Lernen Lernen: So machen es die Profis

von Robert Adamik , Lena Frommeyer , Denise Haberger und Merel Neuheuser
Anna Basener, Alexander Gerst, Denis Scheck, Jochen Baumgarten
Foto: Privat, © ARD/WDR/Herby Sachs, DFS, EAS

Im Prüfungsmonat September ist Extrem-Lernen angesagt. Und am meisten lernt man bekanntlich von den Besten eines Fachs. Deshalb haben wir neun Profis gefragt, die wahre Experten in Bereichen wie Auswendiglernen, Organisieren oder Konzentrieren sind.

Wie schaffen Sie es, so viele Bücher zu lesen, Herr Scheck?

Denis Scheck
Foto: © ARD/WDR/Herby Sachs

"Vor etwa sieben Jahren habe ich mal ein Jahr lang einen groben Überblick aufgestellt. Damals waren es zwischen 150 und 180 Bücher. Also etwa drei Bücher pro Woche. Ob ein Buch meinem Anspruch genügt, erkenne ich manchmal schon am Umschlag. Wenn es sich um einen Titel wie 'Bekenntnisse einer SM-Hure auf St. Pauli' handelt, weiß ich schon, dass ich literarisch vermutlich nicht begeistert sein werde. Mitunter muss ich unter Druck lesen, aber ich habe keine Schnelllese-Technik. Ich kann mir das in der Literatur nicht vorstellen: Das wäre wie ein Gastrokritiker, der sich Schnelless-Techniken vom Hot-Dog-Wettbewerb abgeguckt hat. Ich rede ja in der Regel von ästhetischen Erfahrungen und die lassen sich nicht beschleunigen. Ich lese mit Stift in der Hand und manchmal auch in der Horizontalen oder in meinem Lieblingssessel, aber eigentlich verrichte ich die Arbeit doch zumeist an meinem Schreibtisch."

Denis Scheck (47) ist Literaturredakteur beim Deutschlandfunk. Er moderiert die Sendung "Druckfrisch" in der ARD.

WIE KÖNNEN SIE SICH SO KONZENTRIEREN, DASS NIE FEHLER PASSIEREN, HERR BAUMGARTEN?

Foto: DFS

"Ich würde fast sagen, Konzentration ist bei uns Fluglotsen eine der Kernkompetenzen. Ich bin mit allen Linien-, Fracht- und Militärmaschinen in Funkkontakt und dafür verantwortlich, dass sich die Maschinen nicht zu nahe kommen. Man hat Tage, da ist man superwach und kann sich den ganzen Tag konzentrieren, und dann gibt es Tage, da merke ich, dass ich unheimlich Energie aufwenden muss. Kaffee ist bei uns der typische Motor. Beim konzentrierten Arbeiten vergesse ich manchmal das Trinken von Wasser. Dann lässt die Konzentrationsfähigkeit schnell nach. Nach maximal zwei Stunden müssen wir eine mindestens halbstündige Pause machen. Nach zwei Stunden geht die Aufmerksamkeit auch rapide bergab. Zwischendurch stehe ich immer mal wieder auf. Und das bringt auch was: sich umdrehen und die Augen auf etwas Entferntes fokussieren und nicht nur auf den 20 bis 30 Zentimeter entfernten Radarschirm."

Jochen Baumgarten (44) arbeitet als Fluglotse für die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Center in Langen.

 

 

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Unis machen nun Jagd auf ...
Redaktion|
irgendwie schon peinlich
Gast|

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