Studienabbruch vermeiden

von Holger Wendt

Sind Studienabbrecher verkrachte Existenzen, die nichts auf die Reihe bekommen? Eine Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) möchte das Gegenteil beweisen. Das Fazit: Der Hauptgrund für einen Studienabbruch ist nicht die fehlende Motivation, sondern der steigende Leistungsdruck.

An der bundesweit repräsentativen Untersuchung zu den Ursachen und Motiven des Studienabbruchs beteiligten sich im Jahre 2008 rund 2 500 Studienabbrecher von 54 Universitäten und 33 Fachhochschulen. Im Zentrum der Analyse standen Fragen wie „Welches sind die wesentlichen Gründe für den Studienabbruch? Haben sich die Gründe für einen Studienabbruch in den letzten acht Jahren, also seit der zuletzt von HIS durchgeführten Abbruchuntersuchung, verändert?“

2008 verließ jeder fünfte Student die Uni ohne Studienabschluss

Verändert hat sich jede Menge. Fakt ist: Im Jahr 2008 verließ jeder fünfte Student die Uni ohne Studienabschluss. Das sind immerhin 5% weniger als noch im Studienjahr 2002, da lag die Quote der Studienabbrecher bei 25%. Im internationalen Vergleich stand Deutschland 2008 dabei im Mittelfeld der OECD-Länder (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) – eine leichte Verbesserung zu den Vorjahren. Die Gründe für den Rückgang des Studienabbruchs betitelt das HIS mit den verkürzten Studienzeiten der Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge. Deutlich wird dieser Rückgang bei den Geistes- und Kulturwissenschaften. Hier verringerte sich die Anzahl der Abbrecher von 32 auf 27%. Andere Fachbereiche zeigen ein ähnliches Abbruchverhalten. Auffallend niedrige Werte verbuchen medizinische und – man mag es kaum glauben – Lehramts-Studiengänge. Ein Rückgang der Abbrecherquote ermittelte das HIS außerdem in den Rechts- und in den Sozialwissenschaften.

Wo soll die Reise hingehen? War meine Studienwahl zu voreilig? Kann ich mir den Spaß überhaupt leisten? Möchte ich nicht viel lieber eine Ausbildung machen? Grundsätzlich geht dem Studienabbruch ein längerer Prozess des Nachdenkens voran. In dieser Phase wird – so pathetisch es auch klingen mag – darüber entschieden, was man mit seinem Leben anfangen möchte. Hinzu treten äußere (Studienbedingungen, Betreuungsleistung, Möglichkeiten der Studienfinanzierung) und innere Merkmale (Studienwahlmotive, Leistungsvermögen etc.), die die betroffenen Personen je nach Fallbeispiel unterschiedlich stark gewichten.

Der Hauptgrund für einen Studienabbruch: Leistungsdruck

Die interessantesten Fakten liefert die HIS-Studie zu den Ursachen des Studienabbruchs. Der häufigste Grund für einen Studienabbruch ist nicht etwa die fehlende Motivation, sondern der teilweise durch den Bologna-Prozess verstärkte Leistungsdruck, der schließlich in Überforderung mündet (20%). Ergänzt wird diese Zahl durch weitere 11%, die ihr Studium aufgrund von nichtbestandenen Prüfungen ad acta legen. Kommen wir zum Problem der Studienfinanzierung. Nicht alle StudentInnen können einen BAföG-Anspruch vorweisen und müssen sich mit Nebenjobs über Wasser halten. Für immerhin 19% aller Studienabbrecher wird die Doppelbelastung irgendwann zu stark. Sie brechen ihr Studium ab. Fehlende Motivation oder Identifikation mit dem Studienfach führt immerhin bei 18% der Befragten zu einem Knick in der akademischen Laufbahn.

All diese Zahlen würden keinen Sinn ergeben, wenn man sie nicht mit den Ergebnissen aus den voran gegangenen HIS-Studien vergleichen würde. Während 2000 der Leistungsdruck nur für 20% der Studenten ausschlaggebend für eine Umorientierung war, ist die Zahl im Jahr 2008 auf stolze 31 Prozentpunkte herangewachsen. Das Zauberwort heißt an dieser Stelle wieder einmal Bologna. Denn durch die Umstellung auf die internationalisierten Bachelor- und Masterstudiengänge müssen Studenten oftmals die gleichen Inhalte in kürzerer Zeit pauken. Dass dabei der Unmut über das eigene Studium wächst, ist verständlich.

Die HIS-Studie "Ursachen des Studienabbruchs in Bachelor- und in herkömmlichen Studiengängen" von Ulrich Heublein, Christopher Hutzsch, Jochen Schreiber u.a. könnt ihr euch hier ansehen und downloaden: www.his.de

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