Akademisches Doppel: Liebe unter Studenten

von Nathalie Klüver
Erik Herr und Valerie Fell
Bild: Nathalie Klüver

Die Uni ist ein wunderbarer Beziehungsmarkt. Aber Liebe unter Studenten hat ihre ganz eigenen Tücken: Klausuren, Auslandssemester, Praktika und die Ungewissheit, wie und wo es nach dem Studium weitergeht.

Meine Eltern haben sich während des Studiums kennengelernt. Wie das so war: Man studierte zusammen, zog dann in eine Stadt, natürlich gemeinsam, bekam Kinder und alles ging seinen Gang. Bis in die 70er Jahre hinein gab es sogar ein Gesetz, das besagte, dass der Mann bestimmt, wo der Wohnort der Familie liegt - schließlich war er ja der Geldverdiener.

So einfach sind die Dinge heute nicht mehr: Wer weiß schon, wo es einen nach dem Studium hin verschlägt? Wer sagt, dass beide in derselben Stadt einen Job finden? Außerdem wollte man schon immer ein Praktikum in New York machen und dieses Auslandssemester in Sydney. Und das Traineeprogramm in London bietet einfach die besten Karriereperspektiven. Bin ich ein herzloser Egoist, wenn ich darauf einfach nicht verzichten will - und dafür ein Jahr Fernbeziehung und vielleicht sogar das Ende meiner Beziehung in Kauf nehme? Verpasse ich aber vielleicht etwas vom Leben, wenn ich mich zurücknehme und doch in Deutschland bleibe? Und wer sagt mir überhaupt, dass diese Beziehung ein Leben lang hält? Am liebsten will man natürlich alles haben - aber geht das überhaupt? Fragen über Fragen.

Mehr als die Hälfte aller Studenten lebt in einer Beziehung

Laut Hochschul-Informations-System lebt ein Drittel der Studenten während des Studiums eine gewisse Zeit im Ausland, 60 Prozent wechseln nach dem Abschluss den Wohnort. Zwei Drittel aller jungen Menschen sind laut einer Umfrage der Zeitschrift Brigitte bereit, für den Job umzuziehen. Wo bleibt da die Liebe? Schließlich lebt mehr als die Hälfte aller Studenten in einer Beziehung. 

 

Die zwei aus dem Wohnheim: Tanja Lange und Sebastian Thiele
Bild: Franziska Dietzel

Von wegen wildes Studentenleben, in dem man sich austobt, die Hörner abstößt und von Bett zu Bett hüpft: 70 Prozent der Studierenden geben an, dass eine glückliche Beziehung für sie zu den wichtigsten Dingen im Leben zählt. Neun von zehn sagen laut UNICUM Studentenmatrix, dass Treue in der Partnerschaft sehr wichtig ist. Für zwei Drittel aller Studenten ist Familie "ein unbedingtes Muss im Leben". Doch,was ist mit dem Traum, einmal in Fernost zu leben, wenn der Partner in Deutschland studiert?

Diese Frage stellen sich Felix und Silke aus Osnabrück: Sie geht für einige Monate nach China. Sie sehen dem Ganzen dennoch gelassen entgegen. "Natürlich ist räumliche Distanz immer eine Belastungsprobe für eine Beziehung, aber wenn wir das beide wollen, bekommen wir das schon hin", sagt Felix optimistisch. Mit Skypen und E-Mails wollen sie die Entfernung so gut es geht verkleinern, erzählen die beiden. "Trotzdem wird mir natürlich die Nähe fehlen. Alleine schlafen ist eben blöd", sagt Silke. Für die 27-Jährige gehört ein Auslandsaufenthalt aber heutzutage zum Leben dazu, und auch Felix, der während seiner Kindheit auf mehreren Kontinenten aufgewachsen ist, sieht das genauso. Er wäre nie auf die Idee gekommen, Silkes Vorhaben anzuzweifeln.

Auch Erik und Valerie stehen vor einer räumlichen Trennung. Die beiden Nordlichter studieren an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel. Auch wenn es nicht dieselben Studiengänge sind, verbringen sie viel Zeit miteinander: "Als Student ist es viel unkomplizierter, sich regelmäßig zu sehen und mal eben spontan zusammen in der Mensa zu essen", findet Erik. Nicht wie bei Berufstätigen, die sich nur zum Abendbrot sehen und dann erschöpft ins Bett fallen, lachen die beiden.

