Problem Aufschieberitis

von Sarah Jungbluth

Der Abgabetermin rückt immer näher und plötzlich ist die Wohnung blitzblank, die DVDs sind sortiert und der Kleiderschrank ausgemistet. Nur die Hausarbeit will noch geschrieben werden. Ein klassischer Fall von Aufschieberitis.

Die meisten Menschen haben schon einmal eine unangenehme Aufgabe aufgeschoben und viele tun dies regelmäßig. Dahinter steckt in der Regel eine Abneigung gegen die Aufgabe und die Hoffnung, dass sich jemand anders findet, der sie erledigt. Das geht soweit, bis nicht mehr aufgeschoben werden kann. Dann gibt es nur noch zwei Möglichkeiten. Entweder wird ein nie dagewesener Ehrgeiz entwickelt und die Arbeit im letzten Moment erledigt, oder die Frist wird versäumt.

Unterscheiden muss man allerdings zwischen der harmlosen Form des Aufschiebens und der krankhaften, auch Prokrastination genannt. Wenn wir nur ab und zu aufschieben, um uns den nötigen Druck zu verschaffen, unter dem wir vermeintlich besser arbeiten können, ist das in der Regel harmlos. Bei manchen Menschen artet die Aufschieberitis aber so stark aus, dass sie sich selbst im Weg stehen und ihre Zukunft verbauen. Solche schwerwiegenden Fälle hängen oft mit Depressionen oder Schlafstörungen zusammen und können dann schon richtige Arbeitsstörungen sein. Im Prinzip gibt es zwei Typen von Prokrastinierern, die jedoch nicht strikt voneinander getrennt werden können, da sie sich gegenseitig bedingen. Es gibt diejenigen, die aufschieben, weil sie den nötigen Arbeitsdruck erzeugen wollen und diejenigen, die die unangenehme Arbeit vermeiden wollen.

Prokrastinierer leiden regelrecht unter ihrem Aufschieben und verbauen sich unter Umständen ihre eigene Zukunft. In dem Fall wird professionelle Hilfe vom Psychotherapeuten benötigt. Dieser begleitet seinen Patienten durch eine Therapie, die sich in erster Linie darauf konzentriert, wie man sich überwindet anzufangen und wie sinnvoll geplant wird.

Sind Aufschieberitis und Prokrastination Phänomene unserer Zeit? Ja und nein. Sie existieren nicht erst seit gestern, tatsächlich aber gibt es heute ein immenses Angebot an alternativen Beschäftigungen, die sie begünstigen. Mit Handys, Internet und Fernsehen können wir uns jederzeit stundenlang ablenken. Hinzu kommen die klassischen Ersatzbeschäftigungen, wie Putzen, Sortieren, Ausmisten. Die können im Gegensatz zu Handy und Co. sogar noch das schlechte Gewissen beruhigen, schließlich ist am Ende die Wohnung wieder ordentlich.

Wer nicht unter der krankhaften Form des Aufschiebens leidet, sondern sich nur ab und zu mal zu lange vor einer Arbeit drückt, der kann sich mit unseren Tipps gegen Aufschieberitis helfen. Wer sich nicht sicher ist, ob sein Verhalten schon krankhaft ist, kann im Internet bei der Universität Münster einen Test ausfüllen. Der zeigt sofort an, ob man mehr aufschiebt, als andere Menschen und ob das bedenklich ist oder nicht. Dieser Test ersetzt natürlich keine professionelle Diagnose.

Weitere Informationen zu Prokrastination unter
wwwpsy.uni-muenster.de/Prokrastinationsambulanz

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