Richtig präsentieren

Im Studium vortragen, ohne sich zum Kasper zu machen

von Henning Lobin
Schlafende Männer im Konferenzraum
So mancher Vortrag ist zum Einschlafen | Foto: Thinkstock

Vorträge mit Powerpoint und Co. gehören zum Studium wie Stift und College-Block - können aber auch gewaltig nerven. In UNICUM erklärt Präsentationsforscher Henning Lobin, wie ihr die vier größten Fallen sicher umschifft.

1. Folien über alles

Foto: Anne-Sophie Hussler

Präsentationsprogramme verleiten dazu, das Zeigen der Folien als fertige "Aufführung" zu verstehen. Diese besteht aber neben den Inhalts-Folien aus der Rede und dem Verhalten des Vortragenden. Alles drei muss ineinandergreifen, damit die Präsentation als Ganzes wirkt. Überlegt euch also auch, wann ihr die Folien links liegen lasst und nur sprecht. Gerade am Anfang, am Ende und zwischen den Hauptabschnitten solltet ihr in freier Rede eine Verbindung zum Publikum herstellen. Dies könnt ihr dadurch unterstützen, dass ihr währenddessen eine leere schwarze Folie einblendet. Die Präsentation wirkt viel besser, wenn sich Rede und Folie sinnvoll ergänzen. Es muss nicht alles, was ihr sagt, auf Folien zu lesen sein. So erscheint ihr dem Publikum nicht wie ein Sklave eurer eigenen Präsentation.

2. PRINZIPIEN DER WAHRNEHMUNG VERLETZEN

Foto: Anne-Sophie Hussler

Für die Gestaltung der Folien gilt: "Form follows function". Setzt Schriftmerkmale, Farbe, Form und Grafik nur dann ein, wenn ihr genau sagen könnt, warum. Beachtet grundlegende Gestaltungsprinzipien: Was zusammensteht, gehört auch inhaltlich zusammen; Größeres erscheint wichtiger als Kleineres, Zentriertes wichtiger als Informationen am Rand. Gestaltet alles gleich, was inhaltlich die gleiche Funktion hat. Das bedeutet zum Beispiel, dass Überschriften immer in genau der gleichen Schriftgröße, -type und Positionierung erscheinen sollen. Die Zuschauer sollen nicht darüber nachdenken müssen, was ihr wohl gemeint haben könntet, wenn sich etwas verändert. Stattdessen sollen sie sich ganz auf den Inhalt konzentrieren können. Helft ihnen dabei auch, indem ihr den Aufbau der Präsentation klar vermittelt, etwa durch Gliederungsfolien.

3. AUGEN AUF IN DER BLEIWÜSTE

Foto: Anne-Sophie Hussler

Präsentationen leben durch das Visuelle. Wenn ihr nur Text auf den Folien habt, fehlt das Entscheidende. Dass es bei eurem Thema angeblich nichts zu zeigen gibt, gilt nicht als Entschuldigung. Recherchiert im Netz nach Bildern zum Thema. Auch abstrakte Inhalte werden durch schematisierte Darstellungen zugänglicher. Überlegt euch dabei, was die zentrale Aussage eurer Präsentation ist und mit welcher visuellen Metapher diese ausgedrückt werden kann. Verzichtet aber auch nicht auf Beispiele, denn sie fördern nicht nur das Verständnis, sondern lassen sich auch besser bildlich umsetzen als Allgemeines. Aber auch hier gilt: keine Bilder ohne Funktion! Reine Verzierungen sind verboten. Bilder wirken sehr direkt, wenn ihr sie ohne Rahmen und Überschrift auf einen schwarzen Hintergrund setzt.

4. RÄTSELHAFTE BEWEGUNGEN

Foto: Anne-Sophie Hussler

Animationen sind eine tolle Sache, denn durch sie können Prozesse eingängig visualisiert werden. Aber auch hier gilt: Alles muss eine Funktion haben und in der Präsentation sinnvoll sein. Lasst ein Textstück nicht von der Seite auf die Folie fliegen, blinken oder hüpfen. Wenn etwas erscheinen soll, wählt wenig spektakuläre Animationen. Wirkungsvoll können auch Animationsketten sein: Baut Schaubilder nach und nach auf, wobei ihr bei jedem Klick genau inszeniert, was passieren soll. Pfeile können in Pfeilrichtung "hineinwischen", Beschriftungen langsam erscheinen. Und auch für Folienübergänge gilt: Sie müssen sinnvoll sein. Durch Blenden über Schwarz kann etwa ein Abschnittswechsel angezeigt werden, durch Überdecken ein Exkurs. In einer normalen Foliensequenz aber solltet ihr schlichte Übergänge wählen.

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