Doch nun haben sie ihren Bachelor, und während Erik in Kiel seinen Master macht, zieht Valerie nach Basel. Nicht eben um die Ecke. Doch dank Billigfliegern durchaus machbar, sind sie sich sicher. "Wir haben viel diskutiert, sind uns aber einig, dass wir den Master dort machen, wo es uns beruflich voranbringt", erklärt Erik. Besser eine Fernbeziehung als ein fauler Kompromiss, wo einer nie ganz zufrieden ist. Nach dem Master wollen sie aber gemeinsam eine Stadt anpeilen, gerne die Medienstadt Hamburg, sagen die Designstudenten.

"Startet einer vor dem Anderen in das Berufsleben, ist das ein Belastungstest"

Die Ungewissheit, was nach dem Studium kommt und wie es mit der Karriere weitergeht, sei typisch für Studentenbeziehungen, sagt Paartherapeut Volker van den Boom aus Aachen, der sich auf Studentenberatungen spezialisiert hat. Immer wieder tauche diese Frage in seinen Sitzungen auf. "Es ist wichtig, das Thema ebenso wie geplante Auslandsaufenthalte offen anzusprechen und gemeinsam zu überlegen, wie es weitergehen soll." Wenn einer vor dem anderen ins Berufsleben starte, sei es ein weiterer Belastungstest für die Partnerschaft: "Dann verschieben sich Interessen und Freundeskreise."

 

Die Triathleten: Felix Weber und Silke Kärcher
Bild: Stefan Kny

Während der eine unter der Woche feiert, ist der andere k. o. vom Arbeiten und will am Feierabend nur noch vorm Fernseher entspannen. Das kann natürlich zu Konflikten führen, vor allem, wenn der arbeitende Partner Karriere machen will und auch mal mehr als acht Stunden arbeitet. Auch hier sei es wichtig, über die Bedürfnisse offen zusprechen.

Ebenfalls offen und rechtzeitig ansprechen sollten Studentenpaare die Themen Familie und Kinder, rät Volker van den Boom. Gerade bei Studenten, bei denen beide einmal Karriere machen möchten, sei dies ein wichtiges Thema, über das man sich gemeinsam Gedanken machen sollte, damit es nicht zu Streitereien kommt. Überhaupt Streitereien - besonders kritisch sei dabei die Prüfungszeit, so der Therapeut: "Das ist mit Stress verbunden, oft taucht einer zwei Wochen komplett zum Lernen weg." Da sei es wichtig, feste Zeiten miteinander zu vereinbaren, aber auch darauf zu achten, nicht nur zusammenzuhocken. Wenn einer dem anderen hilft, sollte man darauf achten, dass es nicht zum Ungleichgewicht kommt und einer mehr hilft, als der andere zurückgeben kann. "Sonst bekommt man das noch Jahre später vorgerechnet."

"Wenn man sich Zeit für Austausch und Anteilnahme nimmt, baut man Stress ab und leistet am Ende mehr, als wenn man das nicht tut", sagt Felix. Wie zwei Drittel aller Studenten schöpft er seine Kraft aus der Partnerschaft. Für Silke gibt es klare Grenzen, wann Feierabend ist und die Zeit für die Partnerschaft beginnt: "Zeit hat man nicht, man muss sie sich nehmen."

So haben es auch Tanja und Sebastian gemacht, als sie in Ilmenau ihre Bachelor-Arbeit schrieben. "Das war wirklich schwierig für die Beziehung, als wir von früh bis spät am Bachelor saßen", erinnert sich Tanja. Die Essenszeiten hatten sie füreinander reserviert und ganz bewusst Zeitfenster füreinander geschaffen und diese auch immer eingehalten. Wenn es um die Jobsuche geht, wird sich Tanja an Sebastians Ortswahl anschließen, denn der habe schon konkretere Vorstellungen als sie. Sie ist überzeugt: "Wenn man zusammenbleiben möchte, muss einer Kompromisse eingehen."


Kurz & knapp

>> Für 70 Prozent der Studenten zählt eine glückliche Beziehung zu den wichtigsten Dingen im Leben.

>> Für zwei Drittel aller Studenten ist Familie ein unbedingtes Muss im Leben.

>> In der Prüfungszeit kracht es bei Studenten-Pärchen besonders häufig.

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