlesungen über die Plattform iTunes U von Apple (http://itunes.hpi.uni-potsdam.de) anbietet – einem kostenlosen Portal für Unis, das in den USA längst Standard ist. Innerhalb eines Jahres wurden die Kurzvideos des HPI mehr als 1,2 Millionen Mal heruntergeladen. „iTunes U ist sehr beliebt bei den Studenten, weil es nicht auf den eigenen Computer, sondern auf iPod, iPhone oder Handy geladen und mobil angesehen wird“, sagt Franka Moritz, Master of Science am HPI. „In Zukunft soll es eine Lern-Community geben, in der man Vorlesungen bewertet, eigene Anmerkungen macht, digitale Vorlesungsmitschriften speichert sowie Playlisten aufs iPhone herunterlädt“, erklärt Diplom-Informatikerin Maria Siebert vom HPI. „Mobiles und interaktives Lernen ist der neue Trend: sich nicht nur als passiver Nutzer vorm Rechner berieseln lassen, sondern sich mit anderen Studierenden virtuell austauschen.“
Wissens-Floater: Fünf-Minuten-Lehrfilme

An der Bergischen Universität Wuppertal kann man kostenlose Fünf-Minuten-Lehrfilme herunterladen, die einen kurzen Überblick über wichtige technische Verfahren und naturwissenschaftliche Phänomene (z.B. Laser) geben.
Als Podcast und PowerPoint-Bildschirmpräsentationen mit vielen visuellen und auditiven Elementen stellen diese so genannten Wissens-Floater einen kleinen, abgeschlossenen Wissensbereich verdichtet dar. Bilder, Zeichnungen, Animationen, Texte und auch Videoclips können eingebunden werden und stehen unter http://www.wissensfloater.uni-wuppertal.de/ zum Abruf bereit. „Das Besondere ist, dass die erklärenden Texte auch gesprochen werden und so als Hörtexte einen audio-visuellen Lerneffekt bewirken“, sagt Professor ans-Bernhard Woyand: „Wissens-Floater sind wissenschaftlich abgesichert, weil sie von Fachwissenschaftlern erstellt werden. Dabei spielt die Qualitätssicherung eine wesentliche Rolle. Aber die Studierenden werden schon in der Produktionsphase einbezogen, damit auch deren Sicht berücksichtigt wird.“

Virtuelle Klassenzimmer

Bereits seit Mitte der 90er Jahre werden an der FernUniversität in Hagen digitale Prüfungen über Video-Konferenzen mit einem Web-Konferenz-System abgehalten. Das macht Sinn, schließlich leben und lernen die Studierenden der FernUni in ganz Deutschland verteilt. E-Learning setzt die Hochschule flächendeckend über alle Fakultäten mit der Lernplattform Moodle bereits seit 2005 ein. „Die Studierenden treffen sich in synchronen Online-Seminaren, so genannte virtuelle Klassenzimmer. Hier werden die Aufgaben besprochen, die Studierende in Lerngruppen eingeteilt und dann erarbeiten sie in Moodle ihre Referate in den Lerngruppen“, sagt Professorin Claudia de Witt vom Institut für Bildungswissenschaft und Medienforschung der FernUniversität Hagen. Mit Moodle können sie in Foren und Wikis stöbern, Podcasts und Vodcasts anhören oder selbst welche erstellen. „Besonders beliebt – nicht nur bei Erstsemestern – ist die BiWi-Lounge, in der die Lehrenden nichts zu suchen haben. In verschiedenen Foren kann man rund um die Uhr Fragen übers Studium und Studienorganisation stellen und kriegt sie von älteren Semestern beantwortet“, sagt de Witt. Für die nahe Zukunft arbeitet die FernUni an Wissenstests per SMS, bei denen die Lerneinheiten so klein wie möglich sein sollen, um mit dem Handy überall und jederzeit lernen zu können. „Die Einführung von E-Books und EBook-Readern wird kommen“, ist sich de Witt sicher. So wird man die Studienbriefe, die per Post zu den Studierenden gelangen, womöglich bald auf Geräten wie dem iPad zur Verfügung haben.

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