Self-Assessment: Unterstützung bei der Studienwahl
Damit das Traumfach nicht zum Alptraum wird, bieten Universitäten Self-Assesment-Tests an. Was kann ich? Was will ich? Was ist das Richtige für mich? Der virtuelle Selbsttest soll bei der Wahl des Studienfachs helfen.
„Ich kann gut einschätzen, wo meine Stärken und Schwächen für ein Studium liegen“ oder „Ich setze mir ein Ziel, zu den besten Studierenden meines Jahrgangs zu gehören“. Dies sind Beispielaussagen, mit denen die RWTH Studieninteressierte zur Selbsteinschätzung auffordert. Egal ob das Traumstudienfach Architektur, Lehramt oder Wirtschaftswissenschaften heißt, die RWTH deckt alle ihre Fächer mit dem Self-Assesment-Angebot ab.
Bereits seit rund zehn Jahren prüft die RWTH Aachen Studieninteressierte auf Herz und Nieren. Und das ist auch bitter nötig: „Viele fangen an zu studieren, haben aber gleichzeitig keine Ahnung was sie erwartet“, so Diplom-Psychologin Janina Pfeiffer von der RWTH Aachen. Aufgrund des anonymen Selbsttests erhalten Studieninteressierte einen Einblick in ihr Fach und bekommen Feedback. Das Niveau zielt auf die Anforderungen der ersten beiden Semester ab und soll den Start ins Studium erleichtern.
Neigungen und Kompetenzen
Es gibt leistungsbezogene Aufgaben, in denen mathematische Fähigkeiten oder Leseverständnis abgefragt werden. Qualifikationen wie Studienmotivation, Fachinteresse, Selbstvertrauen, Eigeninitiative und Engagement werden in dem 90 bis 120 Minuten dauernden Test ebenfalls ermittelt. „Die Kompetenzen von Abiturienten müssen nicht zwangsläufig auch ihren Neigungen entsprechen“, erläutert Klaus Wannemacher vom Hochschul-Informations-System (HIS). Deshalb werden mehrere Faktoren berücksichtigt. Abschließend erscheint das nur für den Studieninteressierten einsehbare Ergebnis kostenlos auf dem Bildschirm. Außerdem gibt es an der RWTH Aachen die erforderliche Teilnahmebescheinigung und weitere Hinweise zum Studienfach.
Voraussetzung ist allerdings, dass die Teilnehmer die Fragen authentisch beantworten. „Nur so kann gewährleistet werden, dass die Ergebnisse aussagekräftig sind“, betont Klaus Wannemacher. Neben den Fragen zur Selbsteinschätzung müssen innerhalb eines bestimmten Zeitraums auch Aufgaben gelöst werden. „Den Test sollte man nicht zwischen Tür und Angel ausfüllen“, so Janina Pfeifer. Im Vorfeld sei geprüft worden, wie lange die Probanden ungefähr bräuchten. Die Aufgaben seien so konzipiert, dass die Teilnehmer diese in der vorgegebenen Zeit nicht zwangsläufig alle lösen können. Auf diese Weise werde differenziert, ob es jemand schneller oder langsamer schafft. Gleichzeitig werde so auch eine Prüfungssituation simuliert, wie sie die Studenten auch während des Studiums erleben. So würden auch Kompetenzen wie Konzentrationsfähigkeit oder Stressresistenz abgefragt.
Allgemeiner Selbsttest
Ähnlich wie die RWTH Aachen prüft auch die Ruhr-Universität Bochum zukünftige Studenten. Im allgemeinen Selbsttest absolvieren Studieninteressierte hier nicht einen Test einer bestimmten Fächergruppe. Die Anforderungen sind für alle Studiengänge der Ruhr-Universität Bochum ausgelegt. Der Test ist in drei Module aufgeteilt: Eines befasst sich mit dem Berufsweg, ein weiteres mit möglichen Studiengängen. Im dritten Modul werden verschiedene Filme gezeigt, in denen die besonderen Eigenheiten der Ruhr-Universität Bochum vorgestellt werden. „Es geht nicht nur um die Frage, was ich studieren möchte. Sondern auch darum, welchen Beruf ich später ergreifen will“, so Christa Mette von der Firma Eligo, die den Bochumer Self-Assement-Test entwickelt hat. Auch im „Borakel“ werden sowohl soziale als auch kognitive Kompetenzen ermittelt. In vier unterschiedlichen Verfahren wird das Sprach- und Textverständnis, logisches Denken, mathematisches Verständnis und Einfallsreichtum abgefragt.
Karrierewege aufzeigen
„Den Probanden wird ein Karriereweg empfohlen“, so Christa Mette. Daran schließt sich die Frage an, mit welchem Studiengang ich mein Ziel erreichen kann. Anschließend wird ein individuelles Profil erstellt, das mit dem Fächerangebot der Ruhr-Universität Bochum abgeglichen wird. Kann ich Maschinenbau studieren? Oder doch besser Geschichte? „Der Test trifft eine Aussage darüber, welche Vorraussetzungen jemand mitbringen muss um ein bestimmtes Fach studieren zu können“, sagt Christa Mette. Anschließend werden den Studierenden fünf Fächer empfohlen, die für sie in Frage kommen. Aber auch bei allen anderen Fächern wird eine Passung erstellt. Wenn einen Studieninteressierten ein Fach besonders interessiert, kann er dies auch angeben.
An der RWTH Aachen ist es zum Wintersemester 2011/12 erstmals für alle Bachelor- und Lehramtsstudiengänge verpflichtend, am Self-Assesment teilgenommen zu haben. Die Studierenden sollen sich gezielt mit ihrer Studienwahl auseinander setzen. „Natürlich verbieten wir niemanden die Studienaufnahme, auch wenn der Test starke Schwächen offenbart“, sagt Janina Pfeiffer. Stattdessen würde den Studierenden beispielsweise ein Vorkurs empfohlen, um diese auszugleichen. Auch ein Besuch bei der Studienberatung oder der Studienfachberatung kann sich lohnen. Schließlich ersetze der Test nicht das persönliche Gespräch.
Studienabbrecher verhindern
Es ist ein Geben und Nehmen: Um unnötige Kosten zu vermeiden, soll die Studienabbrecherquote gesenkt werden. Gleichzeitig profitieren die Studierenden aber auch die Universität davon, wenn sich die angehenden Akademiker gleich für das passende Fach entscheiden. „Die Self-Assements sind nur ein Baustein im Studienentscheidungsprozess“, betont Janina Pfeiffer. Den angehenden Akademikern wird empfohlen, eine Studienberatung oder eine Fachstudienberatung zu besuchen. „Allerdings können die Abiturienten viel gezielter Fragen stellen, wenn sie vorher einen Test absolviert haben“, so Klaus Wannemacher.










